Die Deponieplanung beginnt

MÖRSCHWIL ⋅ Seit einem halben Jahr ist der Deponiestandort Aachen im kantonalen Richtplan eingetragen. Die künftigen Betreiber wollen keine weitere Zeit verlieren. In wenigen Tagen starten die Vorbereitungsarbeiten.
03. März 2017, 09:15
Corinne Allenspach

Corinne Allenspach

corinne.allenspach@tagblatt.ch

Und plötzlich geht es schnell. In den Sommerferien 2016 erst teilte der Kanton mit, dass er den Deponiestandort Aachen in den Richtplan aufgenommen hat. Trotz mehrfacher Einwände des Gemeinderats und der Bevölkerung, die den Verlust des Naherholungsgebiets mit intakter Landschaft befürchten. Bereits nächste oder übernächste Woche starten die Vorarbeiten. Federführend sein wird die Firma Resdag, Ressourcen und Deponien AG, die auf einer Fläche von rund 15 Fussballfeldern dereinst eine Deponie für Aushubmaterial und Inertstoffe betreiben will.

Als erstes werde das Gelände zusammen mit Geoinfo Gossau vermessen – mit einer Drohne. Wofür Geometer mit Theodolit und Nivelliergerät früher wochenlang brauchten, benötigt die Drohne heute gerade einmal einen Tag. Später nimmt ein Geologe Bodenproben, um Material und Stabilität zu prüfen. Zudem werde das Grundwasser gemessen und auch Ökologen und Umweltingenieure seien vor Ort. Ziel sei es, bis Mitte 2017 alle Vorarbeiten abzuschliessen. «Erst wenn wir alle Grundlagen haben, können wir entscheiden, ob wir die Deponieplanung weiterführen oder stoppen müssen», sagt Norbert Gschwend, Verwaltungsratspräsident der Resdag.

Umweltverbände haben klare Erwartungen

Dass der Unmut vieler Mörschwiler über eine weitere Deponie gross ist, nachdem bereits Unterbüel in wenigen Wochen ihren Betrieb aufnehmen wird, ist man sich bewusst. «Wir wollen die Leute mit ihren Bedenken abholen und nicht mit der Brechstange vorgehen», verspricht Walter Schwarzkopf, Geschäftsführer der Resdag AG.

Sollten die Vorarbeiten zeigen, dass eine Deponie in Frage käme, werde man vor Einreichung des Baugesuchs die Bevölkerung einladen, um das Vorprojekt zu präsentieren und allfällige Änderungswünsche aufzunehmen. Bei der Resdag ist man indes überzeugt, dass Aachen «ein super Deponiestandort» ist. Weil die Zufahrt in Autobahnnähe liege, aber auch, weil in der Region St. Gallen–Rorschach Deponien fehlen. «Die Dringlichkeit für neue Deponien ist gross. Es gibt Tage, an denen wissen wir kaum, wohin mit dem Aushub», sagte Gschwend, der in Engelburg die Transportfirma Jakob Gschwend AG führt, bereits vor einem Jahr. Die Mörschwiler würden nur wenig spüren von Aachen: «Es wird kein einziger Lastwagen durchs Dorf fahren deswegen.»

Die Einfahrt zur Deponie soll bei der Unterführung Horchental über eine Erschliessungsstrasse erfolgen. Auf der Aachenstrasse zur Straussenfarm ist eine Überführung geplant. «Wir wollen auf keinen Fall in Konflikt kommen mit Fussgängern, Schülern oder Privatverkehr», sagt Schwarzkopf. Auch mit Pro Natura und WWF wolle man jegliche Konflikte vermeiden. Die Umweltverbände legten im Herbst dar, warum die Deponie Aachen aus ihrer Sicht keine negativen Auswirkungen auf Landschaft und Ökologie hätte und daher geeignet sei (Tagblatt vom 20. August). Für Schwarzkopf eine positive Ausgangslage: «Wir hoffen, dass der Widerstand aus der Bevölkerung nach dieser Antwort abnimmt, weil die Mörschwiler erkennen, dass die Natur mit der Deponie eher aufgewertet würde.» Gejubelt habe man über den Brief von WWF und Pro Natura trotzdem nicht. «Darin sind klare Erwartungen formuliert, die unsere Planer jetzt umsetzen müssen.» Beispielsweise schreibt Pro Natura, dass eine Deponie in einer schützenswerten Landschaft wie Aachen «äusserst sorgfältig geplant» werden müsse. Wichtig sei unter anderem, dass die optimale Landschaftsform das Volumen der Deponie bestimmen müsse und nicht umgekehrt.

Gemeinde wartet vorerst mal ab

Die 35 Anstösser in Aachen wurden gemäss Schwarzkopf gestern über den Start der Planungsarbeiten informiert. Gemeindepräsident Paul Bühler weiss seit wenigen Tagen davon. Gross äussern will er sich nicht. «Wir nehmen den Planungsstart zur Kenntnis», sagt er. Schliesslich sei es jedem frei gestellt, ein Bauvorhaben zu planen. «Da muss uns niemand zuerst fragen.» Vorerst werde man abwarten, und falls dann tatsächlich ein Baugesuch eingehe, dieses «sorgfältig prüfen».

Stand der Deponieplanung Aachen ab nächster Woche laufend unter www.resdag.ch


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