Der harte Kampf ums Überleben

Hart von den Downloads konkurrenziert: die Compact Disc. (Keystone)
ST.GALLEN. Die Krise der Musikindustrie tangiert jene Platten- und CD-Läden, die es in St.Gallen noch gibt. Tagblatt Online hat einige von ihnen befragt, wie sie sich im immer härter werdenden Markt zu behaupten versuchen.
10. März 2011, 06:11
Daniel Walt
Musik Hug, das alt eingesessene Geschäft im Herzen der Stadt, spürt die Umsatzrückgänge wegen des zunehmenden Downloadens von Musik im Internet zwar. «Sie sind bei uns allerdings nicht so stark wie generell in der Schweiz», sagt Marcus Forlin, Marketingleiter der Gruppe Musik Hug. Er führt dies darauf zurück, dass sich das Unternehmen nicht auf die meistverkauften CD’s beschränke, bei denen wohl der grösste Einbruch stattgefunden habe. «In Bereichen wie Klassik, World Music oder Jazz kann sich der Kunde bei uns beraten lassen. Das hilft, Stammkunden nicht zu verlieren», sagt Forlin. Eine Schliessung des Standortes St.Gallen stand laut Forlin noch nie zur Debatte.
 
Manor: Den Teufelskreis durchbrechen
In den meisten St.Galler Warenhäusern gibt es keine CD-Abteilung mehr. Eins, das dem Trend trotzt, ist der Manor. Die Abteilung ist aber wesentlich kleiner als jene des damaligen Vilan, aus dem Manor hervorging. Alessandro Zaniboni, Abteilungsleiter Nonfood, bestätigt: «Sie ist der kleinste Bereich im ganzen Untergeschoss.» Die Top 20 der Hitparade plus ein Gestell von zwei Metern mit assortierten, kommerziellen CD’s findet der Kunde noch. Weniger potenzielle Käufer, reduziertes Angebot – und damit ein weiterer Kundenrückgang? Zaniboni sah diese Gefahr und reagierte: Manor St.Gallen ging eine Partnerschaft mit einem Online-Händler ein. Wünscht ein Kunde eine bestimmte CD, die Manor nicht im Laden hat, bestellt das Geschäft den Artikel beim Händler. Eine Schliessung der CD-Abteilung ist für den Manor trotz rückläufiger Zahlen nicht geplant. Ein Grund: «Rund 70 Prozent der Manor-Kundschaft besteht aus Frauen. Die CD-Abteilung hingegen lockt vor allem auch Männer an», so Zaniboni.
 
Bro: Der Nachwuchs wird weniger
Seit 1973 gibt es den Bro Records in der Stadt. Er führt ein grosses Sortiment an Vinyl und CD’s quer durch praktisch alle Stilrichtungen – wenig vertreten ist einzig Hitparadenmusik. «Eine Schliessung war bei uns noch nie ein Thema», sagt Mitinhaber Alex Spirig, der wie sein Geschäftspartner vom Laden lebt. Trotzdem spürt auch Bro das Aufkommen von Downloads: «Immer weniger junge Menschen sammeln Tonträger», sagt Spirig. So steigt das Durchschnittsalter der Bro-Kundschaft tendenziell immer etwas an. Trotzdem ist der Mitinhaber überzeugt, dass Bro auch in der heutigen Zeit überlebensfähig ist: «Mit guten Preisen und einem Topservice. Man kann weltweit jeden Tonträger beschaffen – wir schrecken da vor gar nichts zurück», sagt er.
 
Yesterday’s Music: für den Vinylliebhaber
«Seit zehn Jahren betreibe ich meinen Laden professionell», sagt Bruno Hinder von Yesterday’s Music. Er hat nach eigenen Angaben rund 20'000 Tonträger im Angebot – alles Vinylplatten. CD’s führt er bis heute nicht. «Damit wollte ich nie etwas zu tun haben», sagt der passionierte Musikliebhaber alter Schule. Seine Strategie, nur auf Vinyl zu setzen, kommt ihm jetzt, wo die CD-Absätze seit Jahren konstant zurückgehen, zugute. Hinder: «Klar spüre auch ich die aktuellen Tendenzen etwas, aber nicht sehr stark.» Viele, insbesondere Sammler, kommen nach wie vor zu ihm, weil sie Wert auf gepflegte Platten und schöne Covers legen. Hinder setzt zudem auf ein breites Sortiment, das von Klassik und Jazz über Schlager bis hin zu Pop, Rock und sogar Hip Hop reicht. «Auch die Beratung ist wichtig», so Hinder. Es reiche nicht, einfach Platten hinzustellen und zu denken, die kaufe dann schon jemand.
 
«Fresh Cuts»: 30 Prozent weniger CD-Umsatz
Seit über fünf Jahren gibt es «Fresh Cuts», einen Laden, der vorwiegend elektronische Musik verkauft. Er ist jeweils freitags und samstags ab dem Mittag geöffnet. «Was die investierte Zeit angeht, ist der Laden allerdings viel mehr als ein Hobby für uns», sagt Mitinhaber Philipp Buob. Auch «Fresh Cuts» spürt den Rückgang an Verkäufen physischer Tonträger: «Letztes Jahr beispielsweise sank der Umsatz von CD’s im Vergleich zum Vorjahr bei uns um rund 30 Prozent», hält Buob fest. Weniger betroffen sei der Verkauf von Vinyl – insbesondere der Dubstep-Stil laufe gut, während Vinyl im Technobereich nicht mehr üblich sei. Die Frage nach dem Weiterbestehen müsse sich ein Plattenladen in der heutigen Zeit regelmässig stellen, sagt Buob auf eine entsprechende Frage.

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