Das sonderbare Tierwesen Mensch

«Die Göttin aller Dichter» betitelt die St. Galler Schauspielerin und Lehrerin Nathalie Hubler ihren Fabel-Abend. Morgen Freitag feiert sie mit ihrer neuen Produktion Premiere im Theater 111.
17. März 2016, 02:40
BRIGITTE SCHMID-GUGLER

«Ein Pudel, der mit gutem Fug / Den schönen Namen Brutus trug, / War viel berühmt im ganzen Land / Ob seiner Tugend und seinem Verstand. / Er war ein Muster an Sittlichkeit, / Der Langmut und Bescheidenheit. / Man hörte ihn loben, man hörte ihn preisen / Als einen vierfüssigen Nathan den Weisen. / Er war ein wahres Hundejuwel! / So ehrlich und treu! eine schöne Seel!»

Oft und öfter schleichen sie sich einem ins Hirn, die vielsagenden Zeilen des Dichters und Journalisten Heinrich Heine. Etwa, wenn man Hündchen und Frauchen beim Spazieren beobachtet, mal in stummer Ein-, mal in bellender Zwietracht.

Vielstimmig aufgegriffen

Das Gedicht mit dem Titel «Der tugendhafte Hund» findet man nicht unter jenen, die Nathalie Hubler für ihre Produktion ausgesucht hat. Doch ihre kleine, feine Auswahl beinhaltet Fabeln, deren Ursprung zurückreicht bis zu Äsop, dem griechischen Dichter, der zu seinen Lebzeiten um das 6. Jahrhundert vor Christus herum ein, wenn auch kauziger, doch vielleicht gerade drum ein berühmter Fabulierer gewesen sein soll. Er tat, was auch nach ihm viele Fabeldichter taten: Er benützte Tiere, um über das sonderbare Wesen Mensch zu schreiben. «Der Hund» heisst ein von ihm stammender Aphorismus, den Nathalie Hubler in ihrer Sammlung hat. Sie hatte eine erste Fassung der Produktion bereits im letzten Sommer zur Aufführungen gebracht, als sie sich am 25-Jahr-Jubiläum der Galerie vor der Klostermauer beteiligte. Der Ertrag ihrer Recherchen zum Thema Fabeln war so reichlich, dass sie beschloss, diesen zu einem abendfüllenden Programm auszubauen und es mit selber gebauten Handpuppen und einem Xylophon zu bereichern.

Humorvoll und subtil

Da treten also «Leute» wie das gefrässige, aber blinde «Dunkeltier», der Maulwurf auf, von Marie von Ebner-Eschenbach (1830 – 1916) subtil personifiziert. Von Eseln und Pferden, Schlangen und Schafen, Mücken und vielen anderen eitlen Geschöpfen, verfasst von Jean de La Fontaine bis zu nicht minder begabten Fabeldichtern wie Ephraim Lessing oder Wilhelm Busch wird die Rede sein.

Die Göttin aller Dichter Premiere: Fr, 18. 3., 20.00. Vorstellungen: So, 20. 3.,17.00; Mi, 30. 3., 20.00; Fr, 8. 4. 20.00; So, 10. 4., 17.00. Theater 111, Grossackerstrasse 3. www.theater111.ch, 071 222 10 59.

Leserkommentare