Das «Abenteuer Matura» erlebt

49 Frauen und Männer haben an der Interstaatlichen Maturitätsschule für Erwachsene die Zweitwegmatura in Angriff genommen und die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. Sie haben am Samstag im Pfalzkeller ihre Diplome erhalten.
12. Juli 2016, 02:35
CLAUDIA SCHMID

Rektor René Stadler gratulierte den erfolgreichen Maturandinnen und Maturanden zu ihrem Erfolg. Mit dem Zeugnis in Händen stünden ihnen die Türen zu Universitäten, ETHs und Pädagogischen Hochschulen im In- und Ausland offen. Wie er aus Gesprächen erfahren habe, würden viele nach den Sommerferien ein Studium beginnen.

Hohe Ansprüche

Aus den Worten des Rektors wurde deutlich, dass die Ausbildung an der Interstaatlichen Maturitätsschule für Erwachsene (Isme) anspruchsvoll ist. Im Januar 2013 habe für 57 Studierende am Standort St. Gallen das «Abenteuer Matura» begonnen. Etliche Studierende hätten jedoch in den letzten dreieinhalb Jahren die Klassen verlassen. «Einige, weil sie die hohen Anforderungen nicht erfüllen konnten, andere, weil die Doppelbelastung mit Beruf, Familie, Partnerschaft und Isme zu gross wurde oder weil besondere Umstände eine Neuorientierung nötig machten.» Von der ursprünglichen Klasse könnten nun 17 Studierende das Maturazeugnis entgegennehmen.

Zwischen dem zweiten und vierten Semester stiessen jedoch auch mehrere Studierende hinzu. Vor diesen Eintritten in die höheren Semester hatte je die Hälfte als Vorbildung eine Fachmittelschule oder eine Berufsmittelschule abgeschlossen. Die Isme habe nicht nur Studierende aus verschiedenen Berufsgruppen und aus verschiedenen sozialen Schichten zusammen gebracht, sondern auch generationenübergreifend gewirkt, erklärte Isme-Rektor René Stadler. «Die jüngste Maturandin ist knapp halb so alt wie der älteste Maturand, der auch <locker> ihr Vater sein könnte.» So vielfältig wie die Zusammensetzung der Klasse seien auch die Themen der Maturaarbeiten ausgefallen: vom Rheintaler Ribelmais über die Spektralanalyse von Sternen bis zu E. T. H. Hofmanns Motiv des Unerklärbaren. Das wurde an der Maturfeier im Pfalzkeller deutlich.

Lernende beeindruckten

Die Festansprache hielt Willi Eugster, alt Rektor der Kantonsschule Trogen und langjähriges Mitglied der Aufsichtskommission der Isme. Von den jährlich in der Schweiz abgegebenen 18 500 gymnasialen Maturitätszeugnissen seien kaum mehr als 500 von Zweitweg-Maturitätsschulen ausgestellt, betonte er. Mit einzelnen Maturandinnen und Maturanden habe er Gespräche geführt, die ihn beeindruckt hätten.

Auch der Isme stellte er ein gutes Zeugnis aus. «Sie nutzt die Lebenserfahrung der Lernenden, die bereits einen eidgenössischen Fähigkeitsausweis (EFZ) in der Tasche haben und ihre Erfahrungen aus der Arbeitswelt in den Unterricht einbringen.» Die meisten Zweitweg-Lernenden seien in der Lage, den Lebensunterhalt weitgehend selber zu verdienen und die Freizeit so zu strukturieren, dass sie ausreichend Lernarbeit leisten könnten. Dabei gelte es auch dafür zu sorgen, dass die ganze Palette der seelischen Bedürfnisse nicht zu kurz komme.

Beste Abschlüsse geehrt

Zusammen mit den Klassenlehrpersonen und Donat Ledergerber, Präsident des Förder- und Ehemaligenvereins, übergab der Rektor die Zeugnisse. Besonders hervorgehoben wurden die Abschlüsse der drei Klassenbesten. Es waren dies Andrea Fäh aus Rapperswil-Jona (16,5 Saldopunkte, Durchschnitt 5,27), Christof Zgraggen aus St. Gallen (18 Saldopunkte, Durchschnitt 5,38) und Gian Rosalen aus St. Gallen (24 Saldopunkte, Durchschnitt 5,85).

Die Isme ist eine staatliche, öffentliche Schule mit Sitz in St. Gallen. Sie wird von den Kantonen Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden, St. Gallen, Graubünden und dem Fürstentum Liechtenstein geführt und zur Hauptsache auch finanziell getragen.


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