Christbaum in Stühle verwandelt

Der grosse Christbaum ist zurück in St. Gallen. Aus seinem Holz hat ein Schreiner Klappstühle gefertigt. Am Donnerstag wurden sie in der Stadt verschenkt. Obwohl für die Aktion keine Bewilligung vorlag, verzichtete die Polizei auf eine Anzeige.

14. Januar 2016, 12:55
MARLEN HÄMMERLI

ST. GALLEN. Mancher Passant wird sich am Donnerstagmorgen über die Holzstühle in der Altstadt gewundert haben. Auf einem Zettel war lediglich zu lesen: «Liebe St. Gallerinnen und St. Galler, Sie erhalten ihren Weihnachtsbaum zurück.» Wer einen der eleganten Klappstühle mitnehmen und dafür freiwillig einen Beitrag leisten wolle, könne dem Ostschweizer Kinderspital eine Spende für krebskranke Kinder überweisen.

Schreinerei aus Wil

Hinter der Aktion steckt die Schreinerei Fust aus Wil. Die Klappstühle sollen einerseits ein Geschenk an die Stadtsanktgaller Bevölkerung sein: «Wir wollten den grossen Christbaum sinnvoll verwerten und ihn quasi zurückgeben», erklärt Geschäftsführer Markus Fust auf Anfrage die Idee hinter der Aktion.

Und natürlich: «Unser Ziel ist auch, in der Stadt St. Gallen Fuss zu fassen.» Der starke Franken und der Einkaufstourismus drücken aufs Geschäft, daher suche man neue Kundinnen und Kunden. Doch: «Wir wollen kämpfen und uns nicht nur darüber beklagen», sagt Markus Fust.

Polizei zeigt sich kulant

Auf die ungewöhnliche Werbeaktion ist auch die Stadtpolizei aufmerksam geworden. «Es handelt sich dabei um gesteigerten Gemeingebrauch. Dafür ist eine Bewilligung nötig, die jedoch nicht bei uns eingeholt worden war», sagt Polizeisprecher Dionys Widmer. Auf eine Anzeige hat die Stadtpolizei trotzdem verzichtet. Man lasse da Gnade vor Recht ergehen: «Grundsätzlich ist es ja eine gutgemeinte Aktion. Der kommerzielle Hintergrund war auch nicht sofort ersichtlich.»

Das bedeute nun aber nicht, dass jede gutgemeinte Aktion ohne Bewilligung straflos bleibe, sagt Widmer: «Wir rufen alle auf, die eine Veranstaltung im öffentlichen Raum der Stadt planen, mit uns vorgängig das Gespräch zu suchen.» Die Polizei werde die Bewilligungspflicht abklären und beim Einreichen von Gesuchen behilflich sein. Im nachhinein aufgeklärt werden jetzt die Verantwortlichen der Schreinerei Fust aus Wil. Sie erhalten laut Dionys Widmer eine Vorladung zum Gespräch nach St. Gallen.

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