Autos als Realität ansehen

MÖRSCHWIL ⋅ Die TCS-Regionalgruppe St. Gallen und Umgebung hat eine politisch intensive Zeit hinter sich. An der Hauptversammlung zeigte sich Präsident Marcel Aebischer erfreut und kritisch zugleich.

17. März 2016, 07:01
CORINNE ALLENSPACH

MÖRSCHWIL. Der Adlersaal in Mörschwil war gut gefüllt am Dienstagabend. 150 der total über 15 000 Mitglieder der TCS-Regionalgruppe St. Gallen und Umgebung trafen sich zu ihrer 89. Hauptversammlung wieder mal «auf dem Land», wie Präsident Marcel Aebischer augenzwinkernd sagte. Danach kam er gleich auf jene Themen zu sprechen, die den TCS politisch in letzter Zeit am meisten beschäftigt haben: Die Volksinitiative «Für ein lebendiges Areal Güterbahnhof ohne Autobahnanschluss», kurz Güterbahnhof-Initiative, und das Mobilitätskonzept 2040, das der St. Galler Stadtrat kürzlich vorgestellt hat.

Klares Bekenntnis

Der TCS habe sich aktiv im Komitee Nein zur Staustadt St. Gallen für ein «Nein zur verkehrsfeindlichen Initiative» eingesetzt, rief Aebischer in Erinnerung. Deshalb sei er «extrem froh», dass die Stimmbürger die Güterbahnhof-Initiative am 28. Februar «deutlicher als erwartet mit über 63 Prozent bachab geschickt haben». Zusammen mit der gleichentags angenommenen Vorlage für eine zweite Gotthardröhre könne das «als klares Bekenntnis des Stimmvolks zum motorisierten Individualverkehr gewertet werden». Das Gute sei: Das St. Galler Güterbahnhofareal bleibe überbaubar und damit einer städtebaulichen Entwicklung zugänglich.

«Konzept ist unrealistisch»

Dass der TCS das Mobilitätskonzept 2040 nur «mässig überzeugend» findet, sagte Aebischer bereits im Dezember im Tagblatt. Das Konzept enthält Massnahmen, wie der künftig weiter zunehmende Verkehr bewältigt werden soll. Positiv sei, dass das von Bund, Kanton und Stadt priorisierte Projekt zur Engpassbeseitigung auf der Stadtautobahn mit Anschluss beim Güterbahnhof enthalten sei und der Stadtrat sich klar dafür ausgesprochen habe. Das Mobilitätskonzept sei aber unrealistisch, wenn es den Mehrverkehr der kommenden Jahrzehnte fast ausschliesslich mit öffentlichem und Langsamverkehr auffangen wolle, sagte Aebischer: «Der motorisierte Individualverkehr ist Realität und wird es immer bleiben.» Aebischer warnte davor, die einzelnen Fortbewegungsmittel gegeneinander auszuspielen. Die Rolle des TCS als «umsichtigem und fortschrittlichen Verkehrsclub» sieht er darin, zu einer ausgewogenen Mobilität im Sinne aller Verkehrsträger und Bedürfnisse beizutragen.

Jugendmusik begeistert

Allen Bedürfnissen gerecht wurde am Dienstag auch das Rahmenprogramm. Die mehrheitlich älteren Gäste wurden kulinarisch verwöhnt und von der regionalen Jugendmusik Young Winds mit mitreissenden Liedern bestens unterhalten.


Leserkommentare

Anzeige: