Ärger wegen Polizeieinsatz

ST.GALLEN ⋅ Am Wochenende fand das Weihern-Open-Air statt. Lärmklagen riefen die Polizei auf den Plan. Während sich der Organisator über «die Schikane» nervt, spricht die Polizei von «viel Wind um wenig».
20. September 2016, 06:42
Kathrin Reimann

Von Donnerstag bis Samstag ging in der Frauenbadi zum fünftenmal das Weihern-Open-Air über die Bühne. 17 Bands spielten am Festival. Manchen ein bisschen zu laut. «Am Freitag hat mir der Lärmschutzbeauftragte der Stadt auf die Mailbox gesprochen, weil viele Klagen eingegangen seien», sagt Organisator Dario Aemisegger. Im Gespräch soll dieser gesagt haben, dies sei die erste Verwarnung, bei der nächsten werde das Festival abgebrochen.

«Grotesk und unverhältnismässig»

In einer emotionsgeladenen Mitteilung bezeichnet Aemisegger die Vorfälle gestern als «groteske Situation und unverhältnismässiges Vorgehen». Einige Stunden nach dem Anruf hätten drei Polizisten auf «eine aggressive Weise und viel Aufmerksamkeit erregend» Zutritt aufs Gelände verlangt. «Der Grund waren angeblich nach 22 Uhr eingereichte Lärmklagen in grosser Zahl. Wir können uns nicht erklären, wie das gehen soll. Wie innert fünf Minuten einerseits eine so grosse Menge an Klagen eingehen kann und wie man so schnell bei uns auffahren kann.» Das werfe Fragen auf. Noch mehr Fragen werfe das Verhalten des Schichtleiters der Patrouille auf. «Seine Aussagen bei Betreten des Geländes liess die Mitarbeiter einen sofortigen Festivalabbruch vermuten.» Dazu sei es nicht gekommen, weil bei Konsultierung der plombierten Messanlage keine Überschreitung festgestellt werden konnte. Aemisegger betont, dass die Bevölkerung sich seines Erachtens durch das Festival nicht belästigt gefühlt und das Ganze akustisch nicht mitbekommen habe. «Die bewilligten Lärmwerte wurden jederzeit eingehalten.»

Ausserdem ärgert sich Aemisegger darüber, dass die Polizei suggeriere, dass er ein grundsätzliches Problem mit ihr habe. «Die Zusammenarbeit mit der Polizei kritisieren wir nicht im Geringsten, sondern schätzen sie sehr.» Ebenfalls werde vorgegaukelt, dass haufenweise Lärmklagen eingegangen seien. «Beide Punkte entbehren jeglicher Grundlage.» Er könne inakzeptable und möglicherweise rechtlich unhaltbare Handlungen nicht unter den Teppich kehren und werde das genauer anschauen.

Gratwanderung bei Lärmklagen

Angesprochen auf diese Vorwürfe, sagt Roman Kohler, Mediensprecher der Stadtpolizei, Aemisegger mache «viel Wind um wenig». «Bei den Einsätzen wegen der Lärmklagen handelt es sich um Routineeinsätze.» Denn das Festival habe sich vermutlich an die vorgeschriebenen Lautstärke gehalten, zusätzlich gelte jedoch das Imissionsschutzreglement. Wenn sich Klagen häufen, könne die Polizei vom Veranstalter verlangen, die Musik leiser zu stellen. «Das ist eine Gratwanderung. Zwar wurde die Veranstaltung bewilligt, trotzdem müssen wir den Klagen nachgehen.»

Wie viele Lärmklagen effektiv eingegangen sind, kann Kohler nicht beziffern, da nicht alle erfasst würden. Er spricht von zwei Klagen über die Einsatzzentrale am Donnerstagabend und einer schriftlichen am Freitagmorgen. Am Freitag und am Samstag seien jeweils eine «Handvoll» eingegangen. «Man kann nicht von einer Schikane sprechen – das ist weit hergeholt, da wir alle Klagen ernst nehmen müssen.» Für Kohler sind Aemiseggers Vorwürfe nicht nachvollziehbar: «Der viele Staub, der nun aufgewirbelt wird, dürfte kaum förderlich für das Image des Festivals sein.» Er hätte es zudem begrüsst, wenn sich Aemisegger direkt an die Polizei gewendet und nicht den Weg über die Presse gewählt hätte.

Für Nino Cozzio, Stadtrat und Direktor Soziales und Sicherheit, hat sich das Festival zu einem guten Kulturangebot gemausert. Dennoch müsse man wegen der Klagen nochmals über die Bücher. «Bewilligungen sind immer des einen Leid, des anderen Freud. Wir müssen für nächstes Jahr eine Lösung finden, die besser passt.» Dass für das Festivalgebiet aber eine Schutzverordnung gelte, erschwere dieses Vorhaben zusätzlich. Zu den Vorwürfen gegen die Polizei sagt Cozzio: «Die Polizei hat die Pflicht zum Ausrücken, auch wenn es sich nur um eine Klage wegen eines Falschparkierers handelt.»

Lärm, aber keine Gratistickets

Der Co-Präsident des Quartiervereins Notkersegg, Andrew Schibli, weiss, dass der Lärm Thema im Quartier war. «Mich persönlich stört das Festival nicht, ich mache einfach meine Fenster zu.» Man habe die Musik aber durchaus gehört. Lärmklagen, die aus seinem Quartier gemacht wurden, erklärt er sich wie folgt: «Viele der älteren Leute waren nicht informiert, dass ein Festival stattfindet. Sie haben gedacht, der Lärm käme von einer Privatparty bei der Linde.» Er glaubt also nicht, dass diese Klagen aufgrund von Boshaftigkeit gemacht wurden. «Ein Wermutstropfen ist, dass das Festival seine Bühne anders ausgerichtet hat, wodurch wir nun mehr Lärm als die Anwohner in St. Georgen haben.» Unter diesen seien Gratisbilletts verlost worden. Nicht aber in Notkersegg. «Wir hatten den Lärm, aber keine Gratistickets.»


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