317 Ideen für leere Schule

ZWISCHENNUTZUNG ⋅ Unbenutzte Räume wie das Schulhaus Tschudiwies darf es laut der SP der Stadt nicht geben. Die Ideen, das Gebäude neu zu beleben, sind mannigfaltig.
17. August 2017, 05:18
Christoph Renn

Christoph Renn

christoph.renn

@tagblatt.ch

Der Raum in der Stadt werde immer knapper. Deshalb müsse er umso besser genutzt werden. Vor allem dann, wenn Gebäude leer stünden. Es müsse etwas Neues darin entstehen. Mit diesen Worten begrüsste Daniel Kehl, SP-Fraktionspräsident, die 60 Besucher des SP-Sommerspaziergangs im Lattich-Quartier am Dienstagabend. Das Thema des Anlasses: Zwischennutzungen.

Als positives Beispiel nannten die SP-Vertreter das Lattich-Quartier auf dem Güterbahnhofareal, weil hier mit viel Eigeninitiative nach und nach ein kultur- und kreativwirtschaftliches Zentrum entstehe. Weil leerstehende Räume wieder genutzt würden. Für Tanz, Musik, Spiel und Kunst. Auf dem Areal haben sich neben anderen Künstlern, Handwerker und das Theater in Containern niedergelassen. Zur Zwischennutzung. Zeitlich begrenzt. Doch die Pläne der Initianten gehen weiter. Es ist gar von einem Lattich-Bau mit 44 Räumen die Rede. «Zuerst war ich enttäuscht, dass das Güterbahnhofareal dereinst einem möglichen Autobahnzubringer weichen soll», sagt Mitinitiant Rolf Geiger. «Dann wurde mir bewusst, dass dies wiederum bedeutet, dass das Areal mindestens für die kommenden 15 Jahre nicht benutzt wird.» Seither habe sich das Lattich-Quartier stetig weiterentwickelt.

Das Lattich-Quartier wächst immer weiter

Überall spriessen Tomaten aus angelegten Hochbeeten, Maniok schiesst aus der Wiese. «Das Quartier wächst immer weiter, und wir sind erst am Anfang», sagt Gabriela Falkner, Co-Präsidentin des neu gegründeten Vereins Lattich. «Es entstehen immer mehr Synergien zwischen den verschiedensten Leuten und Organisationen.» Genau so, wie sie sich das erhofft habe. Tanzaufführungen werden in der Halle durchgeführt, im Heks-Garten werden die deutsche Sprache und das Gartenleben vereint, eine Spielewelt ist auf dem Gelände entstanden.

Etwas Neues könnte auch im Schulhaus Tschudiwies entstehen, das seit diesem Schuljahr nicht mehr benötigt wird – die Kinder werden seit Montag im sanierten St.-Leonhard-Schulhaus unterrichtet. Peter Olibet, Präsident der SP Stadt St. Gallen, drückte nochmals sein Bedauern über den Entscheid aus. Doch nun gelte es nach vorne zu schauen, eine gute Lösung zu suchen. Für eine Zwischennutzung. Eine Zwischennutzung deshalb, weil die Stadt offenlasse, ob das «Tschudiwies» dereinst doch wieder als Schulhaus dienen solle. Wann, sei jedoch noch völlig offen, sagte der städtische Quartierentwickler Peter Bischof.

Kinder reichen Vorschläge für Zwischennutzung ein

Ideen gebe es bereits genügend. Alleine die Kinder aus dem Quartier hätten 317 Vorschläge eingereicht. So ist ein Gemeinschaftszentrum angedacht, ein Musikraum oder ein Quartierkafi. «Nun geht es darum, die Räume möglichst rasch wieder zu nutzen», sagte Bischof. Eine Arbeitsgruppe werte momentan die Vorschläge der Kinder und der Quartierbewohner aus.


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