2018 fahren die Bagger auf

MÖRSCHWIL ⋅ Das Verwaltungsgericht hat die Beschwerden gegen die Erteilung der Baubewilligung für ein Wohn- und Pflegezentrum auf der Burgerwiese abgewiesen. Die Einsprecher akzeptieren den Entscheid.
19. Mai 2017, 10:51
Daniel Wirth

Daniel Wirth

daniel.wirth@tagblatt.ch

Das Projekt Avitus der Gähler Architekten AG, St. Gallen, ist seiner Verwirklichung einen Schritt näher gekommen: Das St. Galler Verwaltungsgericht hat die Einsprachen gegen die Erteilung der Baubewilligung vollumfänglich abgewiesen, wie der Gemeinderat Mörschwil im jüngsten Mit­teilungsblatt verlauten lässt. Das Projekt für ein Wohn- und Pflegezentrum auf der Burgerwiese ging vor sechs Jahren aus einem Architekturwettbewerb als das beste hervor. Es umfasst zwei Gebäude – eines drei-, das andere viergeschossig – mit insgesamt 55 Pflegezimmern, zehn Alterswohnungen und einer Arztpraxis als zentrale Elemente.

Die Stimmberechtigten der aktuell steuergünstigsten Gemeinde im Kanton St. Gallen sagte im November 2012 an der Urne mit 787 Ja- gegen 380 Nein-Stimmen bei einer Stimmbeteiligung von knapp 46 Prozent Ja zu einem 27-Millionen-Kredit für den Bau des Wohn- und Pflegezentrums.

Nachdem der Gemeinderat die Baubewilligung erteilt hatte, gingen Einsprachen gegen das Bauvorhaben ein. Das kantonale Baudepartement wies diese ab. Zwei Einsprecher zogen ihre Beschwerde rechtzeitig ans Verwaltungsgericht weiter. Dieses hat die Beschwerde in diesen Tagen vollumfänglich abgewiesen. André Gächter ist einer der Einsprecher. Er sagt auf Anfrage, der Entscheid des Verwaltungsgerichts werde nicht ans Bundesgericht weitergezogen. Das sei sinnlos.

Verwaltungsgericht lobt das Projekt Avitus

Ein Weiterzug ans Bundesgericht hätte dann Aussichten auf Erfolg, wenn den Behörden Verfahrensfehler vorgehalten werden könnten. Gächter attestiert dem Verwaltungsgericht gründliche Arbeit. Dessen Begründung für die Abweisung umfasse 34 Seiten. «Aber fast alles, das wir am Projekt bemängelten, wird vom Verwaltungsgericht als gut bis vorbildlich ausgelegt», sagt André Gächter. Für ihn breche wegen der Ablehnung seiner Beschwerde die Welt nicht zusammen.

Grosse Freude herrscht dagegen bei Gemeindepräsident Paul Bühler, wie er die Bevölkerung im Mitteilungsblatt wissen lässt. Er und der Gemeinderat wollten nach dem Bau der Sporthalle am nördlichen Rand des Dorfzentrums etwas für die älteren Menschen in Mörschwil tun.

Ob Paul Bühler das neue Wohn- und Pflegezentrum dereinst als Gemeindepräsident noch feierlich eröffnen kann – das ist unklar. Bühler sagt auf Anfrage, wie es weitergehe, sei offen. Er wolle jetzt zuerst einmal die 30 Tage abwarten, die den Rekursführern bleiben, um ihre Beschwerde weiterzuziehen. Das wird nun wohl nicht geschehen, wie die Aussage Gächters zeigt.

Der Gemeindepräsident hält es dennoch für unwahrscheinlich, dass die Bagger noch dieses Jahr auffahren werden. «Die Pläne sind sechs Jahre alt», sagt Paul Bühler. «Wir müssen zuerst alles nochmals genau anschauen.»

Zuerst muss ein Heimbetreiber her

Erst wenn alle Rechtsverfahren erledigt seien, werde der Gemeinderat mit der Gähler Architekten AG in Kontakt treten.

Zudem sei zum heutigen Zeitpunkt auch noch unklar, wer das Wohn- und Pflegezentrum nach dessen Fertigstellung betreiben werde. Der Gemeinderat hatte sich seinerzeit für einen privaten Heimbetrieb entschieden und der Bürgerversammlung beantragt, eine Volksmotion, die einen Betrieb durch die Gemeinde forderte, abzulehnen; 406 Mörschwilerinnen und Mörschwiler hatten die Motion unterzeichnet. Ihr Vorstoss wurde im Frühling 2012 von der Bürgerversammlung mit 233 zu 190 relativ knapp abgelehnt.

Der Gemeinderat hatte vorgesehen, das Wohn- und Pflegezentrum (WPZ) von der Di-Gallo-Gruppe betreiben zu lassen. Im Advent 2014 verloren die Ver­antwortlichen wegen hängiger Rechtsfahren um die Erteilung der Baubewilligung die Geduld und zogen sich zurück. Ob die ­Di-Gallo-Gruppe jetzt wieder interessiert ist, ist nicht bekannt.

 


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