Zu Fuss auf Strassen der Zukunft

GOLDACH ⋅ Bürger lassen sich zeigen, wie Goldachs Zentrum ohne Staus projektiert ist. Sie diskutieren hauptsächlich die drei Abstimmungsvorlagen, aber weiterhin auch Alternativen zu einer Strasse durchs Mühlegut.
25. September 2017, 07:32
Fritz Bichsel

Fritz Bichsel

redaktionot@tagblatt.ch

Der erste Teil ist nur zu Fuss erreichbar: Wiese und Obstbäume, wo eine gut 200 Meter lange Strasse geplant ist – unter dem Bahndamm und bis zum Café Mühlegut. Dort begrüsst CVP-Präsidentin Jana Brändli erfreut eine grosse Schar zum Rundgang. Gut siebzig Interessierte folgten der Einladung aller Parteien zu Information und Diskussion über die Vorlagen. Entscheiden werden die Bürger am 26. November an der Urne über Kredite: 16,3 Mio. Franken abzüglich 3 Mio. Beiträge für neue Strasse, Ausbau bestehender Strassen, Umgestaltung der entlasteten Hauptstrasse und Bau eines Bushofs.

Unterwegs zum Bahndamm erwähnt Gemeindepräsident Dominik Gemperli eine Neuigkeit: Die Bruggmühle wird dort das Industriegleis «mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit» aufgeben (siehe Zweittext). Damit fällt ein Hindernis an der allfälligen neuen Strasse weg. Das trägt bei, dass Bürger eine Westumfahrung des Dorfs anstelle einer zweiten Strasse im Dorf erneut aufgreifen. Der Gemeinderat und die Mehrheit der Bürger verwarfen diese Variante. Sie würde hauptsächlich Verkehr zwischen der Autobahn und Rorschacherberg sowie dem Südteil von Goldach um den Bahnübergang und das Zentrum lenken. Dieser Verkehr fällt aber weg, wenn der geplante Autobahnanschluss kommt. Im Dorf wären Fahrten ohne Wartezeit vor Barrieren so nur auf erheblichem Umweg möglich, auch für Bus und Postauto. Dasselbe gilt für die in einer anderen Gruppe der Rundgangteilnehmer nochmals aufgegriffene Idee eines Tunnels ums Dorf zur Autobahn.

Bahnhofplatz würde für Privatverkehr gesperrt

Der Gemeindepräsident verweist auf geringen Mehrbedarf an Boden für die jetzt beantragte Variante. Für 300 bis 400 Wohnungen, welche die Ortsgemeinde plane, sei ohnehin eine Strasse durchs Mühlegut nötig. Werde diese bis zum Bahndamm und unter diesem hindurch verlängert, entstehe auch für öffentlichen und innerörtlichen Verkehr eine kurze Verbindung ohne Barrieren. Die neue Strasse als Tunnel bauen, empfiehlt ein Bürger. Trotzdem wäre dann eine Strasse zu den neuen Häusern nötig, erläutert Dominik Gemperli.

Südlich des Bahndamms hätte die neue Route Vortritt gegenüber Verkehr von und nach Untereggen. Bürger befürchten, dass deshalb Postautos stecken blieben. Neu ist für einige, was ihnen der Gemeindepräsident beim projektierten Bushof erläutert: Der Bahnhofplatz würde für Privatverkehr gesperrt. So würde eine Einfahrt in den Kreisel wegfallen. Und wer über den Bahnübergang will, muss bei geschlossener Barriere an einem Lichtsignal vor dem Kreisel warten. So wäre die zweite Spur zum Kreisel und durch ihn auf die neue Route ohne Barrieren frei. Benützt werden soll diese Verbindung nur, wenn die Barrieren geschlossen sind, was Vorsignale anzeigen würden. Ob die Fahrzeuglenker darauf eingingen? «Gemäss den Verkehrsplanern funktioniert das», sagt Gemerli. «Praktische Erfahrung mit wechselnder Verkehrslenkung gibt es aber erst wenig.» Zum Ganzen verweist er darauf, dass die Gemeinde nebst zehn Mio. Franken aus Baulandverkauf gut drei Mio. Franken finanzieren müsste. «Das wäre ohne Steuererhöhung möglich.»


Leserkommentare

Anzeige: