Wasserstand spiegelt ein ruhiges Jahr mit Ausschlag

BODENSEE ⋅ Meistens dem Durchschnitt nahe: So bewegte sich 2017 – wie vieles in unserer Gegend – auch der Bodensee-Wasserstand. Es war ein Seejahr zum Geniessen.
30. Dezember 2017, 05:23
Fritz Bichsel

Fritz Bichsel

redaktionot

@tagblatt.ch

Den See nutzen wir fast nur noch als Trinkwasserreservoir und in der Freizeit. Früher war er hingegen ein bedeutender Weg für Güter. Ohne Transporte mit Schiffen wäre in der Ostschweiz die Textilindustrie als Grundlage der wirtschaftlichen Entwicklung nicht möglich gewesen. Davon blieben einzig Überfahrten mit Lastwagen auf der Fähre Romanshon–Friedrichshafen. Und auch diesen drohte im ablaufenden Jahr das Ende. Weil der Bund als Sparmassnahme die Zollstelle schliessen wollte, war das Aus für den ganzen Fährbetrieb zu befürchten. Das wendeten die Schweizerische Bodensee-Schifffahrt und Ostschweizer Politiker für absehbare Zeit ab.

Das Seewasser machte dieses Jahr keine Probleme. Es stand nie zu tief und nie zu hoch. Der Pegel bewegte sich meistens in der Nähe des langjährigen Durchschnittes – im Unterschied zum Vorjahr mit Hochwasser im Juni. Ganz ruhig verlief 2017 aber nicht. Bei warmem Wetter schon im frühen Frühling stieg das Seewasser aufgrund der frühen Schneeschmelze über den Durchschnitt. Es folgte abrupter Wechsel mit selten spätem nochmaligem Wintereinbruch Ende April. Entsprechend sank der Seepegel ab, was für diese Jahrszeit sehr unüblich ist. Danach hielt er sich ans Mittelmass, bis er dieses im sehr warmen Vorsommer unterschritt und durch den trockenen Sommer so verharrte. Einige Ausschläge nach oben spiegeln, dass das schöne Sommerwetter unterbrochen wurde durch Gewitterphasen. Zu einem seltenen Anstieg des Seewassers gleich um einen Meter innert weniger Tage kam es Ende August/Anfang September. Das bewirkten Regenfälle in einem bei uns sehr seltenem Ausmass. Unmengen von Schwemmholz in Bootshäfen zeugten davon. Diese Phase war der Übergang zu einem zu kühlen September.

Eine durchzogene Freizeitsaison

Wie beim Wasserstand spiegelt sich das Wetter auch in den Saisonbilanzen von Schifffahrt und Seebädern: Mehr Leute als üblich im warmen Vorsommer, weniger im kalten Spätsommer. Über den See fuhren etwas mehr Schiffspassagiere als im Vorjahr. Auf dem Alten Rhein, wo Unwetter die Schifffahrt einige Male unterbrach, waren es etwas weniger – eine durchzogene Saison.

Insgesamt konnten wir den See 2017 aber unbeschwert geniessen. Beim Baden erinnern sich nur noch ältere Leute, dass das einige Zeit kein Vergnügen mehr war wegen Verschmutzung. Wieder sauberes Trink- und Badewasser bewirkten grosse Reinigungsanlagen. Solche bauten in unserer Region die vor einem halben Jahrhundert gegründeten Verbände Morgental im Westen und Altenrhein im Osten.


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