Trotz Frostschäden gute Weinernte

WEINLESE ⋅ Frostnächte und Hagel haben auch am Buechberg Spuren hinterlassen. Trotz Ernteausfall von 20 bis 30 Prozent kommen die heimischen Winzer mit einem blauen Auge davon, die Qualität ist nämlich ausgezeichnet.
02. Oktober 2017, 12:17
Rudolf Hirtl

Rudolf Hirtl

rudolf.hirtl@tagblatt.ch

Altwinzer Christoph Rutishauser schneidet eine Traube Pinot Noir vom Stock und entfernt mit der Spitze seiner Schere vorsichtig zwei von der Kirschessigfliege angestochene Beeren. «Wir dürfen die Beeren nicht verletzen, damit der Saft nicht ins Traubengut kommt, denn im schlimmsten Fall macht die Fliege aus dem Wein Essig.» Die mühselige Handarbeit und der enorme Mehraufwand lohnen sich, denn was die heimischen Winzer von den Stöcken am Steinig Tisch holen, ist von sehr guter Qualität. Und wider Erwarten tun sie dies in einer Menge, die nach den verheerenden Frostschäden Ende April nicht zu erwarten war. «Wir ernten heuer in etwa 70 bis 80 Prozent des Ertrages eines durchschnittlichen Jahres. Wenn ich mir anschaue, wie gross die Schäden etwa in Schaffhausen sind, dann kann ich nur sagen, die Natur hatte Gnade mit uns.»

Frostnächte und Hagel haben auch am Buechberg in Thal Spuren hinterlassen. Trotz Ernteausfall erwartet die Winzer eine ausgezeichnete Weinqualität. (Bilder: Jil Lohse)

Roman Rutishauser, der den elterlichen Betrieb 2015 übernommen hat, ist parallel zur Wimmet im Keller des Weinguts am Steinig Tisch mit der Weiterverarbeitung der Trauben beschäftigt. Je nach Sorte bleiben die Trauben noch eine Weile in der eigenen Maische liegen, damit sich der Wein später durch eine kräftige Farbe auszeichnet, oder werden nach Pressen und Filtration in Stahltanks gefüllt. Die Arbeit erfordert Fingerspitzengefühl und Erfahrung, denn beim Keltern werden die Weichen für gute Weine gestellt, wobei jeder Weinkeller am Buechberg seine eigene Prägung hat.

Mehr Hagelschäden im Bereich Nagelstein

Auch jener vom Weingut Halde in Thal. Christian Herzog räumt zwar ebenfalls ein, dass Kirschessigfliegen einzelne Beeren befallen hätten. Durch die gute Bodenpflege habe man die Ausbreitung des Schädlings aber minimieren können. Und dies, ohne Spritzmittel und Fallen einzusetzen. Dem durschnittlichen Ernteaufall von 20 Prozent kann Herzog auch etwas Gutes abgewinnen. «Je weniger Trauben es an den Stöcken hat, umso besser ist die Qualität.» Wie bei den anderen Thaler Winzern dauert auch die Wimmet bei ihm noch fünf bis sechs Tage. Dann haben Herzog und sein Team zehn Sorten Trauben von über 35000 Weinstöcken geholt.

Tom Kobel vom Ochsentorkel Weinbau in Thal spricht von einer sehr aufwendigen Wimmet. Bei Pinot-Noir-Trauben in der Nähe des Nagelsteins habe der Ochsentorkel bis zu 50 Prozent Ernteausfall zu beklagen. Andere Sorten seien in der Menge und in der Qualität hingegen sehr gut. «Schaut man sich das ganze Weinjahr an, Frost im April, Hagel im August und Starkregen im September, so sind wir dennoch mit einem blauen Auge davongekommen.» Die Natur sei nun mal unberechenbar, damit müsse man als Winzer leben. 2016 sei ein sehr gutes Jahr gewesen, die Lager voll mit einem exzellenten Jahrgang. Dadurch könne man auch ein Jahr wie 2017, das eher mager ausfalle, überstehen.


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