Training unter Polizeischutz

TÜBACH ⋅ Kaum Publikum, dafür eigene Security und Beamten der Kantonspolizei: So die Bilanz der Trainingseinheit der israelischen Nationalmannschaft auf der Sportanlage Kellen in Tübach.
05. Oktober 2017, 15:56
Arcangelo Balsamo
Auf der Sportanlage in Kellen trainierte schon manche renommierte Fussballmannschaft: zuletzt der FC Southampton in diesem Sommer. Doch ein solches Sicherheitsaufgebot wie am Mittwoch gab es noch nie, sagt Maggie Muttner, die Betreiberin des Restaurants bei der Sportanlage. «Natürlich geht es nie ganz ohne Securitas, wenn internationale Mannschaften kommen, aber ein solches Aufgebot, das ist schon speziell.» Grund für die erhöhten Sicherheitsmassnahmen war das Training der israelischen Nationalmannschaft. Diese trifft am Freitag im Rahmen der WM-Qualifikation in Vaduz auf die Auswahl Liechtensteins.
 
Die ersten Sicherheitsleute der israelischen Nationalmannschaft seien bereits am frühen Nachmittag vor Ort gewesen und hätten jeden Raum des Clubhauses bis ins letzte Detail kontrolliert, erzählt Muttner. Als sie den Raum jeweils durchsucht hatten und er für sicher befunden wurde, schloss man ihn jeweils wieder ab. Lediglich die Mitarbeiter des Clubhauses hatten danach noch Zutritt «Auch eine Hundestaffel der Polizei suchte bereits am Nachmittag das gesamte Umfeld um die Sportanlage ab.»
 

«Für uns ist das völlig normal»

Als um etwa 18 Uhr die ersten israelischen Funktionäre und Trainer auf der Sportanlage eintreffen, werden diese von eigenen Sicherheitsleuten begleitet und auch mehrere Beamte der St.Galler Kantonspolizei sind bereits vor Ort. Nur die wenigsten Besucher der Sportanlage wissen zu diesem Zeitpunkt, warum diverse Polizisten und Sicherheitsleute in schwarzen Mänteln zugegen sind. Ansonsten findet am Mittwochabend das Training der Leichtathletik Gemeinschaft Bodensee auf der Sportanlage statt.
 
Die israelischen Sicherheitsleute überprüfen, wer sich auf der Anlage befindet, und kontrollieren mit der Kantonspolizei auch, ob der Journalist keine gefährlichen Gegenstände im Rucksack mit sich führt. Und auch die Hosen- und Jackentaschen werden kontrolliert.

Kurz nach 18.30 Uhr fährt dann der Mannschaftsbus, gefolgt von zwei Kleinbussen mit Polizisten in Vollmontur, auf dem Platz vor dem Clubhaus vor. Gelassen verlassen die Spieler den Bus; von Nervosität oder Unsicherheit keine Spur. «Für uns sind solche Sicherheitsvorkehrungen völlig normal», sagt der Presseverantwortliche des israelischen Nationalteams. Im Gegensatz zu den Spielern verlassen die Spezialeinheiten ihre Fahrzeuge nicht. Dies tun sie auch bis zum Abschluss des Trainings nicht.
 
Während ein Spieler nach dem anderen den Weg in die Umkleidekabine antritt, realisieren die ersten Gäste vor dem Restaurant, wer gerade aus dem Bus gestiegen ist. «Stimmt, die israelische Nationalmannschaft spielt am Freitag gegen Liechtenstein», bemerkt ein Gast. Nach und nach kommen die Spieler danach aufs Feld und beginnen mit der Trainingseinheit.
 
Die wenigen Zuschauer die das Treiben auf dem Rasen verfolgen, suchen sowohl den ehemaligen GC-Spieler Moanes Dabbour, wie auch Eran Zahavi, der 2015 den FC Basel in der Champions-League-Qualifika­ti­on im Alleingang eliminierte, vergeblich. Für die Partie gegen Liechtenstein und jene gegen Spanien am Montag in Jerusalem  stehen sie nicht im Aufgebot. Der bekannteste Akteur auf dem Feld ist Yossi Benyaoun, der früher in der englischen Premier League für den FC Liverpool und den FC Chelsea kickte.

Das Sicherheitsaufgebot wurde aufgestockt, weil Israel als Land mit Konfliktstatus gilt, erklärt Florian Schneider, Mediensprecher der St.Galler Kantonspolizei. Den Auftrag habe die Polizei vom Bund erhalten, der in solchen Fällen immer abschätze, ob ein Gast in der Schweiz Schutz brauche. «Es ist somit nichts Spezielles für uns», so Schneider. Speziell war es hingegen für Maggie Muttner. Und auch am Freitagmorgen wird es für sie wieder so sein. Dann findet nämlich das nächste Training der Mannschaft auf der Kellen statt.

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