«Tiere gehen alle etwas an»

VERNISSAGE ⋅ Seeadler, Bienen oder Finnwale: Das Heft des Kulturhistorischen Vereins erzählt Tiergeschichten aus der Region. An der Vernissage spricht ein Tieranwalt über die Wichtigkeit solcher Publikationen.
25. November 2017, 05:18

Jimmy ist der Aufhänger des dritten Hefts des Kulturhistorischen Vereins der Region Rorschach. Der Schimpanse in Seemannskostüm ziert auch des Deckblatt der Publikation, die im Würth-Haus druckfrisch vorgestellt worden ist.

Der Anblick des bekleideten Affen, der in der damaligen Hafenkneipe an der Hauptstrasse 31 die Gäste unterhielt, wirkt heute befremdlich. «Jimmy hat uns früher fasziniert, heute irritiert er uns», sagt Tieranwalt Antoine F. Goetschel. Er spricht an der Vernissage vom Donnerstag über das komplexe Verhältnis zwischen Mensch und Tier.

Leidet Jimmy, der Schimpanse?

Jimmy trat jeden Abend an der Hand von Käpt’n Jo – der Seemannslieder von Freddy Quinn oder Hans Albers zum Besten gab – in der Hafenkneipe auf. Für die Haltung von wilden Tieren gab es in den 60er-Jahren noch keine so strengen gesetzlichen Vorlagen wie heute, schreibt Richard Lehner in seiner Geschichte «Jimmy und die Hafenkneipe».

«Tiere sind zu schützen, weil sie Schmerzen empfinden», sagt Goetschel und fragt: «Leidet Jimmy? Vermutlich nicht übermässig.» Dennoch sei der Schimpanse beeinträchtigt, instrumentalisiert und vermenschlicht worden. Als Tieranwalt sei es seine Aufgabe, den Tieren eine Stimme zu geben. Er betont die Wichtigkeit der Publikation von Verstössen gegen das Tierschutzgesetz und der Auseinandersetzung mit dem Tier. Goetschel lobt den Kulturhistorischen Verein deshalb für die Themenwahl des aktuellen Hefts: «Tiere gehen uns alle etwas an.» Am Heft sind 15 Autorinnen und Autoren beteiligt. Fisch, Wale, Hunde, Pferde oder Vögel in der Region Rorschach spielen die Hauptrollen. Abschliessen sind in der Jahreschronik die wichtigsten Ereignisse der Region aufgelistet.

«Als wir uns an den ersten Sitzungen über das Thema Tiere unterhielten, sprudelte es nur so von Ideen», sagt Peter Müller. Zusammen mit Richard Lehner ist er für die Redaktion des Hefts zuständig. «Einige Geschichten konnten nicht publiziert werden, da es dazu keine Bilder gibt», sagt Müller. So zum Beispiel die Ratten und Mäuse, die sich früher im Kornhaus aufgehalten hätten. «Mit dem Heft wollen wir die Region anhand eines knackigen, spannenden oder süffisanten Zugangs beleuchten», sagt Vereinspräsident und Stadtrat Ronnie Ambauen.

Jolanda Riedener

jolanda.riedener@tagblatt.ch

Hinweis

Das Heft ist für 15 Franken an verschiedenen Verkaufsstellen, etwa in der Tourist Info, erhältlich.

www.rorschachergeschichten.ch


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