Tagblatt Online, 07. Februar 2012 01:05:00
Wandel zur Stadt mitgestaltet
Elmar Hürlimann hat als Stadtschreiber von Rheineck und als Chefredaktor Kontakt zur Bevölkerung gesucht, um Wünsche und Nöte spüren und aufgreifen zu können. (Bild: Monika von der Linden)
RHEINECK. Nach acht Jahren als Stadtschreiber von Rheineck hat Elmar Hürlimann am 1. Februar sein Amt übergeben. Auch wenn die Verwaltung nicht so verstaubt ist wie ihr Ruf, sind die Abläufe länger als in der Wirtschaft, sagt er im Gespräch.
Herr Hürlimann, was war in Rheineck bei Ihrem Start als Stadtschreiber anders als heute?
Elmar Hürlimann: 2004 war Rheineck noch eine Gemeinde. Mit der Änderung der Gemeindeordnung im Jahr 2008 beriefen wir uns auf das historische Stadtrecht; wir sind wieder eine Stadt. Ich kam als Gemeinderatsschreiber und gehe als Stadtschreiber.
Hat sich mit dem Stadtrecht das Bild von Rheineck verändert?
Hürlimann: Für die Einheimischen hat sich nicht viel verändert. Es war stets verpönt, vom Dorf zu sprechen. Die Rheinecker gingen schon immer ins Städtli. Tagestouristen nehmen nun verstärkt den historischen Kern der Stadt wahr.
Ist das für Rheineck wichtig?
Hürlimann: Wir haben geschichtlich viel zu bieten. Das zeigen wir gerne und den Touristen gefällt es. Wir haben einen historischen Stadtrundgang eingeführt. Die mehr als zwanzig Schönheiten lassen sich auch mit Hilfe unserer Homepage erkunden. Ein modernes Erscheinungsbild und die Kommunikation gegen aussen waren mir stets wichtig – und da konnten wir einiges umsetzen.
Vor Ihrer Zeit im Rathaus waren Sie Chefredaktor. Unterscheiden sich die beiden Berufe sehr?
Hürlimann: Beide Tätigkeiten sind vielseitig. In beiden Berufen war ich für Personalführung verantwortlich und an strategischen Entscheidungen beteiligt. Ich musste mich hier wie dort mit Themen der Politik, Wirtschaft, und Bildung befassen.
Half Ihnen die Erfahrung als Chefredaktor?
Hürlimann: Als Chefredaktor lernte ich Zusammenhänge der ganzen Region kennen. Als Stadtschreiber standen zwar die Interessen Rheinecks im Vordergrund. Aber die Stadt ist Teil der Region und damit Teil des Netzwerkes und von Zweckverbänden.
Nennen Sie bitte einen markanten Unterschied.
Hürlimann: Während meiner Einarbeitung musste ich mich daran gewöhnen, dass die Abläufe in der Verwaltung anders, langsamer sind als in der Wirtschaft.
Reagieren Verwaltungsmitarbeiter langsamer?
Hürlimann: Gemeinde- oder Stadtverwaltungen gelten als verstaubter als die Wirtschaft. Die Arbeitsprozesse wurden immer weiter angeglichen. Wir reagieren ebenso schnell wie ein Geschäftsführer. Aber es dauert länger, bis ein Entscheid umgesetzt wird.
Woran liegt das?
Hürlimann: Ein Geschäftsführer fällt eine strategische Entscheidung und leitet die Umsetzung ein. In der Gemeinde sind weitere Stellen oder Instanzen involviert, es müssen mehr rechtliche Voraussetzungen erfüllt sein. Zum Beispiel muss der Kanton Umzonungen bewilligen, es gibt Auflageverfahren und die Bürgerschaft hat ein Mitspracherecht.
Ist Ihnen die Umstellung schwergefallen?
Hürlimann: Ich habe mich schnell daran gewöhnt. Dennoch gab es Projekte, bei denen es schön gewesen wäre, wären sie schneller umgesetzt worden.
Ein Beispiel?
Hürlimann: Die «Krone»-Liegenschaft. Es hat von der ersten Initiative bis zum fertigen, bewilligungsfähigen Projekt mehr als zwanzig Jahre gedauert, bis aus dem historischen Gebäude wieder ein Blickfang werden konnte.
Hat die Bevölkerung das verstanden?
Hürlimann: Oft ist Aussenstehenden nicht bewusst, wie sehr Projekte ineinander verschachtelt sein können. Es ist aber wichtig, eine Lösung zu finden, die realisiert und von allen getragen werden kann.
Welche Erfahrung möchten Sie nicht missen?
Hürlimann: Oft ist ein Arbeitstag anders verlaufen, als ich ihn morgens geplant hatte. Mir gefällt die Abwechslung und Vielseitigkeit. Dadurch bleibt die Arbeit spannend und wird nie langweilig.
Dennoch orientieren Sie sich neu.
Hürlimann: Für mich ist der Zeitpunkt für den Schritt in die Selbständigkeit gekommen. Die Medienarbeit hat mich nie losgelassen. Jetzt habe ich den Mut, es zu wagen. Auch ist es ein guter Zeitpunkt für meinen Nachfolger Gabriel Macedo. Er hat am 1. Februar begonnen und ich werde ihn im Februar einarbeiten.
Übergeben Sie ihm grosse Dossiers?
Hürlimann: Die Bahnhofstrasse wurde neu belebt. Grössere Projekte sind zwar im Moment in Abklärung, aber noch nicht spruchreif.
Interview: Monika von der Linden
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