Tagblatt Online, 05. September 2011 01:09:44
Trachten und Mohrenköpfe
Kleine Besucher bei der «Mohrenkopfschleuder» auf dem Quartierfest. (Bild: Ann-Marie Schmalz)
Am Quartierfest im Rorschacher Projet Urbain trafen Kulturen friedlich aufeinander. Es wurde getanzt, gegessen, gesungen und gespielt.
Ann-Marie Schmalz
Rorschach. Beim Abbiegen in die Neustadtstrasse in Rorschach scheint es, als verlasse man Mitteleuropa und tauche für kurze Zeit in eine ganz andere Welt ein. Vom grossen Zelt in der Mitte des Festplatzes im Projet-Urbain-Quartier klingt serbische Volksmusik, und ein Dutzend Kinder in traditioneller Kleidung tanzen auf der Bühne im Kreis.
Der Duft von Reis, süssem Gebäck und Curry macht sich auf dem kleinen Platz zwischen den Ständen breit, und immer wieder rennen Kinder und Jugendliche in Trachten durch die Menschenmenge.
Mahlzeiten aus aller Welt
«Ich komme gerne hierher», sagt der 17jährige Dennis D'Agnano, «es ist interessant, wenn an diesem Fest Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenkommen, und das verschiedene Essen ist immer sehr fein.»
An den Ständen werden unter anderem Mahlzeiten aus der tamilischen, albanischen, serbischen, türkischen und mexikanischen Küche angeboten. Und neben Henna-Tattoos und Sackhüpfen werfen die Kinder beim Mohrenkopfkatapult die Bälle um die Wette, bis das weiss-braune Süsse ihnen entgegenfliegt und sie es lachend versuchen aufzufangen.
Auch dem 13jährigen Joy D'Agnano gefällt es auf dem Quartierfest gut. «Ich kenne hier viele Kollegen aus der Schule und der Nachbarschaft, und das Fest ist gut, um noch mehr Menschen kennenzulernen.» Ausserdem seien die Auftritte der Tanzgruppen spannend anzuschauen.
Auf der Bühne im Zelt drehen sich Kinder in weissen, langen Kleidern im Kreis und führen einen Derwisch-Tanz auf. Danach treten unter anderem die serbische Tanzgruppe Rorschach, die albanische Tanzgruppe und eine Salsatanzgruppe auf die Bühne und drehen, hüpfen, stampfen um die Wette. Man kann es kaum glauben mitten in Rorschach in der Schweiz zu stehen, wenn nicht in den kurzen Pausen zwischen den Tanzgruppen die Stimme vom schweizerischen Mundartrocker Gölä erklingen würde.
«Bringt die Leute zusammen»
Auch Daniel Ammann kommt gerne mit seinen Kindern an das Quartierfest. «Ich kenne hier viele Leute, und für die Kinder ist es ein riesiger Spass», sagt der SVPler. «Ich finde solche Feste nicht schlecht, sie bringen die Leute zusammen.» Eine Beobachtung drängt sich auf: Die Herkunft der Feiernden in der Neustadtstrasse könnte unterschiedlicher nicht sein. Auch ihre politische Gesinnung und ihr Glauben mögen auseinandergehen. Doch am Fest sind alle vereint. Sie sind Rorschacherinnen und Rorschacher.
- Artikel empfehlen:










Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.
Kommentar schreiben