Tagblatt Online, 02. September 2009 16:42:55
Tödlicher Tauchunfall vor Gericht
Vor dem Kreisgericht Rorschach wird in einem Tauchunfall wegen fahrlässiger Tötung verhandelt. (Bild: Bild: ast)
Vor dem Kreisgericht Rorschach stand heute ein 34jähriger Mann. Er ist angeklagt, den Tod eines Tauchkollegen fahrlässig verschuldet zu haben. Sein Verteidiger verlangt einen Freispruch.
Andrea sterchi
rorschach. Bei einem Tauchunfall vor zwei Jahren verlor ein 34jähriger Mann sein Leben. Zusammen mit zwei Kollegen war er beim Hauptbahnhof Rorschach zu einem Tauchgang aufgebrochen. In einer Tiefe von sieben bis zehn Metern traten bei ihm Probleme auf, er verlor sein Bewusstsein. Am Ufer blieben Reanimationsversuche erfolglos.
Anklage will Geldstrafe
Heute musste sich vor dem Kreisgericht einer der beiden Kollegen, er hatte die meiste Erfahrung, wegen fahrlässiger Tötung verantworten.
Die Anklage beantragte, ihn zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 90 Franken, also 8100 Franken, und einer Busse von 2500 Franken zu verurteilen. Sie argumentierte, dass der Angeklagte aufgrund seiner Ausbildung zum Tauchlehrer die Gefahr früher hätte erkennen und mit ihm auftauchen müssen. Er habe die Lage falsch eingeschätzt und somit den Tod seines Kollegen verschuldet.
Informationsrechte verletzt
Die Verteidigung plädierte auf einen Freispruch von Schuld und Strafe. Sie berief sich dabei auf strafprozessuale Fehler seitens der Untersuchungsbehörden. Der Angeklagte sei vor der ersten Einvernahme zwar über sein Recht zur Aussageverweigerung belehrt worden, nicht aber darüber, dass er einen Verteidiger beiziehen könne. Damit seien die Informationsrechte des Angeklagten verletzt worden und die Einvernahme nicht verwertbar.
Das gelte auch für die zweite Einvernahme sowie ein Gutachten der Seepolizei Zürich, das sich vorwiegend auf die erste Einvernahme stütze. Zudem sei der Angeklagte zuerst als Auskunftsperson vernommen worden, aber sozusagen als Angeschuldigter behandelt worden.
Der Angeklagte war während der Vernehmung durch den Richter sichtlich aufgewühlt. «Ich bedauere, was passiert ist. Der Fall nimmt mich immer noch mit», sagte er am Ende der Verhandlung. Das Urteil des Gerichts ist im Laufe der nächsten Woche zu erwarten.
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