Eilmeldung: St.Galler Tagblatt Online, 28. Februar 2009 01:01:06
Stubenwärme aus Abwasser
Das Gebiet Schöntal (grün) soll zuerst versorgt werden. Ausbau (braun) ist besonders in Arbon möglich. (Bild: Bild: Ingenieurbüro Kempter & Partner)
Aus dem gereinigten Abwasser der ARA Morgental sollen schon bald Wohnhäuser und Industriebetriebe mit Wärme beliefert werden. In einer ersten Etappe ist die Erschliessung des Gebietes Schöntal in Steinach geplant.
Enrico berchtold
STEINACH. Wenn eine Heizanlage in die Jahre kommt, überlegt man sich, wie sie ersetzt werden soll. So geschehen auch bei der regionalen Abwasserreinigungsanlage Morgental in Steinach. Abklärungen ergaben, dass im gereinigten Abwasser noch ein stattliches Wärmepotenzial steckt. Selbst wollte der Abwasserverband Morgental nicht als Wärmelieferant auftreten, deshalb wurde über eine Ausschreibung ein sogenannter Contracter gesucht, der die dazu notwendige Infrastruktur erstellt und Kunden sucht. Den Zuschlag erhielt die Firma EBM (Elektra Birseck, Münchenstein), die auf grosse Erfahrung in der dezentralen Wärmeversorgung zurückblicken kann.
Drei Millionen investieren
Das Gebiet im Steinacher Schöntal soll in einer ersten Etappe erschlossen werden. Im Zusammenhang mit der Ausschreibung wurde eine Umfrage durchgeführt, die ergab, dass es etliche Interessenten gibt, die von diesem umweltfreundlichen Wärmebezug profitieren möchten. Laut Martin Dietler, Leiter der Abteilung Wärmeprojekte der EBM, wird mit Investitionskosten von etwa drei Millionen Franken gerechnet. Gespräche mit dem Steinacher Gemeindepräsidenten Roland Brändli seien bereits aufgenommen worden. Möglicherweise übernehme Steinach einen Teil der Investitionskosten, da im Gebiet Schöntal Überbauungen geplant sind. «Wenn wir allerdings zu wenig Kunden gewinnen können, werden wir nicht weitermachen», bemerkte Martin Dietler.
Dezentrale Wärmepumpen
Geplant ist ein «kalter» Wärmeverbund, so Roland Boller, Geschäftsführer des Abwasserverbandes Morgental. Gereinigtes Abwasser mit einer Temperatur von rund zehn Grad wird geliefert. Dezentrale Wärmepumpen entziehen dem Abwasser etwa drei bis vier Grad und sorgen in den Häusern für Raumwärme.
Die im Abwasser der ARA Morgental vorhandene Energiemenge von 3,6 GWh entspricht rund 360 000 Litern Heizöl.
Ökologische Wertschöpfung
Das Wärmecontracting mit der EBM bringt dem Abwasserverband Morgental einige Vorteile. So könne in erster Linie die Versorgungssicherheit mit Prozesswärme erhöht werden, erläutert Roland Boller. Im weiteren würden Flächen und Räume an die EBM vermietet. Nicht zuletzt erziele man mit dieser Nutzung der Abwasserwärme eine nachhaltige ökologische Wertschöpfung. Dazu zähle auch, dass der See weniger stark erwärmt werde.
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