Tagblatt Online, 13. September 2008 01:00:27
Strasse, Bahn und Bus als Paket
Programm von Kanton, SBB und Stadt für Umfahrungsstrasse, Bahnhof, Bushof und Verkehrsberuhigung im Stadtkern
Das neue Konzept: Bahnlinie (rot) oberirdisch, eventuell mit zweitem Gleis; Haltestelle Stadt zu Bahnhof ausbauen und mit Bushof ergänzen (öV-Knoten), Durchgangsstrasse (gelb) von Bellevue bis Bäumlistorkel unterirdisch und weiter zu neuem Autobahnanschluss Goldach oder Rorschacherberg (gelbe Pfeile); Strassen im Stadtkern (blau) schon vorher umgestalten. (Bild: Bild: Vermessungsamt Kanton St. Gallen / Grafik: Agentur E, T & H)
RORSCHACH. Der Kanton, die Bundesbahnen und die Stadt haben sich verpflichtet, gemeinsam Lösungen für die grossen Verkehrsprobleme in Rorschach zu projektieren und ihren Teil zu bauen, wenn ihre Instanzen die nötigen Millionen bewilligen.
Fritz Bichsel
«Die Verkehrssituation in der Stadt Rorschach ist verbesserungsbedürftig», steht in der Mitteilung des Kantons an die Medien. Die Rorschacher wissen, dass das seit gut hundert Jahren so ist, ungezählte Ideen und mehrere Projekte zur Trennung von Strasse und Schiene gescheitert sind. Das neue Programm umfasst zusätzlich die Entlastung des Stadtkerns von Verkehr, besseren Zugang zu Bahnhöfen, Verknüpfung von Bahn und Bus und städtebauliche Aufwertung berührter Gebiete. «So weit waren wir noch nie», sagt Stadtpräsident Thomas Müller. Es ist zwar nicht seine Wunschvariante «Tieferlegung der Bahnlinie». Aber auch das neue Konzept mit Tunnel für eine Strasse statt für die Bahn umfasst alle grossen Anliegen zur Verkehrsführung.
Was geplant ist
Aus der Mitteilung und aus ergänzenden Informationen des Stadtpräsidenten ergibt sich:
– Die Bahnlinie bleibt oberirdisch und wird ohne Zeitverlust ausgebaut als Anschluss ans europäische Netz (HGV). Die Stadt zog ihre Einsprachen zurück.
– Die Haltestelle Stadt soll ausgebaut werden zu einem beidseitig zugänglichen Bahnhof. Das wird so projektiert, dass es mit oder ohne weitere Doppelspurabschnitte möglich ist.
– Den nötigen Platz sichert die Stadt durch den Kauf der südlich angrenzenden Liegenschaft mit Wiese und ehemaliger Wäscherei.
– Für optimales Umsteigen sollen Stadt und Kanton bei diesem Bahnhof einen Bushof bauen.
– Als Umfahrung soll der Kanton eine neue Strasse um den Stadtkern und zu einem zusätzlichen Autobahnanschluss bauen. Im Abschnitt Churer-/Hauptstrasse beim Bellevue bis Bämlistorkel bei der Bahnhaltestelle Stadt ist sie unterirdisch, weitgehend parallel zur Bahn vorgesehen. Diese Bahnübergänge sollen ersetzt werden durch Unterführungen mit Zufahrt zur neuen Strasse sowie Zugang zu Bus- und Bahnhof.
– Die Fortsetzung der Strasse Richtung Goldach/St. Gallen ist abhängig vom Variantenentscheid für den Autobahnanschluss (Rorschacherberg-Sulzberg oder Goldach-Witen). Dazu sind technische Abklärungen in Arbeit.
– Für Verkehrsberuhigung werden die Hauptstrasse und weitere Strassen in der Innenstadt bereits vor dieser Entlastung umgestaltet.
– Für besseren Zugang zum Hauptbahnhof bauen Rorschach und Rorschacherberg mit einem Beitrag des Kantons einen Lift ab der Promenadenstrasse.
Wovon alles abhängt
Der Stadtrat erreichte mit Einsprachen, dass vor dem Ausbau der Bahnlinie eine Gesamtlösung der grossen Verkehrsprobleme in Rorschach angegangen wurde. Dass dann auch gebaut wird, wollte es möglichst verbindlich zugesichert haben. Ein eigentlicher Vertrag ist nicht möglich, weil dieses Programm nur verwirklicht werden kann, wenn Kantonsrat und Bürgerschaft sowie Instanzen der SBB später die Kredite bewilligen. Deshalb wählten die Beteiligten die Form einer Absichtserklärung zu Zielen und Projekten. Damit das nicht Papier bleibt, bilden sie nun bis Ende Oktober eine Projektorganisation.
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