Tagblatt Online, 19. März 2009 06:35:00
Schrankenlust statt Schrankenfrust
Slow City – Samuel Roth und Donat Richiger schildern ihre Visionen. (Bild: Bild: Gisela Imoberdorf)
«9400 Südbucht», die erste Slow City der Schweiz, Mekka der Strassenkünstler, Stadt der kreativen Wartezeiten sowie gastlich, freundlich und kulturoffen; Studierende der FHS stellen ihre visionären Ideen für die Stadt Rorschach vor.
Ad-hoc-Einwohnerrat und Studierende hören durch Mikrophon und Megaphon die Ideen zum Thema «Rorschach, die südlichste Bucht am Bodensee». Wären die Ideen in Zukunft Realität, würde Rorschach «9400 Südbucht» heissen, das Seeufer wäre ein Sandstrand und draussen im See würde eine Schaukelbar treiben. Die Promenade wäre übersät mit Strassenkünstlern, Musik und guten Düften. Die Ideen wurden bildlich beschrieben und liessen bei den Zuhörern ein künftiges Rorschach lebendig werden.
Buch der Stadt
Bei den Gleisen am Hafenbahnhof war «Rorschach eine gastliche Hafenstadt» Thema. Das Versprechen, eine gastliche Hafenstadt zu sein, wird wie der Dozent Mark Riklin berichtet, seit den 70er-Jahren am Eingang von Rorschach gegeben. Die Studierenden gehen der Frage nach, wie dieses Versprechen umgesetzt werden kann. In einem digitalen «Buch der Stadt», hinter Glas plaziert, wären alle wesentlichen Informationen durch Berührung leicht abrufbar. Jeder Gast hätte zudem die Möglichkeit, seine Erfahrungen ins Buch zu schreiben. Die Gastlichkeit von Rorschach wurde durch die Ideenfülle in ungewohnter Weise dargestellt.
Kreative Wartezeit
Unter dem Titel Slow City wurde auf den zweifelhaften Ruf von Rorschach, als Stadt der Bahnschranken, Bezug genommen. Die Vision einer Slow City ist es, die Wartezeiten vor den Barrieren positiv zu nutzen. Die Ideen der Studierenden wurden zu Beginn von Samuel Roth in einem poetischen Reim präsentiert. Schranken wären demnach in Zukunft nicht mehr nur Schranken. Jede Schranke bekäme eine eigene Identität. Passanten würden an der «Schlanken-Schranke» Fitnessübungen machen, an der «Danke-Schranke» erhielten sie Anregungen zur Nutzung der Wartezeit. Die «Schranke als Hemmschwelle» würde die Möglichkeit bieten, angestaute Emotionen, unter der Tarnung des rauschenden Zuges, im richtigen Moment hinauszuschreien. Alle Schranken würden durch ihre kreative Gestaltung zum einzigartigen Wahrzeichen Rorschachs.
Einwohnerrat bezieht Stellung
In einem abschliessenden Element der Aktion fungierten vier Personen aus der Stadt Rorschach als Ad-hoc-Einwohnerrat. Sie hatten im Restaurant Rheinfels die Aufgabe, die Ideen und Visionen auf ihren Gehalt zu prüfen. Die Ratsmitglieder wurden gefragt, was sie am meisten beeindruckt hat und was sie als umsetzungswürdig erachten. «Die Schaukelbar hat mich am meisten beeindruckt», sagte Martin Scheifele. Adriana Alismeno fand die Idee der Bahnschranken als Stresstherapie gelungen. Stephan Kuntz spürte bei der Präsentation auf der Hafenmauer ein inneres Lächeln. Philipp Bättig war vom Mekka der Strassenkünstler begeistert.
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