Tagblatt Online, 03. November 2009 01:03:05
Schräge Vögel in «Schieflage»
Zehn-Jahr-Jubiläum: Die Männer des Rorschacher Chors «9400 Chorschach» in vollem Einsatz. (Bild: Bild: Urs Jaudas)
RORSCHACH/GOSSAU. Unter dem Motto «In arger Schräglage» feiert der Rorschacher Chor «9400 Chorschach» sein Zehn-Jahr-Jubiläum. Am Freitag begeisterte er mit breitem Repertoire und a cappella in Gossau.
markus wigert
Aus dem Dunkel des vollbesetzten Fürstenlandsaales tauchen vier Gruppen auf, die Gesichter mit Taschenlampen beleuchtet. 18 Chorleute, die sich vor zehn Jahren entschieden haben, gemeinsam zu singen.
Was die Besucher am Freitag im Gossauer Fürstenlandsaal zu hören bekamen, war mehr als A-cappella-Musik. Komik, Kabarett, augenzwinkernde Lebensweisheiten, stimmige Choreographien und Tanzeinlagen verschmolzen zu einer Gesamtperformance.
Kabarett und Musik
Witzige Moderationen zwischen den Chorstücken prägen den Stil von «9400 Chorschach». Immer wieder wird dem Zuschauer der Spiegel vorgehalten, so dass das Lachen im Hals stecken bleibt. Das Programm mit seinen 24 Stücken besticht durch einen sauber intonierten Sound. Wünschte man den Solostimmen vor der Pause noch etwas mehr Frechheit, singt sich der Chor nach der Pause förmlich frei. Die Lebensfreude und die Lust am Auftritt setzen sich durch. Das Volumen der Chorstimmen vergrössert sich zusehends, die Solostimmen performen selbstbewusster.
Provokative Nummern folgen auf Balladen.
Der Klassiker «Don't worry, be happy» von Bobby McFerrin besticht durch glockenreine Intonation. Der Austro-Popsong «Fürstenfeld» verströmt die melancholische Stimmung des Steyrer Strassenmusikanten, dem nur noch eines bleibt: das Geld für ein Zugticket von Wien nach Hause. Aus dem Schweizer Volkslied «S'isch äbe'n'ä Mönsch uf Ärde» macht der Chor den Song «Fastelifood» über modernes Essverhalten. Musical-Atmosphäre verströmt der Radetzkymarsch nach der Pause.
Uniform und Militärmütze aus Papier bilden die Accessoires zu dieser Nummer, die eine weitere Facette des Chores aufblitzen liess.
Ein anderes Stück dieses Genres war der Song «Jobless», eine bissig-ironische Darstellung eines verzweifelten Jobsuchers, der auf den Anruf der Firma wartet. Was man dem gesamten Chor attestieren darf, nämlich eine unangestrengt lockere Ausstrahlung, ist bisweilen gewürzt mit Anflügen wohltuender Schnoddrigkeit.
Abgang mit dem Löwen
Ein fulminantes Schlussfeuerwerk zündet der Chor mit der ersten Zugabe. «The Lion», ein Evergreen, reisst das Publikum förmlich von den Stühlen. Brustkörbe und Oberschenkel verwandeln sich in Perkussionsinstrumente, die Frauenregister spielen mit den Männerstimmen Katz und Maus.
Mit dem humoristischen Rat, das Publikum solle wie der Chor zusammenbleiben und als starke Einheit weitere Konzerte besuchen, findet ein eindrücklicher Konzertabend seinen nicht ganz ernstgemeinten Abschluss.
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