Tagblatt Online, 02. Juli 2008 13:24:17
Millionen sammeln für den Park
Die Gemeinde will Wartegg retten mit Beiträgen und Spenden von gegen 3 Mio. Franken und 2 Mio. aus ihrer Kasse
Auch das letzte Bauland-Areal im Warteggpark soll grün bleiben – mit Hilfe von Spendern aus der ganzen Schweiz. (Bild: Bild: Urs Bosshard)
Rorschacherberg. Im Warteggpark soll auch das letzte Stück Bauland grün bleiben. Dazu geht die Gemeinde nun Bund und Kanton um Beiträge sowie Stiftungen, Unternehmen und Private um Spenden an.
Fritz Bichsel
In dieser «grünen Lunge» im Siedlungsgebiet am See ist die Nordwestecke als Bauland eingezont. Das Baugesuch der neuen Grundeigentümerin Swisscanto (Anlagestiftung von Kantonalbanken) entspricht dem Gestaltungsplan. Der Gemeinderat sah sich deshalb verpflichtet, das Projekt für vier Mehrfamilienhäuser zu bewilligen. Dagegen sind zwar Rekurse hängig, doch das Recht zum Bauen bleibt. Aber 3000 «Freunde des Warteggparks», der Naturschutzverein, die Eigentümer von Schloss Wartegg und auch der Gemeinderat wollen den ganzen Park bewahren. Der Gemeinderat sieht dafür eine einzige Möglichkeit: das Bauland kaufen.
Erfolgsaussichten
Die Eigentümerin ist bereit, es der Gemeinde oder einer Stiftung zu verkaufen, wenn der Preis ihre Kosten für den Kauf, die Zinsen seither und die Planungen deckt. Gemeindepräsident Ernst Tobler sähe gerne auch Swisscanto als Spenderin für die Rettung des Parks, in Form von Preisnachlass. Vorerst sind die Kosten für den Landkauf auf vier bis fünf Millionen Franken veranschlagt. Die Gemeinde könne das nicht allein tragen, sagt Tobler, sondern nur gegen die Hälfte beitragen ohne Steuererhöhung. Er hat deshalb bei möglichen Geldgebern sondiert. Es zeigten sich Erfolgsaussichten. Nun startet die Gemeinde die Spendensammlung.
«Damit man konkret an öffentliche Hand, Organisationen und Private gelangen kann, braucht es eine Dokumentation», sagt der Gemeindepräsident. Diese liess die Gemeinde erarbeiten durch die früher im Bundesamt für Umwelt und jetzt in einem eigenen Büro tätige Umweltwissenschafterin Claudia Friedl, St. Gallen. Diese Fachfrau für Landschaften kennt als Kantonsrätin und Präsidentin der SP des Kantons auch die politischen Abläufe. Als Resultat liegt ein reichbebilderter Prospekt vor. «Zusammen mit dem Schloss könnte ein Kultur- und Naturdenkmal von weitragender Bedeutung und Ausstrahlung erhalten werden», heisst es darin.
Prospekt für Spender
Adressaten werden mögliche Beitragszahler und Spender in der ganzen Schweiz: der Bund mit der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, der Kanton für Mittel aus dem Lotteriefonds und für Wirtschaftsförderung, private Stiftungen, Sponsoren und Privatpersonen. Ernst Tobler hofft, dass sich die Spendenaktion auch über die «Freunde des Warteggparks» verbreitet. Bis im Herbst sollen die Mittel beschafft sein. Damit der Kauf möglich wird, bevor ein Bauprojekt rechtskräftig ist. Gegen das aktuelle sind noch Rekurse hängig.
Warum geht die Gemeinde nicht den weniger aufwendigen Weg einer Auszonung? «Das wäre nach Beurteilung von Juristen eine Enteignung. Die dafür fällige Entschädigung würde eher teurer, und Beiträge an eine Enteignung zu erhalten wäre schwierig», begründet der Gemeindepräsident.
Kein weiterer Tausch möglich
Der obere Teil des Baulandes im Park bleibt grün, weil ein Privater mit Bindung zu Wartegg Bauland tauscht gegen diese Fläche, obwohl auf ihr nun nicht mehr gebaut werden darf. Das ist ein einmaliger Glücksfall. Für einen Tausch zur Rettung des Nordteils steht kein Land zur Verfügung, das weniger kosten würde als der Kauf im Park.
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