Tagblatt Online, 09. Februar 2012 09:23:00
Kupfer von Fassaden geklaut
Am Markt in Heerbrugg war während des Baus Tatort des Kupferdiebs. (Bild: René Schneider)
HEERBRUGG. Der 22jährige Deutsche ging 2008 als Rheintaler Kupferdieb um. Er klaute Kabel, Dachrinnen, auch Kupferkessi aus Gärten. Sein Prozess wurde kurzfristig verschoben.
RENé SCHNEIDER
Damals, 2008, war der Kupferdieb 22 Jahre alt und die Überbauung «Am Markt» die grösste Baustelle im Rheintal. Mit einem Honda Civic mit Kennzeichen aus Sachsen-Anhalt bewegte sich der ledige Monteur im Rheintal und in der übrigen Ostschweiz und stahl Kupfer, meist von Baustellen, aber auch aus Gärten und von Fassaden. Er verkaufte es an Altstoff-Händler, zum Teil ebenfalls in der Ostschweiz. Ob diese als Hehler belangt werden, wird sich weisen.
Ein Monat U-Haft
Der Kupferdieb wurde erwischt. Wie und warum, das steht nicht in der Anklageschrift. Im August/September 2008 sass er dann einen Monat in Untersuchungshaft. Auf gestern Mittwoch war die Verhandlung vor dem Kreisgericht in Rheineck angesagt, sie wurde aber kurzfristig verschoben. Gemäss Anklageschrift fordert die Staatsanwaltschaft eine (bedingte) Freiheitsstrafe von zwei Jahren, eine Busse von 100 Franken sowie die Bezahlung der Untersuchungskosten von 8000 Franken. Das Gericht wird ebenfalls entscheiden, ob die Forderungen der Geschädigten anerkannt oder auf den Zivilweg verwiesen werden.
Vorgeworfen wird dem inzwischen 26jährigen Mann Brandstiftung, gewerbsmässiger Diebstahl, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch sowie Marihuana-Besitz. Die Liste der Privatkläger umfasst ungefähr ein Dutzend Unternehmen, darunter die Gemeinde Au mit 15 000 Franken. Der Brand «Am Markt» hatte Schäden an den Installationen der Elektra verursacht. Insgesamt stahl der Mann Kupfer im Wert von 40 000 Franken und verursachte dabei Schäden von 8000 Franken.
Viermal auf Baustelle Am Markt
Auf seinen Kupfer-Raubzügen besuchte der junge Mann im August 2008 innert weniger Wochen viermal die Baustelle «Am Markt» in Heerbrugg. In der Nacht vom 4. auf den 5. August klaute er Kupferkabel im Wert von 6000 Franken. Die Arbeiter sicherten das Materiallager darauf mit einer Palette Ziegelsteinen. Dem Dieb gelang es trotzdem, in der Folgenacht nochmals Kabel im Wert von 4000 Franken zu entwenden. Zehn Tage später besuchte er die Tiefgarage zum drittenmal, brach mit schwerem Werkzeug das Sicherheitsschloss zum Materiallager auf und stahl Kupferkabel auf Rollen für über 20 000 Franken. Er habe mit seinem kleinen Honda das Material in drei Fuhren wegschaffen müssen, wie der Geständige bei der Befragung sagte. Zwei Tage später stieg er zu Fuss in die Tiefgarage ein und brach dort mit einer aufgefundenen Eisenstange einen Lieferwagen auf, um an Einbruchwerkzeug zu kommen.
1,5 Millionen Franken Schaden
Aus dem Lieferwagen stahl er einen Winkelschleifer und zwei Endlosbänder. Mit einem Akkubohrer öffnete er ein Sicherheitsschloss und stahl Kupferkabel für 2500 Franken. Er trug es zu Fuss zu seinem abgestellten Auto. Um seine Spuren zu verwischen, setzte der Täter mit einem Baumwolllappen, etwas vorgefundenem Holz und einem Feuerzeug die Sitzbank im aufgebrochenen Lieferwagen in Brand. Der Brand vernichtete zwei Lieferwagen, Baumaterial und verursachte einen Gebäudeschaden von etwa anderthalb Millionen Franken.
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