Tagblatt Online, 09. Februar 2012 09:25:00
Jugendzentrum im Dorfzentrum
In die Jahre gekommen: Der Goldacher Jugendtreff Freestyle an der Blumenstrasse.
GOLDACH. Die Goldacher Jugend darf sich freuen: An der St.Gallerstrasse 75 soll sie ein neues Jugendzentrum erhalten. Gerechnet wird mit Kosten zwischen 750 000 und 1 000 000 Franken. Noch in diesem Jahr soll darüber abgestimmt werden.
MARIANNE BARGAGNA
Der heutige Jugendtreff Freestyle an der Blumenstrasse ist wahrlich keine Augenweide. Der Schindelschirm ist verwittert, da und dort kaputt, die Gebäudehülle ist kein energetisches Meisterstück, die Sandsteinstufen sind ausgetreten. Und jedem, der eintritt, bestätigt sich der erste Eindruck eines langsam verfallenden Hauses: Das Innere ist alles andere als einladend. Dunkel die Räume, renovationsbedürftig die Decken, Wände und Böden. Das Untergeschoss ist geschlossen, «wegen Schimmel und Pilzen», sagt Gemeindepräsident Thomas Würth. Das Obergeschoss darf ebenfalls nicht mehr benutzt werden, «aus feuerschutztechnischen Gründen».
Jugend gehört ins Dorf
Seit 22 Jahren treffen sich die Jugendlichen im so genannten Gmünderhaus. Durchschnittlich kämen jeweils etwa 40 bis 50 junge Besucher, «eine stattliche Zahl», kommentiert Thomas Würth. Eine Zahl aber auch, die Ausdruck dafür sei, dass Goldach in Sachen Jugendarbeit auf gutem Weg sei. Dieser Weg soll nun an die St. Gallerstrasse 75 führen. Dort steht ein Haus, das, wie das Gmünderhaus an der Blumenstrasse, der Gemeinde gehört. Das alt ist. Und das abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt werden könnte, einen Neubau für die Jugend. Für Thomas Würth ist klar: Ein Jugendtreff gehört ins Dorf. Es könne nicht sein, dass man die Jugend ausgrenze, irgendwo in Industriezonen oder an den Dorfrand verbanne.
Dreieckig bauen
Die Parzelle an der St. Gallerstrasse liegt im Dorf, in der Nähe von Schule und Turnhalle und zwei Wohnhäusern. Das Spezielle an der Parzelle: Sie ist dreieckig. Wie kann sie überbaut werden? Antworten darauf gaben die vier zu einem Studienwettbewerb eingeladenen einheimischen Architekten. Der Gemeinderat als verantwortliche Jury hat die Projekte begutachtet und sich entschieden für jenes des Goldacher Architekturbüros Plan B, dem auch Gemeinderat Peter Buschor angehört. Dazu sagt Gemeindepräsident Würth: «Peter Buschor trat immer in den Ausstand, wenn über den geplanten neuen Jugendtreff diskutiert wurde.»
Einweihen im Jahr 2013?
Und diskutiert hat der Gemeinderat. Nicht nur über das Projekt, sondern auch über die Kosten. Gerechnet wird mit solchen zwischen 750 000 und 1 000 000 Franken. Ziel ist es gemäss Thomas Würth, noch in diesem Jahr eine Urnenabstimmung durchzuführen. Vorher aber, an der Bürgerversammlung vom 19. März, wird mit dem Budget ein Projektierungskredit von 60 000 Franken beantragt.
Erste Entwürfe für das neue Jugendzentrum liegen vor. Es soll ein dreieckiger Bau, dem Grundstück angepasst, realisiert werden. Im Erdgeschoss soll ein grosses Entrée und ein etwa 100 Quadratmeter grosser Hauptraum entstehen. Draussen sind ein gedeckter Vorplatz sowie ein Ständer für Velos und Mofas geplant. Im ersten Obergeschoss sollen ein Kreativraum und ein Girlraum sowie ein Büro für die Treffleitung untergebracht werden. Im Keller könnten Technik und ein Abstellraum untergebracht werden. Wenn alles rund läuft, könnte das neue Jugendzentrum im Herbst 2013 eingeweiht werden.
Zukunft noch ungewiss
Und was geschieht dann mit dem Gmünderhaus an der Blumenstrasse, jenem Haus, wo heute noch der Jugendtreff untergebracht ist? Im «Wellenbrecher», dem Informationsblatt der Gemeinde Goldach, ist unter anderem nachzulesen: «Für den Gemeinderat war schnell klar, dass sich eine Investition ins alte Gebäude nicht lohnt.» Es stehe zwar heute noch unter Denkmalschutz, werde sich aber kaum halten können. Im Zuge der gegenwärtig laufenden Überarbeitung der Schutzverordnung werde sich zeigen, was mit dem Gmünderhaus geschehen werde.
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