Tagblatt Online, 16. Juni 2012 01:05:00
Ideen nach Hause tragen
Spielen, tanzen und turnen im Projektraum der Fachstelle für Jugend, Familie und Schule in Rorschach. (Bild: Lea Müller)
RORSCHACH. Seit März läuft das Pilotprojekt «Kinderzeit» im Projet-urbain-Quartier. Die Projektleitung zieht eine positive Bilanz und denkt aufgrund der grossen Nachfrage über eine Weiterführung des Angebots nach. Der Entscheid steht noch aus.
LEA MÜLLER
Vor dem Eingang türmen sich Kinderjacken zu einem kleinen Berg. Schuhe in allen Grössen und Farben liegen am Boden. Im Projektraum der Fachstelle für Jugend, Familie und Schule in Rorschach geht es laut und fröhlich zu und her. Es ist «Kinderzeit» im Projet-urbain-Quartier. Unter der Aufsicht von Spielanimatorin Ajete Maliqi, Sara Benjamin, Margrit Zillig und Hariad Taha verbringen die Kinder hier jeden Mittwoch zwei Stunden. Eine Gruppe bastelt ruhig, eine andere tanzt in der Mitte des Raums. Einige Kinder beschäftigen sich zu dritt oder zu viert mit einem Gesellschaftsspiel oder üben sich draussen vor der Tür im Seilspringen.
Kostenlos und ohne Anmeldung
Seit Anfang März läuft das Pilotprojekt «Kinderzeit». Es ist Teil des Projet urbain, eines Projekts von Bund, Kanton und Stadt zur Aufwertung des Rorschacher Quartiers südwestlich des Stadtzentrums. An Anlässen wie Quartierparcours, Strassenfussballturnier oder Quartierfest haben viele Kinder teilgenommen. «Das Bedürfnis nach betreuten Aktivitäten im Quartier ist gross. Die Kinder sind offen und sehr neugierig», sagt Kaspar Vidal, Leiter der Fachstelle für Jugend, Familie und Schule sowie Mitglied der Projektleitung Projet urbain. Ausserdem seien Anregungen und neue Ideen für Spiele, Spracherwerb und soziales Lernen bei vielen Familien im Quartier willkommen.
Die Spielnachmittage sollen für Kinder zwischen vier und zwölf Jahren ein Angebot darstellen, das sie ohne grosse Hürden nutzen können. Das heisst: Sie müssen sich weder anmelden noch Eintritt zahlen. Sie können auch kommen und gehen, wann sie wollen. Immer vor Ort sind die vier Begleiterinnen und Begleiter. Und jeder Spielnachmittag wird mit einem kleinen Ritual, etwa einem Lied, eröffnet und abgeschlossen. Dazwischen gibt es einen kleinen Zvieri zu essen. «Die Ideen und Anliegen der Kinder werden nach Möglichkeit aufgenommen», sagt Kaspar Vidal.
40 bis 60 Kinder
Ideen sollen von den Kindern auch nach Hause getragen werden. «Die Spiele könnten Modellcharakter für die Freizeitgestaltung von Familien haben», sagt Kaspar Vidal. Ein weiteres Ziel der «Kinderzeit» sei ein präventiver Beitrag zur Förderung des Zusammenlebens sowie der sozialen und sprachlichen Kompetenz. Die Spielnachmittage sollen die Identität der Kinder stärken und eine positive Verbindung zwischen ihnen und ihrem Quartier schaffen.
Das Pilotprojekt «Kinderzeit» wird im Rahmen des Projet urbain finanziert. Es läuft noch bis zu den Sommerferien und soll zeigen, ob tatsächlich ein Bedürfnis an betreuten Spielnachmittagen besteht. Kaspar Vidal zieht eine erste positive Bilanz: «Die grosse Nachfrage macht deutlich, dass daraus ein festes Angebot werden kann.» Schon am ersten Spielnachmittag hätten etwa 60 Kinder teilgenommen, danach im Schnitt etwa 40 Kinder. «Auf einen so grossen Ansturm waren wir nicht gefasst», sagt Kaspar Vidal und lacht. Diese erste Erfahrung habe gezeigt, dass das Betreuungsteam am Anfang zu klein gewesen sei. Deshalb erhielten Ajete Maliqi und Sara Benjamin Unterstützung von Margrit Zillig und Hariad Taha. Letzterer nahm schon an einem Jugendprojekt der Fachstelle teil. «Es freut mich besonders, dass er dabei ist», sagt Kaspar Vidal.
Im neuen Quartiertreff
Ob das Projekt «Kinderzeit» nach den Sommerferien weitergeführt wird, ist laut Kaspar Vidal noch offen. Eine Idee sei, dass die Spielnachmittage nach den Sommerferien nicht mehr im Projektraum der Fachstelle, sondern in den Räumen des neuen Quartiertreffs durchgeführt werden. Dieser soll Ende August an der Löwenstrasse 30 in Rorschach eröffnet werden.
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