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Tagblatt Online, 15. Juni 2011, 01:04 Uhr

Gehasster Ausländer, folgsamer Schreiber

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Bauprojekt hoch überm See – rechtlich, politisch und privat umstritten. (Bild: Ralph Ribi)


RORSCHACHERBERG. Mit der Einzonung von Bauland in Rorschacherberg an der Grenze zu Wienacht befasste sich das Gratisblatt «Bodensee Nachrichten» auf einer ganzen Seite. Diese ist überwiegend abgeschrieben – aus Unterlagen, die Ursula Bischof zusammenträgt. Sie und ihr Mann haben in jenem Gebiet ein Haus. Nicht ganz so exponiert wie die umstrittene Bauparzelle Burenweid, aber auch zuoberst in Rorschacherberg mit weitem Blick über den See. Seit sie weiss, dass dort ein weiteres Haus geplant ist, kämpft Ursula Bischof mit allen Mitteln gegen Einzonung und Bauprojekt.

Noch mehr als ein Bau stört sie, dass ein Ausländer bauen will und die Gemeinde diesem Ausländer – Michael Schönemann von der Metalife – zu Bauland verhalf. Ursprünglich hatte er ein Gebäude für die Firma mit einigen Arbeitsplätzen angekündigt, jetzt ist ein Wohnhaus für ihn projektiert. Ursula Bischof lastet ihr ganzes Ungemach ihm an. Sie verfolgt Spuren von Schönemann in halb Europa und sogar, wo er übernachtet. Denn sie will auch erreichen, dass Schweizer Amtsstellen den in mehreren Ländern tätigen Geschäftsmann als Person mit Wohnsitz im Ausland einstufen. Dann hätte er für den Kauf von Boden eine Bewilligung nach «Lex Koller» benötigt.

Rache im Gratisblatt

Aus ihren Unterlagen wollte Ursula Bischof im Tagblatt einen Beitrag plazieren. Doch das Material enthält Fehler und nichtbelegte Aussagen. Die Tagblatt-Redaktion informiert deshalb auch aus anderen Quellen über den Fall Burenweid. Vieles geschah zwischen 2003 und 2005. Jahre später fand Ursula Bischof jetzt doch einen Weg, gegen den von ihr gehassten Ausländer Michael Schönemann öffentlich Stimmung zu machen und sich an der Tagblatt-Redaktion zu rächen für die kritische Überprüfung ihrer Aussagen und Unterlagen: Das Gratisblatt «Bodensee Nachrichten», das nach ihren Wünschen schreibt und jetzt das Tagblatt angreift wegen Beiträgen vor sechs Jahren.

Den aktuellen Anlass für Zorn von Ursula Bischof erwähnt das Gratisblatt nicht: Das Verwaltungsgericht lehnte den Antrag ab, die Einzonung von 2003 nichtig zu erklären. Diese sei zwar fragwürdig, aber im Ermessensspielraum der Gemeinde und gültig; auch die Rechtsgleichheit sei nicht verletzt. Endgültig entscheidet das Bundesgericht.

Verfahren und Privatkrieg

In diesem Verfahren wehren sich auch Eigentümer angrenzender Liegenschaften, wo die Gemeinde ohne Information ebenfalls Bauland eingezont hat. Dieser Kampf um Recht wird durch den Privatkrieg Bischof gegen Schönemann mit Fragwürdigem belastet. Und auch hier lässt das Gratisblatt etwas weg: Nicht mehr alle drei wehren sich gegen die Einzonung; eine Eigentümerin will das Bauland. Würde der Teilzonenplan aufgehoben, müsste die Gemeinde voraussichtlich nicht allein Michael Schönemann, sondern auch diese Nachbarin finanziell entschädigen. Fritz Bichsel



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