Tagblatt Online, 28. März 2009 01:03:36
Forscherkiste geht auf Reisen
Experimentieren mit der Seilwinde: Zwei Primarschüler sind überrascht, wie leicht es ist, sich selbst an einem Seil hinaufzuziehen. (Bild: Bild: Martina Kaiser)
Mehr Experimente, modernere Einrichtung, neues Design: Die neuste Ausführung der Forscherkiste – ein Anhänger voller Kisten mit Experimenten – ist nicht nur in Schulen der Region ein Renner. Auch Kantone wie Zürich und Basel sind interessiert.
Martina Kaiser
RORSCHACH. Eben ist die Forscherkiste aus dem zürcherischen Bülach zurückgekehrt und rollt auf den Vorplatz des Regionalen Didaktischen Zentrums in Rorschach. Gerd Oberdorfer, Leiter der Primarschule an der PHSG in Rorschach, atmet auf: Bereits in den nächsten Wochen muss sie wieder einsatzbereit sein für Schulklassen in Thal, Nesslau, Widnau und Sax. Bis dahin wird sie einem Sicherheitscheck unterzogen: Ist Material beschädigt worden und muss repariert werden? Fehlt etwas? Wurde der Anhänger sauber zurückgegeben?
Forscherkiste seit 1995
Die Forscherkiste in ihrer eigentlichen Form existiert bereits seit 1995. Sie wurde von Gerd Oberdorfer entwickelt und hauptsächlich von der Pädagogischen Hochschule des Kantons St. Gallen (PHSG) finanziert. Damals waren die Experimente noch in einem von Gerd Oberdorfer und seinen Schülern umgebauten Kastenwagen verstaut. Später wurde er durch ein blaues Wohnmobil ersetzt. Gestern konnte nun das neue Modell eingeweiht werden: Es ist ein Anhänger mit moderner Innenausstattung, der von beiden Seiten her zugänglich ist. Bei der Einrichtung und beim Verwirklichen der Experimente haben nicht nur Lehrer, sondern auch Pensionierte mitgeholfen.
Dank dem tourenden Anhänger mit den mittlerweile 250 Experimenten aus Holz und Plastik konnte Gerd Oberdorfer seine Idee verwirklichen: in Kindern spielerisch die Freude an Physik, Chemie und Biologie wecken. Ohne Vorkenntnisse, ohne Leistungsdruck.
Die Forscherkiste hat bereits nationale Berühmtheit erlangt. In Bern ist eine Kopie des Originals aus Rorschach angefertigt worden. Dort werden die Experimente aber nur innerhalb des Kantons an Schulen weitergegeben. Nicht so in Rorschach: «Primär vermieten wir unsere Forscherkiste an die Schulen in der Region respektive im Kanton. Die Anfragen aus Zürich, Basel und der Westschweiz weisen wir deswegen aber nicht ab», sagt Gerd Oberdorfer.
Für Kindergarten und Schule
Die Forscherkiste ist für Kindergärtler bis Sechstklässler geeignet und wird in der Regel für eine Woche für 500 Franken ausgeliehen.
Gerd Oberdorfer haben naturwissenschaftliche Experimente schon als Kind fasziniert. Seine Leidenschaft entdeckte er, als er die volle Milchkanne auf dem Nachhauseweg senkrecht im Kreise schwang, der Inhalt aber im Behälter blieb. Die meisten Experimente sind daher aus dem Alltag gegriffen. So zum Beispiel mit der Velopumpe eine Rakete zum Fliegen bringen. Oder sich selbst mit einer Seilwinde in die Höhe ziehen. Oder einen Teller auf einer Nadelspitze balancieren zu lassen: Die Möglichkeiten – aufgeteilt in auf die fünf Sinne Sehen, Fühlen, Hören, Riechen und Schmecken – sind fast unbegrenzt.
Gerade bei Mädchen könne so vermieden werden, dass sie eine Abneigung gegen Biologie, Physik oder Chemie entwickeln, sagt Gerd Oberdorfer.
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