Tagblatt Online, 09. Juni 2012 09:05:00
Einen Meter höher als im Vorjahr
Einen Meter Unterschied: Ende Mai 2011 (links) war bereits Badewetter, auch wenn das Wasser fehlte. Gestern (rechts) war zwar das Wasser hoch, doch die Sonne blieb aus. (Bild: Bilder: Fritz Bichsel / Dominik Bärlocher)
BODENSEE. Der Bodensee ging mit dem genau richtigen Wasserstand ins Sommerhalbjahr. Nach den Regenfällen in dieser Woche steht das Wasser 25 Zentimeter höher als im Durchschnitt und gut 100 Zentimeter höher als im rekordtrockenen Jahr 2011.
FRITZ BICHSEL
Im langjährigen Mittel erreicht der Bodenseepegel einen Jahreshöchststand von 396,50 Meter über Meer und diesen gegen Ende Juni bis Mitte Juli. Dieses Jahr erreichte das Wasser diese Höhe bereits gestern, am 8. Juni, und überschritt sie sogar etwas. Weil Meteorologen weiteren Regen ankünden, lässt sich voraussagen: 2012 steigt der Seepegel mindestens einige Zentimeter höher als im Durchschnitt.
20 Zentimeter an einem Tag
Nach heftigen Gewittern besonders in den Bergen trat der Rhein als Hauptzufluss wieder einmal über die Hauptdämme, flutete das Vorland und bot einen spektakulären Anblick. Es floss so viel mehr Wasser in den See als aus ihm, dass der Pegel allein am Montag um rund zwanzig Zentimeter anstieg. Seit einer Woche sind es gegen vierzig. Zum Vergleich: Im Vorjahr dauerte es für einen Anstieg um 40 Zentimeter zur gleichen Zeit, bis zum 8. Juni, zwei Monate ab Anfang April.
2012 ein normales Frühjahr
Was resultiert, wenn es im Frühjahr erst so heiss wird wie im Sommer und dann so kalt wie im Winter wie dieses Jahr, inbegriffen im April Schnee bis an den See hinunter? In der Statistik ergibt das durchschnittliches Wetter. Dieses spiegelt sich in der Kurve des Bodensee-Pegelstandes. Über den ganzen meteorologischen Frühling (März bis Mai) bewegte sich der Wasserstand 2012 genau oder sehr ähnlich wie im langjährigen Durchschnitt: Von 395 auf etwas über 396 Meter über Meer.
Vor einem Jahr war das Wetter und damit der Wasserstand im See völlig anders. Weil in den Bergen – die den Grossteil des Einzugsgebietes bilden – bereits wenig Schnee lag und es dann während Monaten fast keinen Regen gab, verharrte der Seepegel von März bis Mai so tief wie durch den Winter, statt wie im Frühling üblich anzusteigen mit der Schneeschmelze. Noch bis Mitte Juni 2011 bewegte er sich im Bereich des tiefsten je gemessenen Standes, also seit 130 Jahren.
Das hatte vor allem Auswirkungen auf Tiere und Pflanzen. Für Menschen bedeutete es, dass sie aus einigen Häfen nicht mit dem Boot ausfahren und Schiffe den Alten Rhein erst mit mehreren Wochen Verspätung befahren sowie einige Häfen am See vorübergehend nicht anlaufen konnten.
Wende zur richtigen Zeit
Ende Juli 2011 normalisierte sich die Lage. Und bis im Herbst blieb das Seewasser auf der durchschnittlichen Höhe. In den Winter 2011/12 ging der Bodensee zuerst mit zu wenig Wasser, weil es im November praktisch keinen Niederschlag gab. Dann stieg der Pegel über den Mittelwert seit 130 Jahren, weil im Dezember fast das Dreifache des Üblichen aus Wolken fiel. Dann ging es bis Ende Februar überdurchschnittlich abwärts, wieder auf den Normalstand. Aber dieses Jahr steigt das Wasser genau wie üblich seit Anfang März wieder.
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