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Tagblatt Online, 26. September 2009 01:05:03

Eine «handliche» Ulme

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Zwei, die Bäume mögen, auf der Ulme «im Leben danach»: Landwirt Cornel Eberle (links) und Werk- und Zeichnungslehrer Beat Brunner. (Bild: Bild: Coralie Wenger)

Die Ulme, die mehr als hundert Jahre das Wahrzeichen des St. Galler Quartiers Heiligkreuz war, hält jetzt als Skulptur ihre schützende Hand über die Straussenfarm und den Planetenweg.

Mörschwil. Es war Liebe auf den ersten Blick, damals vor zehn Jahren an der Bushaltestelle Heiligkreuz. Von dort aus hatte Beat Brunner besonders gute Sicht auf die markante Ulme, welche die Kreuzung über hundert Jahre lang geprägt hatte. Er beobachtete aber auch, wie der Ulmensplintkäfer einen Pilz übertrug, der den Baum zum Absterben brachte.

Von Anfang an Hand gesehen

Dass die uralte Ulme, die noch Zeiten erlebt hatte, als die Menschen mit der Pferdekutsche unterwegs waren, als ein Haufen von Holzschnitzeln enden sollte, war für den 48jährigen Werk- und Zeichnungslehrer unvorstellbar. So wie der Musiker Oliver Lüttin gefällten Mammutbäumen neues «Leben» einhaucht, wollte er dem absterbenden Baum einen Platz bescheren, an dem er von Menschen wahrgenommen wird. «Das ist vielleicht die einzige Ulme, die ein Leben danach hat», sagt er.

Lange, bevor der Baum am 20. Juni 2006 gefällt wurde, zeigte Beat Brunner im Gartenbauamt der Stadt anhand von Skizzen, was er vorhatte. «Für mich war von Anfang an eine Hand erkennbar», sagt er, der früher schon zwei andere Bäume gestaltet hatte. Die Zuständigen beim Amt waren von der Idee angetan, halfen beim Transport und lagerten den grossen Baum, bis Beat Brunner Zeit fand, ihn zu bearbeiten. Zuerst schälte er die Ulme, damit der Schädling nicht weiter eindringen konnte. Dann sägte er sieben der zwölf Hauptäste ab, so dass die Hand klar erkennbar wurde.

Weiter kam er nicht. Zu beschäftigt war er im Berufsleben. Hinzu kam, dass der geplante Zielort – bei einer Zürcher Klinik für Handchirurgie – nicht zustande kam.

Die Ulme und die Hochstämmer

Wie das Leben manchmal so spielt, fügte sich doch noch das eine ins andere. Der Mörschwiler Farmer Cornel Eberle, der sich wie um 150 Strausse auch um 1000 Hochstammbäume kümmert, sah den halbfertigen Baum – und war genauso fasziniert wie Beat Brunner.

So fand die Ulme ihren Platz auf der Straussenfarm, wo sie auch für Spaziergänger auf dem Planetenweg unübersehbar ist. In den kommenden Tagen wird Cornel Eberle mit der Motorsäge an den fünf Ästen noch Fingernägel und Fingerkuppen herausarbeiten. Ansonsten lässt er Natur Natur sein. Lässt die furchige Holzoberfläche, die an die Haut alter Menschen erinnert, und den jungen Holderbusch, der in der Baummitte seine ersten Triebe hervorbringt. (cor.)





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