Tagblatt Online, 08. Januar 2010 08:52:00
Die eigenen Schätze entdeckt
Im alten Stellwerk zogen Stadtpräsident Thomas Müller, Initiant Mark Riklin und Schatzsucher Richard Lehner ein positives Fazit. (Bild: Bild: Rudolf Hirtl)
RORSCHACH. Eine Denkpause, um das bisher zutage Gebrachte zu analysieren, sowie eine Fortsetzung im kommenden Jahr, um die Nachhaltigkeit zu gewährleisten; dies das Fazit, das Stadt und Initiator nach einem Jahr Schatzsucher gezogen haben.
rudolf hirtl
Um es mal vornehm auszudrücken; als Stadtpräsident Thomas Müller im November 2007 von Mark Riklin und Selina Ingold die Inventarliste von 169 Schätzen Rorschachs sowie die ultimative Forderung, einen Schatzsucher in Teilzeit anzustellen, in die Hand gedrückt bekam, zeigte dieser wenig Begeisterung. Müllers Einschätzung hat sich aber ebenso um 180 Grad gedreht wie die von vielen anderen vorgängig skeptisch eingestellten Persönlichkeiten.
«Rorschach-Spirit» geweckt
«Dank der Aktionen <Stadt als Bühne>, aus denen ja auch der Schatzsucher hervorgegangen ist, haben viele Menschen eine neue Identität zu Rorschach entdeckt, sie sind wieder stolz auf ihre Stadt», sagte Müller an der gestrigen PK, die passend in einem «Schatz», im ehemaligen Stellwerk des Hauptbahnhofes stattfand. Eine nachhaltige Veränderung und Trendwende gelinge nur, wenn sie von der Bevölkerung mit Herz mitgetragen werde. Riklin und Ingold hätten genau diesen «Rorschach-Spirit» geweckt.
Schatzsucher-Initiant Mark Riklin bedankte sich bei der Stadt für deren Mut, diese ungewöhnliche Stelle zu schaffen, und zeigte sich auch begeistert, wie Richard Lehner das Amt des Schatzsuchers umsetzte. Dessen Arbeit und Meldungen seien bei anderen Menschen zum Sprungbrett geworden, um die eigenen Schätze zu heben. Das Projekt wurde zeitlich auf ein Jahr begrenzt, um die Dichte und Intensität der Schatzsuche zu erhalten.
Aufgrund der positiven Wirkung nach innen und aussen wäre die logische Folge nach Einschätzung von Stadtschreiber Bruno Seelos ein zweites Schatzsucher-Jahr. Ehe die Stelle aber voraussichtlich im Herbst neu ausgeschrieben werde, müsse sie entsprechend der bisherigen Erfahrungen und der nun folgenden Auswertungen angepasst werden. Denkbar sei durchaus, dass dann eine junge Frau zum Zuge käme.
Auch die Jungen ansprechen
Gemäss Mark Riklin muss die Schatzsuche auch immateriell sein, darf also nicht zu Denkmalpflege werden, zudem sei es noch nicht wie gewünscht gelungen, junge Menschen anzusprechen. Ausserdem stelle sich die Frage, ob die Schatzsuche zukunftsorientierter gemacht werden könne.
Schatzsucher Richard Lehner, dessen Amtsjahr Ende Dezember endete, bedankte sich beim Stadtrat Rorschach für die einmalige Chance, ein Jahr lang Schatzsucher sein zu dürfen.
«Ein grosser Dank geht auch an Mark Riklin, für den mit der Umsetzung seiner Schatzsucher-Idee ein Traum in Erfüllung ging, ein Traum, der es mir ermöglichte, ein solch spannendes Jahr erleben zu dürfen», so Lehner. Aus Rückmeldungen aus der Bevölkerung habe er mehr und mehr gespürt, dass die Menschen in der Stadt begriffen hätten, worum es bei der Schatzsuche gehe, nämlich mit offenen Augen durch die Strassen zu wandern, auf den ersten Blick Selbstverständliches näher zu betrachten, dessen Werte zu schätzen und zum Leben zu erwecken.
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