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Tagblatt Online, 24. Oktober 2008 01:05:36

Die Begegnung zweier spezieller Frauen

HORN. Martha Stadlmair, Texte, Elias Bernet, Hammondorgel, und Dieter Felix, Schlagzeug, boten im «Horner Kreis» ein literarisch-musikalisches Erlebnis.

Peter beerli

Während eineinhalb Stunden liessen sich Kulturfreunde aus der biographischen Erzählung «Der stumme Schrei» vorlesen. Es war dem «Horner Kreis» gelungen, Martha Stadlmair aus Salenstein für eine Autorenlesung zu gewinnen. Mit Elias Bernet aus St. Gallen und Dieter Felix aus Wil standen ihr zwei Musiker zur Seite, die mit Hammondorgel und Cajón auf die Texte eingingen. Martha Stadlmair weiss sich sowohl in Prosa als auch in Lyrik auszudrücken und realisierte in ihrem bei Fischer GmbH in Frankfurt/Main erschienenen Buch eine ungewöhnliche Mischung der Stilrichtungen.

Vom Weg zweier Frauen

Die Autorin las ruhig, fast emotionslos. Man spürte, dass die Frau wusste, von was sie berichtete, dass sie dabei gewesen war. Die Erzählung handelt vom Weg zweier besonderer Frauen. Der Moment, in welchem sich Martha, die einst zur Adoption freigegebene Tochter, und Josi, die leibliche Mutter, zum ersten Mal begegnen, wird für beide zum einschneidenden Erlebnis. Man vernimmt von Marthas Streben, ihre Ursprünge zu entdecken, davon, wie sie im Bürgerheim ihre dort arbeitende taubstumme Mutter findet: «Diese Augen kenne ich. Von meinem eigenen Spiegelbild. Die Stirne in Falten gelegt, die starken Augenbrauen, genau wie bei mir.» Dann folgt das Trachten, auch Josi sie als ihre Tochter erkennen zu lassen. Die Geschichte erzählt von Begegnungen. Vom Kleidereinkauf mit dem ersten eigenen Geld der Sechzigjährigen, davon, dass Josi zu Marthas Adoptiveltern eingeladen wird und die Adoptivmutter mit «Mami» anspricht.

Zuhörer teilhaben lassen

Martha Stadlmair liess die Zuhörenden bei ihrer Lesung an Details teilhaben, an einem Restaurantbesuch, am Basteln des Adventskranzes mit aus der Kindheit stammenden Bändern.

Die Autorin wirkt zufrieden. Nur dort, wo ihr Josi ausgenützt scheint, wird ihre Stimme kalt – und beim Begräbnis, als der Pfarrer Josi als Sünderin verurteilt. Das Buch macht Mut, auf Benachteiligte zuzugehen, daran zu denken, dass auch sie ein Gefühlsleben haben.




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