Tagblatt Online, 26. September 2008 01:05:36
Der kalte Wind um die Ohren
Leben mit Nothilfe – ein Besuch bei einem Ehepaar aus Kongo-Kinshasa
Jean-Bosco: «Ich möchte gerne ein normales Leben führen.» (Bild: Bild: kbu)
RORSCHACHERBERG. Nach der Ablehnung ihres Asylgesuches wies das Ausländeramt Jean-Bosco und Sandrine zwei Gemeinden zu. Auf Betreiben des Solidari-tätsnetzes Ostschweiz machte es den Entscheid rückgängig. Heute lebt das Ehepaar in Rorschacherberg, in einem Abbruchobjekt.
kathrin Burri
Seit Januar 2008 ist das neue Asylgesetz in Kraft. Abgewiesene Asylsuchende werden auf Nothilfe gesetzt. Ein kalter Wind weht seither diesen Menschen um die Ohren. Eiskalt bläst er an einem Februartag für ein Ehepaar aus Kongo-Kinshasa, mit einem abgewiesenen Asylgesuch. Definitiv ungemütlich wird er, wenn der Wohnraum eine unterirdische Zivilschutzanlage ist ohne Heizung und warmem Wasser.
Wenigstens zusammen
Sandrine ist in den ersten Monaten schwanger und bricht in Tränen aus, als sie ihre neue von der Gemeinde zugewiesene Wohnung betritt. Ihr Mann Jean-Bosco schluckt leer. Wenigstens kann das Paar wieder zusammen sein. Ursprünglich wies sie das Ausländeramt St. Gallen zwei Gemeinden, Sennwald und St. Gallenkappel, zu. Durch den Einsatz von Freiwilligen aus dem Solidaritätsnetz Ostschweiz konnte der Entscheid rückgängig gemacht werden. Ein gemeinsamer Wohnort wurde möglich dank der Unterstützung von Beat Tinner, Präsident der Gemeindepräsidentenvereinigung. Das Paar wurde Rorschacherberg zugewiesen. «Aber eine unterirdische Zivilschutzanlage ist doch keine Unterkunft für eine schwangere Frau», sagt die Betreuerin vom Solidaritätsnetz.
Bedenklicher Zustand
Zurzeit ist das Ehepaar in einem Abbruchobjekt auf dem Rorschacherberg einquartiert. Was hat eine Frau, ein Mann und ein bald Neugeborenes in einem gut drei auf vier Meter grossen Zimmer verloren, kann bei einem Besuch gefragt werden? Ein Kinderwagen, eine blaue Kinderbadewanne und ein Rost für ein Kinderbettchen weisen auf das Kleine hin, dessen Geburt stündlich erwartet wird. Alles ist auf dem Doppelbett plaziert, viel mehr Raum ist nicht vorhanden. Helferinnen aus dem Solidaritätsnetz haben die Gegenstände im Brockenhaus gekauft oder gratis organisiert, dazu gehört auch eine Herdplatte im Gang des Dachgeschosses des ehemaligen Restaurants. «Das Zimmer ist beim Einzug vor Dreck gestanden», erinnert sich die Betreuerin, «aber es war nichts da, um es zu reinigen.» Darum hat das Solidaritätsnetz Putzmittel, einen Staubsauger und frische Bettwäsche organisiert.
Ein normales Leben führen
Die Gemeinde zahlt der Vermieterin des Abbruchobjektes 400 Franken pro Zimmer als Miete. Eigentlich sollte das Haus auf den 1. August abgebrochen werden, noch steht es, und es wird von einer neuen Bleibe für das Paar in Staad gemunkelt. Wie werden dort die Umstände sein? «Ich möchte nur endlich ein normales Leben führen, eine Arbeit haben, für Frau und Kind sorgen können», sagt Jean Bosco, der bereits seit sechs Jahren in der Schweiz lebt.
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