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Tagblatt Online, 12. März 2010 01:01:40

Das «Projet urbain» stockt

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Für die Gerenstrasse sehen die Arbeitsgruppen des «Projet urbain» viel Handlungsbedarf – Verkehrsberuhigung hat erste Priorität. (Bild: Bild: Lea Müller)

RORSCHACH. Um das Pilotprojekt des Bundes zur Aufwertung der Wohn- und Lebensqualität in einem Rorschacher Stadtquartier ist es still geworden. Die Aufbruchstimmung im Quartier hat einer Ernüchterung Platz gemacht.

Lea Müller

Das «Projet urbain» ist vor bald einem Jahr mit viel Schwung gestartet. Die Bevölkerung zeigte sich motiviert, das Stadtquartier zwischen Eisenbahnlinie, BZR, Kirchstrasse und Kamorstrasse aufzuwerten. Jetzt macht sich im Quartier allerdings Ernüchterung breit. «Viele Leute im Quartier wissen nicht, dass es dieses Projekt gibt», sagt Walter Meier, der sein Geschäft Velo Meier mitten im betreffenden Quartier führt. «Das Projekt ist im Moment auf Eis gelegt», erzählt er weiter. «Seit dem vergangenen Herbst läuft nichts mehr, und wir wurden nicht über die Gründe informiert.»

Die Puste geht aus

Walter Meier ist in der Arbeitsgruppe «Verkehr» tätig, die sich schon mehrmals getroffen hat. «Wir haben gute Ideen ausgearbeitet und die Stadt beauftragt, sie zu überprüfen», sagt er. Passiert sei nichts. Trotz der Enttäuschung möchte Walter Meier aktiv in der Gruppe weiterarbeiten – «sofern das von der Stadt gewünscht ist».

Saban Savci, Präsident des türkischen Elternvereins und Mitglied der Gruppe «Aussenraum», ist ratlos. Man habe ihm gesagt, dass das Projekt irgendwann weiterlaufe. Wann genau, wisse er aber nicht. An Ideen würde es nicht mangeln: «Ich schaue mich nach einem geeigneten Kulturlokal für das Quartier um.» Er hoffe, dass von Seiten der Projektsteuerung bald mehr Unterstützung für die Arbeitsgruppen signalisiert werde, sagt Saban Savci.

Moritz Meichtry, Präsident des Gewerbevereins Rorschach, bestätigt, dass dem Projekt auch aus seiner Sicht die Puste ausgegangen sei. «Was über Jahrzehnte versäumt wurde, kann man wohl nicht in kürzester Zeit umsetzen», sagt er. «Die Quartieraufwertung ist ein langer Prozess, der viel Geduld voraussetzt.» Im Moment sei es wichtig, dass die Projektleitung die Grundlagen überarbeite und noch mehr Vertreter der Bevölkerung involvieren könne. Moritz Meichtry engagiert sich in der Gruppe «Liegenschaften».

Seine Motivation, um beim Projekt mitzumachen: «Ich bin im Quartier aufgewachsen und wohne und arbeite immer noch hier.»

Bekenntnis auf Papier

Laut Zeitplan müsste die Konzeptphase in diesem Frühjahr in die Realisierungsphase übergehen. Sofortmassnahmen müssten von der Stadt umgesetzt werden. Dani Fels vom Institut für Soziale Arbeit der Fachhochschule in Rorschach zweifelt: «Es ist viel Zeit vergangen. Wenn das Projekt jetzt stagniert, ist es ein kritischer Moment.

» Der Dozent für soziale Räume spricht aus Erfahrung – er war schon in ähnliche Projekte in anderen Städten involviert.

Das Problem des «Projet urbain» in Rorschach sieht Dani Fels bei den unterschiedlichen Interessen. Die Projektsteuerung bevorzuge vor allem bauliche Projekte. Auf die Ideen der Bevölkerung seien kaum Reaktionen erfolgt. «Ich verstehe, dass die Leute enttäuscht sind», sagt Dani Fels. Das Mitdenken und Mitwirken der Quartierbewohner dürfe nicht nur ein Bekenntnis auf Papier sein.

Der Dozent war dabei, wenn die Arbeitsgruppen Ideen entwickelten. Zusätzliche Abfalleimer, Ersatz von Spielgeräten, Neugestaltung eines Innenhofs – «die Vorschläge und Massnahmen wären für die Stadt zum Teil sofort umsetzbar gewesen», sagt Dani Fels. Unabhängig voneinander hätten die Gruppen die Gerenstrasse als erste Priorität genannt. Durch eine Verkehrsberuhigung solle die Strasse zu einer Wohnstrasse werden. «Die Projektsteuerung hat auf diese Anliegen bisher nicht reagiert», so Dani Fels.

Die Fachhochschule wolle nicht länger zuschauen. «Nächste Woche starten wir eine neue Aktion im Quartier», verrät Dani Fels. Man wolle die Bevölkerung wieder aktivieren und neue Leute für das Projekt gewinnen. Bis im Sommer werden Studierende vor Ort tätig sein.

Konkrete Vorschläge

Aus Sicht der Projektleitung hingegen stagniert das «Projet urbain» nicht – im Gegenteil. «Wir liegen im Zeitplan», versichert Stadtpräsident Thomas Müller. «Gerade erarbeiten wir konkrete Vorschläge, die wir der Bevölkerung präsentieren werden», sagt er.

Erste Massnahmen wurden getroffen, indem ein Auftrag zur Gestaltung des öffentlichen Raums vergeben und ein Spezialist für Liegenschaften engagiert wurde.

Thomas Müller sieht keinen Anlass zur Ernüchterung im Quartier. «Wenn sich viele Leute an einem Projekt beteiligen, sind die Erwartungen hoch. Bis wir die Vorschläge überprüft haben, braucht es einfach Zeit.» Dies zeige auch die Erfahrung in Montreux und Pratteln, den anderen Pilotgemeinden des Bundes.





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