Tagblatt Online, 29. Juli 2008 01:16:16
Aussicht auf Millionen für Wartegg
Suche nach Beiträgen und grossen Spenden zur Erhaltung des Parks läuft, Sammlung bei der Bevölkerung folgt
Das bisherige Bauland im Warteggpark beidseits der früheren Zufahrt zum Schloss. Der nördliche Teil soll dank Beiträgen und Spenden Grünzone werden, der südliche Teil (unten) bleibt dank Landtausch grün. (Bild: Bild: Vermessungsamt Kanton St. Gallen)
Rorschacherberg. Fünf Millionen Franken sind nötig. Die Gemeinde hat erste, positive Signale von Fonds und Stiftungen. Eine breite Spendensammlung bei der Bevölkerung soll über die IG Warteggpark laufen.
Fritz Bichsel
Seit dem Start der Aktion «Erhalt des Schlossparks Wartegg» (Tagblatt vom 16. Juni) hat die Gemeinde Rorschacherberg mit rund zwanzig Institutionen Kontakt geknüpft, sie dokumentiert, ihnen Fragen beantwortet und mit einem Teil bereits Gespräche geführt. «Die ersten Reaktionen stimmen mich zuversichtlich, dass das ehrgeizige Ziel erreicht werden kann», sagt Gemeindepräsident Erst Tobler. Dafür sei allerdings noch grosser Einsatz nötig. Er freut sich, dass auch die aus der Bewegung «Freunde des Warteggparks» entstandene Interessengemeinschaft eine Spendensammlung lancieren will.
Professionelle Dokumentation
Die Gemeinde richtet ihre Anfrage um Beiträge und grosse Spenden (etwa ab 100 000 Franken) an Fonds von Bund und Kanton, schweizweit an Stiftungen für Schutz und Pflege von Landschaften sowie an Unternehmen und Private in der Region oder mit Bezug zu Wartegg. Sie nutzt dafür ihr grosses Beziehungsnetz. Und die Angefragten benötigen zur Beurteilung des Gesuchs eine umfangreiche Dokumentation: ökologische und kulturhistorische Beurteilung von Wartegg durch Fachleute, rechtliche Absicherung des öffentlichen Zugangs zum Park und der Auszonung des Baulandes, Kostenberechnung und Finanzierungsplan, Entwicklungskonzept für die künftige Nutzung des Parks und weiteres. Zudem haben Fonds und Stiftungen spezielle Fragen aufgrund ihrer Zweckbestimmung, welche in Gesprächen oder mit Fragebogen geklärt werden.
Positive Signale
Die Gemeinde hat solche Unterlagen erarbeitet mit professioneller Unterstützung durch die Umweltwissenschafterin Claudia Friedl mit ihrem Büro in St. Gallen. Erste Zusagen für Spenden liegen nun vor von Stiftungen und Privaten. Für weitere gibt es nach Auskunft des Gemeindepräsidenten positive Signale. Die Bedeutung von Wartegg, einem der wenigen in der Schweiz erhaltengebliebenen Landschaftsparks dieser Grösse und eine ökologische Insel im Siedlungsgebiet, spiele eine wichtige Rolle. Ebenso werde sehr positiv aufgenommen, dass die Gemeinde bereit sei, den grössten Einzelbeitrag selber zu leisten. Auch mit einem namhaften Beitrag des Kantons aus dem Lotteriefonds dürfe gerechnet werden.
Fünf Millionen finanzieren
Zu bezahlen sind die Ausgaben der heutigen Eigentümerin des letzten Baugebiets im Park – der Swisscanto, Anlagestiftung von Kantonalbanken – für Bodenkauf, Bauplanung und Zinsen. Bis im Mai waren das 4,9 Mio. Franken. Hinzu kommt weiterer Zins. Andererseits kann möglicherweise eine Spende abgezogen werden, welche die Gemeinde von Swisscanto erhofft. Der Plan sieht vor, dass die Gemeinde Rorschacherberg gegen zwei Millionen zahlt und mit Spenden und weiteren Beiträgen drei Millionen gedeckt werden. Dazu sind über eine zweite, mit der IG Warteggpark koordinierte Sammlung auch kleinere Spenden aus der Bevölkerung willkommen und nötig.
Ernst Tobler will die Aktion der Gemeinde bis im November abschliessen und auch der Bürgerschaft noch in diesem Jahr den Kreditanteil der Gemeinde beantragen – voraussichtlich an einer Bürgerversammlung. (Sie ist zuständig bis zu zwei Millionen.)
Eine Stiftung als Käuferin
Der ganze Warteggpark soll grün und öffentlich zugänglich bleiben. Für den östlichen Teil ist das bereits rechtlich gesichert. Für den weiteren Teil soll es erreicht werden mit einer Stiftung. Eine solche lässt die Gemeinde derzeit vorbereiten – samt der Möglichkeit, dass Beitragszahler und Spender Einsitz nehmen. Die Stiftung soll im Nordwesten das letzte Baugebiet kaufen und möglichst auch den südwestlichen Parkteil übernehmen, der dank Landtausch und Beitrag der Gemeinde umgeteilt werden kann von der Bau- in die Grünzone. Dadurch soll sie rechtlich und finanziell garantieren, dass Wartegg eine Naturoase bleibt, die der Bevölkerung zur Erholung dient, aber kein Rummelplatz wird.
- Artikel empfehlen:








Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.
Kommentar schreiben