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Tagblatt Online, 07. Februar 2012 01:05:00

Auf Ski vom Kaien zum See

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Vom Scheidweg stieg das Skivolk im Gänsemarsch zum Kaien hoch. (Bild: Monatschronik OT)

REGION. Sonne, Schnee und Kälte für eine «Classique»: Die Abfahrt vom Kaien mit Aufstieg zum Rossbüchel und via Landegg hinunter zum See war früher ein Wintervergnügen für Tausende.

OTMAR ELSENER

Nur drei Skifahrer reisen am Samstag in der Heidenerbahn, der Postautokurs zum Scheidweg ist fast leer. Zwei der Skifahrer steigen aus und zum Kaien auf, um wieder einmal die «Classique» zu erleben. Im Naturfreundehaus wärmen sie sich vorher mit Suppe und Brot auf. Spuren von Ski-und Schneeschuhläufern durchschneiden die weisse Fläche vom Kaienspitz bis zum Ausstiegs des Skilifts, wo die zwei Classique-Fahrer auf eine präparierte Skipiste und viel Volk treffen. Nach dem Aufstieg zum Rossbüchel können sie den Durst nicht löschen, das Gasthaus Fünfländerblick ist 1968 abgebrannt. Die Abfahrt zur Landegg ist dafür so schön wie einst. Der Schnee stiebt, der See glänzt grünblau, die Wälder sind tief verschneit.

«Heiden hell»

Früher verkündete am Samstagmorgen eine Tafel beim Hafenbahnhof «Heiden hell», wenn die Region am See im Nebel lag. Für viele war der Samstag noch Arbeitstag. Den damaligen Ansturm am Sonntagmorgen auf die Rorschach-Heiden-Bahn muss man gesehen haben, nur wenige besassen ein Auto. Mit prallvollen fahrplanmässigen und Extrazügen beförderte die Bahn an Januar- und Februar-Sonntagen bis zum Mittag über 1300 Personen nach Heiden. Dort erstürmten sie die Postautos zum Scheidweg, man wollte rechtzeitig für die Skikurse des SAC Rorschach und des Sportvereins Naturfreunde antreten.

Mühsamer Aufstieg

Durch tiefen Schnee stapfte eine endlose Kolonne im Gänsemarsch, die Ski geschultert, eine halbe Stunde lang durch den Wald zum 1952 erbauten Naturfreundehaus, für viele das Ziel für eine erste Stärkung vor dem Skikurs. «Wir hatten Probleme, alle Skischüler für das Mittagessen im «Gupf», im Naturfreundehaus, im «Bären», in der «Linde» und anderen Restaurants unterzubringen», erinnert sich Hugo Oesch, der Gründer der SAC-Skischule. Nach intensiven Übungen auf eigens gestampften Pisten wagte man sich am Nachmittag unter Führung der Skilehrer an die Abfahrt.

Drei klassische Abfahrten

Für alle Abfahrten befuhr man zuerst den Bärenhang, auf dem geübte Skifahrer schon vorher schmale Pisten gebahnt hatten, selbstverständlich noch ohne Skilift. Für die westliche Abfahrt begann am Gegenhang der Aufstieg durch den Wald. Wieder auf Ski, überquerte man die Strasse zwischen Fürschwendi und Spitze, erreichte den «Wissfleck» und kurvte einigermassen geschult via Eschlen und Witenwald nach Goldach oder via Eschlen-Loch nach Rorschach. Für die mittlere Abfahrt gab es zwei Varianten: eine führte von der Fürschwendi durch den Hasenstrick zum Fronberg, die andere direkt von der Wirtschaft Fünfländerblick durch den Wald zum Fronberg, von dort vereint via Kolprüti, «Kanonenrohr» ob dem Wannenweiher zum Kreuzacker. Nach dem langen Tag fanden viele den letzten steilen Aufstieg von Grub direkt hinauf zur Kapelle auf dem Rossbüchel anstrengend. Im «Fünfländerblick» herrschte jeweils Hochbetrieb. Alle erholten sich vor der Schlussabfahrt.

Die Landegg Classique

Die guten Skifahrer wählten die mittlere Variante durch den Wald, während der grosse Harst die klassische, etwas leichtere Landeggabfahrt vorzog. Nach langer Schrägfahrt, auf einer durch viele Vorfahrer entstandenen schmalen Piste – den Bodensee im Blickfeld – gelangte man zu einem Waldweg und bog kurz vor der Landegg ab zum Grafenrank. Über eine etwas spärlichere Schneedecke kämpfte man sich mit Spitzkehren die Hänge hinab, die noch nicht durch die Autobahn durchbrochen waren. Von der Thalerstrasse an balancierten einige noch auf den Skimahden entlang der gepfadeten Strassen manchmal bis zum See hinunter.





Leser-Kommentare:
2 Beiträge

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Whitestony (13. Februar 2012, 12:13)
Whitestony

Von ca. 1964 - 1970 habe ich mit meinem Grossvater und meinem Bruder und später mit eimen Freund, Diego, mehrere mals diese fantastische Abfahrt gemacht. Da wir in Staad wohnten, haben wir natürlich nicht die Roschacher oder Goldacher Route genommen sondern sind im Roschacherberg zum Wartensee gefahren und von dort westlich vom Kraienwald bis zum Schloss Riesegg und da runter bis in die Speck. Als wir ca. 12 Jahre alt waren brachte uns Diego's Vater am Mittwoch Nachmittag nach Heiden zum Skilift und von dort haben wir das Postauto zum Scheidweg genommen, machmal haben wir es auch verpasst und sind zu Fuss bis auf den Fünfländerblick hinauf gestiegen. Ein paar Mal sind wir so spät unterwegs gewesen, dass wir mit Taschenlappen bis nach Staad gefahren sind. Für mich unvergessliche Momente und wunderschöne Erlebnisse. Ich kann mich auch an den Brand des Restaurants auf dem Fünfländerblick gut erinnern.

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bide (07. Februar 2012, 13:15)
Das waren noch Zeiten

1960. Ich wohnte im Münzhof Rorschach. Unsere Skitour war tatsächlich die oben Beschriebene. Die Heidenerbahn und dann das Postauto waren geragelt voll Skifahrer und die Abfahrt über den Bärenhäng nach Grub und dann hoch zum weissen Fleck, runter mit den Skier bis vor die Haustüre.
Es ware Winter, wie man sich Winter nur wünschen kann.

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