Tagblatt Online, 02. Mai 2009 01:02:11
An erster Stelle steht der Profit statt der Patient
Margrith Kessler. (Bild: Bild: he)
Wenn Margrith Kessler spricht, kommen die Zuhörer. Zu einer Abstimmungsinformation lud das «Forum 60Plus» der CVP Region Rorschach ein.
RORSCHACH. 23 Männer und Frauen kamen auf Einladung von Präsidentin Felicitas Würth-Zoller ins Kolumbans-Zentrum. Zwei Referate standen zum Thema Volksabstimmung vom 17. Mai über die Zukunft der Komplementärmedizin auf dem Programm. Die Naturheilpraktikerin Beata Winiger ging in ihren Erläuterungen auf die fünf zur Diskussion stehenden Heilverfahren ein und auf die Auswirkungen bei einem Ja.
Mit ihrem Hintergrund als langjährige Pflegefachfrau in der Schulmedizin erläuterte sie kompetent die einzelnen Heilpraktiken, die erneut in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufgenommen werden sollen.
Rechte der Patienten
Margrith Kessler nahm die Gelegenheit wahr, im Kreise der Rentner die Rechte der Patienten aufzulisten.
Zum Beispiel die Einholung einer Zweitmeinung vor einem ärztlichen Eingriff oder die Aufklärung «in verständlicher Sprache» über die gesundheitliche Verfassung oder das weitere Vorgehen im Genesungsprozess. Im Zusammenhang mit der Leistung der Krankenkassen bei der Nutzung der Alternativmedizin machten beide Referentinnen darauf aufmerksam, dass das Fehlen einer Zusatzversicherung ab einem gewissen Alter kaum geändert werden könne. Zu gross seien die Vorbehalte der Kassen bei älteren Menschen.
Im Gespräch waren auch die 25 Mio. Franken, die eine Annahme der Vorlage kosten würden. Dazu sagte die Patientenschützerin, dass wohl die Preisreduktion einiger sehr teurer Medikamente Erleichterung schaffen würde.
Keine grossen Veränderungen
Kessler, seit 10 Jahren Präsidentin der Stiftung SPO Patientenschutz, erklärte auf die Frage, ob sich im Gesundheitssektor in all den Jahren etwas verändert habe oder das Klima rauher geworden sei: «Es hat sich nicht viel verändert, man hat sich zwar zwischenzeitlich darauf geeinigt, über Fehler sprechen zu wollen.
Doch wenn es um Fehler geht, will niemand die Schuld übernehmen und die Versicherungen wollen nicht bezahlen. Das erste Ziel der Versicherungen ist der Profit und nicht die Befriedigung der Bedürfnisse der Patientenschaft.» (he)
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