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Tagblatt Online, 08. April 2011 08:34:00

40 Tage gegen den Konsumdruck

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Kleine Versuchung: Andreas Diethelm (rechts) verzichtet auf Gipfeli, Roman Rieger auf Unterbrechungen. (Bild: Bild: Ann-Marie Schmalz)

SEEREGION. Traditionell wird zwischen Aschermittwoch und Ostern gefastet. Weniger traditionell nehmen es 40 Jugendliche. Sie wollen 40 Tage lang auf ein Laster verzichten – von Facebook über Znünigipfel bis hin zu Unterbrechungen.

Dominik Bärlocher

Sie wollen 40 Tage lang ohne Facebook, Znünigipfel, Zigaretten, Süssigkeiten oder Alkohol auskommen. Das haben sich 40 junge Menschen am Aschermittwoch im Rahmen der Aktion «40 Tage ohne» versprochen. Es sollen Tage sein, in denen sie der modernen Gesellschaft widerstehen.

Vom Druck zur Sucht

«Es gibt in unserer Gesellschaft einen Konsumdruck», sagt Roman Rieger, Pastoralassistent in Rorschach. Mit der modernen Variante des Fastens wollen er und die Teilnehmer versuchen, herauszufinden, was sie im Leben brauchen und was nicht. «Wir entwickeln im Alltag viele, wenn auch kleine Süchte», erklärt er. So käme es dazu, dass die kleinen Laster im Leben in Form einer ausgeprägten Sucht zur Last werden können.

Andreas Diethelm ist einer der Teilnehmer, der verzichtet. «Ich wollte ursprünglich auf das Gipfeli zum Znüni verzichten», sagt der 20jährige Landschaftsgärtner, der sein Bein im Moment in einer Schiene trägt. Obwohl «40 Tage ohne» keinen speziell religiösen oder auf eine Religion gemünzten Hintergrund hat, war es doch eine Kirchenangelegenheit, die ihn zur abgewandelten Form des Fastens gebracht hat. «Vor zwei Jahren besuchte ich den Firmweg und liess mich firmen. Dieses Jahr bin ich Firmleiter», sagt er. Die Teilnahme sei dann eine logische Konsequenz gewesen.

Die Teilnehmer – im ganzen Kanton sind es über 200 – bleiben miteinander in Kontakt. In drei Briefen und einer Report-Karte sprechen sie einander Mut zu und erzählen von ihren Erfahrungen, während sie «ohne» sind.

Unfall verhindert Gipfeli

Für Andreas Diethelm kam aber alles ganz anders. «Ich war mit dem Roller unterwegs, als mir ein Auto den Weg abgeschnitten hat», sagt er. Die Diagnose nach dem Unfall: beide Menisken sind kaputt und das Kreuzband gerissen. Aufs Gipfeli muss er jetzt gezwungenermassen verzichten, da er noch vier weitere Monate lang aufgrund des Arbeitsausfalls keine Znünipause mehr hat – dafür hat er aber, wie er selbst sagt, Glück gehabt: sein Bein ist immer noch dort, wo es hingehört.

Roman Rieger leitet die jungen Erwachsenen nicht nur, der 33-Jährige macht selbst auch gleich mit. «Ich will 40 Tage lang niemandem mehr ins Wort fallen», sagt er. Es gelänge ihm nicht immer, aber die Patzer nehme er bewusst wahr. Zudem hat er einen angenehmen Nebeneffekt bei seiner modernen Fastenaktion festgestellt: «Ich kann mittlerweile wesentlich besser zuhören und auf mein Gegenüber eingehen.»





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