Tagblatt Online, 22. Oktober 2009 01:03:30
22 Meter Ideen für die Stadt der Sinne
Auf der 22 Meter langen Depesche wurden 99 Ideen für die «Stadt der Sinne» festgehalten. (Bild: Bild: Kathrin Rieser)
Studierende der Fachhochschule St. Gallen, Fachbereich Soziale Arbeit, haben zum Abschluss der Reihe «Stadt als Bühne» auf einer Depesche 99 Ideen zur sinnlichen Bereicherung Rorschachs festgehalten. Die bekannten Stadtfiguren wurden auf dem Laufsteg verabschiedet.
rorschach. Alle sind sich einig: Das Projekt «Stadt als Bühne» hat das Bewusstsein der Menschen verändert. Stephan Kuntz, Audiologe, freut sich, wenn die Bahnschranken sich senken. Der Rap «zu Ehren der Bahnschranke», aus einer der vorherigen Aktionen, veränderte seine Sicht: «Wenn ich heute vor einer Bahnschranke stehe, kommen mir sofort die Strophen des Raps in den Sinn.» Jetzt hält er inne und geniesst den Moment.
Skepsis weicht Machbarkeit
Im Kulturlokal Mariaberg diskutierten Experten über die Aktionen, mit denen Selina Ingold und Mark Riklin die Stadt aufgemischt haben. Sind die Ideen des viereinhalbjährigen Projekts umsetzbar? Stadtpräsident Thomas Müller glaubte zu Beginn an einen Jux. Mittlerweile ist er vom Projekt überzeugt. Schlüsselereignis waren für ihn die 100 Liegestühle am Hafen. Dadurch wurde ihm die Ernsthaftigkeit bewusst.
Auch Daniel Fels, Experte für Sozialraumarbeit, spricht von ähnlichen Eindrücken. Er hofft, dass Figuren wie die Bauchpinslerin nicht nur die Bevölkerung mit guter Laune bepinselt, sondern auch hie und da beim Stadtrat vorbeigeht und dort zur Umsetzung von Ideen anregt. Stephan Kuntz schwärmt von Hängematten am Strand und verspricht Rorschach touristischen Mehrwert. Künftig soll Rorschach als «Stadt der Sinne» ausgerufen werden.
99 Ideen dazu haben Studierende auf einer 22 Meter langen Depesche festgehalten und dem Stadtpräsidenten übergeben. Die Rorschacher Bevölkerung wird damit auf neue Angebote sensibilisiert. Stadtmelodien komponieren, Geschichten erfinden oder Feldstecher aufstellen, um Stadtgeheimnisse zu entdecken, lauten zum Beispiel Anregungen.
Laufsteg in der Ankerstrasse
Vor der Diskussion im «Mariaberg» hatten sich die poetischen Stadtfiguren aus dem Projekt von der Stadt Rorschach verabschiedet. Auf dem Laufsteg in der Ankerstrasse wurden Figuren wie Stadtbegrüsserin, Tagträumer, Bauchpinslerin, Handföhnerin und Butler ein letztes Mal bestaunt und beklatscht. Politische Prominenz mischte sich mit Studierenden und Menschen aus der Stadt, was eines der Ziele der Initianten war.
Die Kunstfiguren aus dem Projekt «Stadt als Bühne» sollten demonstrieren, dass reale Figuren aus Rorschach auf der Bühne spielen. In den vergangenen Monaten haben unter anderem der Seepianist und der noch heute aktive Schatzsucher den Alltag in Rorschach belebt.
Glöckner gesucht
Einen weiteren Beweis für Nachhaltigkeit liefert Glöckner Alois Ambauen. Im Rahmen des Pilgerjahres 2010 werden von März bis Oktober Glöckner und Glöcknerinnen gesucht, die täglich um 11 und 18 Uhr die Glocke am Jakobsbrunnen von Hand läuten. Damit wird eine alte Tradition lebendig und gibt der Stadt Rorschach die sinnliche Note. Interessierte sind eingeladen sich bei Alois Ambauen, Tel. 071 844 22 40, zu melden.
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