Tagblatt Online, 02. Juli 2008 13:14:14
«Wir sind keine Laichräuber»
Fischer wehren sich gegen Mutmassungen, wertvollen Laich zu Kaviar zu verarbeiten
Die Berufsfischer Claudio Görtz (l.) und Peter Klingenstein (r.) informierten im Gespräch mit Felicitas Würth-Zoller und Felix Bischofberger über die Kaviar-Gewinnung am Bodensee. (Bild: Bild: Rudolf Käser)
ALTENRHEIN. Kaviar von Bodenseefischen wird ausschliesslich von nicht geschlechtsreifen Rogen (Laich) produziert. Der Auftrag, den Fortbestand von Felchen zu sichern, wird demnach von den hiesigen Fischern erfüllt.
Rudolf Käser
Im am 11. Januar im Tagblatt publizierten Forums-Beitrag («Kaviar von Bodenseefischen») wundert sich die Rorschacherberger CVP-Kantonsrätin Felicitas Würth-Zoller, «dass auf Speisekarten in der Schweiz Kaviar von Bodenseefischen angepriesen wird». Sie bezog sich dabei auch auf einen Tagblatt-Artikel über die geringe Ausbeute beim diesjährigen Laichfischfang von Blaufelchen. Weiter warf Felicitas Würth-Zoller in ihrem Beitrag die Fragen auf, ob mit Fischeiern mehr Geld verdient wird als mit Fischen, und wer diese Fischeier, die offenbar für den Nachwuchs im See benötigt werden, verkaufe?
Falsche Annahmen
Claudio Görtz, Altenrheiner Berufsfischer und Präsident des St. Galler Fischereiverbandes, sah durch die falschen Annahmen im Artikel von Felicitas Würth-Zoller das Image der Bodensee-Fischer gefährdet und lud, zusammen mit Peter Klingenstein, Präsident der Schweizer Berufsfischer Bodensee, die Kantonsrätin und Felix Bischofberger, Präsident der CVP Region Rorschach, zu einem klärenden Gespräch ein.
«Wir sind keine Laichräuber», betonte Claudio Görtz zu Beginn der Aussprache mit Nachdruck. Sein Steinacher Berufskollege Peter Klingenstein wies darauf hin, dass der richtige Kaviar vom Stör bis zu 7000 Franken pro Kilogramm koste. «Unserer ist auch richtiger Kaviar, kostet aber um die 90 Franken pro Kilogramm.» Die Problematik der ungehinderten Kaviargewinnung in Russland sei bekannt, weil dadurch die Gefahr bestehe, dass der Stör aussterbe. «Doch das wirft leider ein falsches Licht auch auf unsere Fischerei», bedauert Klingenstein.
Kurze Gewinnungszeit
Claudio Görtz klärte auf, wann und wie die Gewinnung von Kaviar von den Blaufelchen geschehen darf. «Kaviar wird nur während der erlaubten Fangzeit vom September bis Mitte Oktober gewonnen. Der unreife Rogen (Laich) wird dabei als Nebenprodukt von den Felchen entnommen.» Vom 14. Oktober bis 10. Januar bestehe jedoch Schonzeit, in der keine Felchen gefischt werden dürfen, hielten Görtz und Klingenstein fest. Und hier hakte Görtz ein. «Während dieser Zeit kommen wir dem gesetzlichen Auftrag nach, den Fortbestand der Felchen zu sichern.» Durch den Fischereiaufseher würden während der Schonzeit mehrere Tage bestimmt, bei welchen der Rogen von den weiblichen Felchen abgestreift werden müsse, sagte er. «Der Rogen wird noch auf See mit Samen von reifen Männchen befruchtet und danach in die Fischbrutanstalt nach Rorschach gebracht.»
Klingenstein betonte, dass der Rogen beziehungsweise Kaviar vor Oktober nicht reif sei. Kaviargewinnung in dieser Zeit bedeute somit für die Fortpflanzung der Blaufelchen im Bodensee keine Gefahr.
Gesetzlicher Auftrag
Kantonsrat Felix Bischofberger verwies auf den gesetzlichen Auftrag, den die Berufsfischer für die Fortpflanzung einiger weniger Fischarten erfüllen müssten. «Die wichtigsten unter ihnen sind die Felchen, die im eigentlichen Sinn bewirtschaftet werden. Die Bewirtschaftung selbst obliegt dem Kanton. Mit dem Patentbezug verpflichten sich die Personen, die ein Berufsfischerpatent innehaben, bei der Bewirtschaftung mitzuhelfen. Sie haben am Laichfischfang Ende November teilzunehmen und den dabei gewonnenen Laich zuhanden der vom Kanton betriebenen Brutanlagen abzuliefern», zitiert er aus dem St. Gallischen Gesetz über die Fischerei.
Für Kantonsrätin Felicitas Würth sind die Erklärungen der Fachleute plausibel. «Wenn der Nachwuchs der Felchen mit der Kaviarherstellung aus unreifem Laich nicht gefährdet wird, begrüsse ich den Ideenreichtum der Fischer, die ihre Produkte vermarkten», sagte sie. Sie betrachte die Sache mit diesem klärenden Gespräch als erledigt.
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