Tagblatt Online, 11. September 2008 01:05:38
«Wir freuen uns auf Würth»
Mit intensivem Standortmarketing holen Stadt und Kanton Hunderte Arbeitsplätze an den See
Rorschach. Die Ansiedlung von Teilen des weltweit tätigen Konzerns Würth bringt Rorschach mittelfristig 250 bis 500 Arbeitsplätze und Impulse für weiteren Wiederaufschwung.
Fritz Bichsel
Michel Kern, Chef von Würth International und Würth-Gruppe Schweiz mit Sitz in Chur, schwärmt an der Medienkonferenz im Seerestaurant von der «wunderbaren Lage des Grundstücks direkt am See» und den Verkehrsverbindungen der Region, besonders vom Flugplatz.
Den Bodenpreis treibt er damit nicht in die Höhe. Es steht bereits fest, dass Würth für 21 500 Quadratmeter entlang der Churerstrasse vom Strandbad bis Höhe Bahnhofgebäude 11,5 Mio. Franken zahlt. Davon erhalten die SBB und die Stadt je 5,75 Mio.
Das Seeufer bleibt zugänglich
Als Eigentümerinnen des Areals bis hinaus zum ehemaligen Schlachthof haben sie vereinbart, den ganzen Verkaufserlös hälftig zu teilen – unabhängig davon, was überbaut wird oder grün bleibt. Auch der Teil, den Würth kauft, wird nicht ganz zu Bauland: Der Bereich im gesetzlichen Abstand von durchschnittlich 25 Metern zum See muss grün bleiben. Wie weit diese Fläche öffentlich zugänglich bleibt, wird noch ausgehandelt. Sicher uneingeschränkt zugänglich bleiben ein Streifen am See – im Eigentum der Stadt – und zum Strandbad sowie einer entlang der Strasse für Velofahrer.
Wirtschaftsförderer
Dem Rorschacher Stadtpräsidenten Thomas Müller ist grosse Zufriedenheit anzusehen – und ausnahmsweise auch, dass er besonders strenge Tage hinter sich hat. Es war der Endspurt der Vorarbeiten während eineinhalb Jahren für diese Ansiedlung. Als Resultat nennt er, was auch ohne Worte erkennbar wäre: «Wir freuen uns auf Würth, es ist unser Wunschpartner.» Dass die Stadt dafür das letzte überbaubare Grundstück am See in Rorschach nutze, unterstreiche die Bedeutung. Nebst Erlös von Bodenverkauf und Steuern von neuen Einwohnern dank neuer Arbeitsplätze freut sich Thomas Müller auch auf neue Unternehmenssteuern.
Noch jemand aus der Region war an vorderster Front und intensiv beteiligt: Beat Ulrich aus Goldach, Leiter der Standortpromotion im Amt für Wirtschaft des Kantons, wirkte als Projektleiter, damit als Ansprechperson und Koordinator für alle Fragen, egal welches Amt zuständig ist.
Josef Keller, St. Galler Volkswirtschaftsdirektor, muss nur Tage und Wochen zurückblenden, um diese Ansiedlung in eine Reihe solcher Erfolge im Kanton, auch in der Region am Bodensee zu stellen. Und er rechnet mit weiteren. Denn der Zuzug eines so renommierten Unternehmens wie Würth sei auch ein Imagegewinn für Rorschach und den Kanton.
Bau eines Hotels bleibt Ziel
Würth belegt den ganzen Teil des Areals auf Gemeindegebiet von Rorschach. Die Parkplätze werden vor das Strandbad verlegt, und neu soll die Minigolfanlage auf die Strandbadwiese weichen, dafür die östliche Liegewiese vergrössert werden. Damit wird die dort – in Rorschacherberg – geplante Wohnzone kleiner. Statt 200 Wohnungen und etwas Gewerbe haben nun ein Grossbetrieb und 80 Wohnungen Platz.
Die Idee von Stadtpräsident Müller, nahe des Hauptbahnhofs auch den Bau eines Hotels zu bewirken, lässt sich nicht mehr auf dieser Fläche verwirklichen. Aber er verfolgt sie weiter, hat ein anderes Grundstück der Bahn im Auge und führt Gespräche mit zwei Ketten, die investieren könnten.
ostschweiz/13
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