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Tagblatt Online, 17. Januar 2011 01:02:44

«Wechsel birgt ein hohes Risiko»

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Thomas Müller spielt ab sofort für ein neues Team; er hat gestern den Wechsel von der CVP zur SVP bekanntgegeben. (Bild: Bild: Rudolf Hirtl)

Als früherer «Espen»-Präsident hat Nationalrat und Stadtpräsident Thomas Müller manchen Spielerwechsel erlebt. Nun wechselt er sich selber aus einer erfolgreichen Mannschaft aus; mit erheblichem politischem Risiko, wie er einräumt.

Herr Müller, wann ist Ihr Entscheid, zur SVP zu wechseln, gefallen. Hat er Sie schlaflose Nächte gekostet, oder ist es für Sie eine politisch-sachliche Angelegenheit ohne grosse Emotionen?

Thomas Müller: Am Samstag. Der Entscheid fiel mir nach 40 Jahren Zugehörigkeit zur CVP nicht leicht, insbesondere gegenüber meiner Kreispartei, die mich immer unterstützt hat. Aber ich folge meiner politischen Überzeugung und suchte ein Umfeld, das weiterem Druck vom Ausland nicht nachgibt.

Haben Sie keine Bedenken, Ihre Wähler in der Region Rorschach vor den Kopf zu stossen. Glauben Sie wirklich, dass die Parteizugehörigkeit bei den Wahlen nur eine untergeordnete Rolle spielt; und haben Sie nun als SVP-Politiker eine reelle Chance, als Nationalrat und Stadtpräsident wiedergewählt zu werden?

Müller: Mir ist bewusst, dass der Übertritt mit einem erheblichen Risiko für meine politische Zukunft verbunden ist. Ich zähle aber tatsächlich darauf, dass mich die Wahlberechtigten in erster Linie an meinen Leistungen messen und nicht einzig am Parteibuch.

Sie haben bereits und möchten in der Stadt Rorschach noch viel erreichen und bewegen. Wie lässt sich diese engagierte Arbeit mit dem Wechsel zur Schweizer Verhinderungspartei par excellence vereinbaren?

Müller: Die SVP steht zur Schweiz. Sie hat viele Unternehmer in ihren Reihen wie zum Beispiel Nationalrat Peter Spuhler, der als erfolgreicher Ostschweizer Unternehmer auch in unserer Region viele Arbeitsplätze geschaffen hat.

Wie wird sich der Parteiwechsel im Stadtrat auswirken. Haben Sie die Stadträte vorgängig informiert. Werden Ihre städtischen Visionen nun schwerer oder einfacher umzusetzen sein?

Müller: Ich habe meine Kollegen im Stadtrat am letzten Dienstag informiert, dass der Parteiwechsel möglicherweise bevorsteht. Er wird im Stadtrat Rorschach und bei unseren Projekten für die Stadt nichts ändern.

Wie waren die Reaktionen innerhalb des Stadtrates?

Müller: Mein Entscheid hat für keine grosse Aufregung gesorgt. Die Parteizugehörigkeit spielt denn bei der Arbeit im Stadtrat auch kaum eine Rolle; wir fällen die Entscheidungen im Konsens.

Haben sich Menschen aus der Region Rorschach heute bei Ihnen zu Wort gemeldet?

Müller: Vor allem auch, um meine Familie zu schützen, war ich heute auf den «üblichen» Anschlüssen nicht zu erreichen.

Wird sich Ihre Politik in der Stadt ändern; sich Ihre Gangart gegenüber «Sozialschmarotzern» und den bekannten üblichen «SVP-Verdächtigen» verschärfen; wird Rorschach gar zur SVP-Hochburg?

Müller: Mein Übertritt hat in erster Linie bundespolitische Bedeutung. In Rorschach setze ich mit dem Stadtrat fort, was wir zusammen angestossen haben.

Wie muss man sich den Parteiwechsel praktisch vorstellen; wann und wie wird der Wechsel vollzogen; was wird sich für Sie bei den Sessionen in Bern ändern, beispielsweise bezüglich Sitzordnung, Kommissionen und nicht zuletzt das Zwischenmenschliche mit Ihren nun seit heute ehemaligen Parteikollegen?

Müller: Ich gehöre nun der SVP-Kreispartei Rorschach und damit der SVP Schweiz an. Alles weitere wird sich in den nächsten Tagen und Wochen erweisen.

Sie haben mit dem FC St. Gallen im Jahr 2000 die Schweizer Meisterschaft geholt und konnten damals auf ein eingespieltes und funktionierendes Team bauen. Nun verlassen Sie auf dem politischen Spielfeld jene Mannschaft, die Ihnen in den vergangenen 40 Jahren eine eindrucksvolle politische Karriere ermöglicht hat. Was antworten Sie jenen, die Ihnen nun fehlendes Fairplay vorwerfen?

Müller: Ich habe den Wechsel transparent vor den Wahlen vollzogen, um für alle eine saubere Ausgangslage für den kommenden Herbst zu schaffen.

Ist Ihr Wechsel zur SVP auch Öffnung neuer Zukunftsperspektiven?

Müller: Für mich hat nach wie vor Rorschach oberste Priorität.

Die CVP erwartet spätestens in der Frühlingssession Ihren Rücktritt als Nationalrat?

Müller: Ein Rücktritt kommt überhaupt nicht in Frage; dieses Szenario haben wir im vornherein kategorisch ausgeschlossen. Die Forderung war zu erwarten und haut mich daher nicht vom Sockel.

Wäre ein Wechsel zur gemässigteren BDP eine Alternative gewesen?

Müller: Keinesfalls, die BDP hat weder in der Ostschweiz noch im Kanton St. Gallen politisches Gewicht. Diese Partei wird auch national untergehen, weil sie ähnliche Probleme wie die CVP hat.

CVP-Präsident Christophe Darbellay reagierte sauer, Sie hätten seit über drei Jahren als einziger in der Fraktion die Parteibeiträge nicht bezahlt?

Müller: Es wäre doch etwas viel von mir verlangt, wenn ich diese linke Politik hätte mitfinanzieren sollen. Ich möchte mich aber nicht mehr weiter auf solche Aussagen einlassen und hoffe, dass wir den Wechsel ohne Schlammschlacht über die Bühne bringen.

Welche Botschaft haben Sie an die Menschen in der Region Rorschach nach diesem überraschenden Wechsel des politischen Lagers?

Müller: Thomas Müller bleibt Thomas Müller. Nur setze ich mich ab jetzt innerhalb der SVP für meine Überzeugungen ein.

Interview: Rudolf Hirtl





Leser-Kommentare:
2 Beiträge

Kommentare lesen

Heimweh-Rorschacher (17. Januar 2011, 10:14)
Thomas Müller

Ein charakterloses Handeln der widerlichsten Sorte. Bei Lichte betrachtet muss man festellen, dass solche Leute doch ausgezeichnet zur SVP passen.

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Gwunderi (16. Januar 2011, 22:28)
Frage des Charakters

Charakterlose Typen kann die SVP St. Gallen offensichtlich gut gebrauchen. Bei der CVP ist Müller schon längst überfällig. Soll er doch gehen. Es ist nicht schade um ihn. Nicht einmal die Beiträge in die Parteikasse soll er bezahlt haben. Dass er nun noch auf Sitzklau macht unterstreicht nur seinen miesen Charakter.

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