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Tagblatt Online, 23. Oktober 2008 01:05:38

«Stammtisch-Gepolter»: Hier braut sich was zusammen

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Die Studierenden Alex Kalb (links) und Aron Herz im Gespräch mit Kornhausbräu-Wirt Andreas Müller.

RORSCHACH. Im Kornhausbräu steht das Bierbrauen im Zentrum. Braumeister Andreas Müller will den Gästen ein Erlebnis für die Sinne bieten. Und das gelingt ihm auch, wie die Recherchen von Studierenden der FHS zeigen.

Der spezielle Geruch ereilt den durstigen Gast bereits im Vorraum zum Lokal. Drinnen fällt der Blick frei auf die riesigen, kupferfarbenen Sudpfannen, die sich unmittelbar hinter dem langen Tresen befinden. Man hört, dass irgendwo gearbeitet wird. Nase, Augen und Ohren werden umgehend aktiviert. Es ist eine Brauerei, und Studierende vom Fachbereich Soziale Arbeit mittendrin. Das sei auch die Idee, sagt der aus Bern stammende Braumeister Andreas Müller, der sein Lokal als «Erlebnisbrauerei» bezeichnet. Der kneipenübliche Lärm von Gesprächen, Lachen und Gläserklirren fehlt leider noch.

Die Studierenden befinden sich auf einer Mission. Im Rahmen eines Medienseminars an der FHS St. Gallen, Hochschule für Angewandte Wissenschaften, wurden sie von den Dozenten Selina Ingold und Mark Riklin losgeschickt, um herauszufinden, was die Menschen in den Kneipen Rorschachs bewegt – um Antworten auf die 101 Fragen zu finden, die seit Wochen in verschiedenen Beizen hängen.

Auch «Promis» stossen hier an

Das Publikum sei sehr durchmischt, erzählt Andreas Müller, Wirt und leidenschaftlicher Bierbrauer. Es gebe Gäste, die nur für das Feierabendbier kämen. Andere würden sich an der Braukunst und der Biervielfalt erfreuen, und wieder andere seien hier, um Leute zu treffen. Das Kornhausbräu habe sich zu einem Treffpunkt gemausert. Andreas Müller bestätigt das Gerücht, wonach gelegentlich auch die «Prominenz» von Rorschach hier anstosse. «Die können aber schon morgen ein anderes Lokal interessant finden», fügt er lachend an. Ihm sei wichtig, dass die Gäste gesellig seien und miteinander ins Gespräch kämen.

Wo ist der See?

Aus diesem Grund sei die Bar mit ganz wenigen Barhockern ausgestattet und die Einrichtung eher schlicht gehalten worden. Es gibt auch keinen Stammtisch. Dies fördere den Kontakt unter den Gästen, ist Andreas Müller überzeugt. Er bemerkt, dass die Menschen hier seien, um sich wohl zu fühlen. Es werde selten heftig über ein politisches Thema diskutiert. Nach Andreas Müller finde man im Kornhausbräu die klassischen «Stammtischpolterer» nicht. Die Stadt Rorschach sei unter den Gästen aber dennoch Thema. Die Wartezeit an der Barriere, die geplanten Bauten auf dem Alcan-Gelände oder auch politische Wahlen scheinen nach Andreas Müller die Leute in Rorschach zu bewegen. Er bemerkt, dass der See in den Gesprächen kaum ein Thema sei. «Man würde gar nicht denken, dass Rorschach am See liegt», so Müller.

Es riecht nach Aufbruch

Auf die Frage, wohin sich Rorschach entwickle, sagt der 48jährige Braumeister, dass Rorschach den Tiefpunkt erreicht habe und es fortan wieder nach oben gehe. Die Kultur und die Industrie hielten Einzug. Zeichen dafür seien das Mariaberg und die Firma Würth. Es gebe aber noch genug zu tun, so Andreas Müller, und er nennt das Kornhaus als Beispiel. Dieses sei ein schönes, repräsentatives Gebäude und stehe bis dato einfach leer. Andreas Müller macht sich wieder daran, Bier zu brauen, und die Studierenden verlassen das Kornhausbräu mit der Gewissheit: In Rorschach sind Hopfen und Malz nicht verloren. Es braut sich was zusammen. Es riecht nach Aufbruch.

Der Artikel wurde im Rahmen des Medienseminars der FHS St. Gallen, Hochschule für Angewandte Wissenschaften, zum Thema «Stammtisch-Gepolter» geschrieben. Die Autoren sind Aron Herz, St. Gallen (Text), 28 Jahre alt, studiert Soziale Arbeit im 4. Semester; Alex Kalb, St. Gallen (Interview), 28, im 5. Semester, und Michael Weyrich, Lengwil (Fotos), 23, im 4. Semester.




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