Taxibetrieb im Clinch mit der Stadt

ARBON ⋅ Das Geschäft ist hart. Der Futterneid strapaziert die Nerven. Die Stadt begünstige ein Unternehmen mit dem Auftrag für subventionierte Fahrten, klagt René Koch. Er hat jetzt erneut das Nachsehen und ist verbittert.
12. Oktober 2017, 06:48
Max Eichenberger

Max Eichenberger

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Da ist einer gar nicht gut auf die Stadt Arbon zu sprechen. Auslöser für den Ärger von René Koch: der Taxiunternehmer fühlt sich ungerecht behandelt und ausgegrenzt. Er hätte gerne mitkonkurriert bei der Vergabe des von der Stadt subventionierten Rufsammeltaxi-Auftrags. Doch: Eine Ausschreibung habe nicht stattgefunden. Bei der Erneuerung des Vertrags habe die Stadt stattdessen blind den Vertrag mit dem bisherigen Auftragnehmer bis Ende 2018 verlängert. Dies, obschon die Arboner Taxi GmbH damals «lediglich einen Fahrer auf der Lohnliste gehabt und ein Fremdfahrzeug eingesetzt hatte.» So sei es gar nicht möglich, einen 24-Stunden-Betrieb zu gewährleisten. Zudem sei Kundschaft mit dem Taxi einer anderen Firma gefahren worden.

Am Anfang stand eine gute Idee: das Fünflibertaxi

Dieses Vorgehen widerspreche nicht nur dem Wettbewerbsrecht, sondern auch den Subventionierungsgrundsätzen. Die Stadt dulde das wissentlich oder unwissentlich. Das Fünflibertaxi, das am Wochenende Fahrten vom Bahnhof zur Wohnadresse oder umgekehrt ausführt, gibt es seit 2009. Im Dezember 2016 hat die Stadt mit der Arboner Taxi GmbH den Auftrag verlängert; sie «erbte» den Auftrag vom Taxiunternehmen Künzler, das zwischenzeitlich den Betrieb eingestellt hat. Das Modell: Der Fahrgast bezahlt einen fixen Betrag von fünf Franken. Den Differenzbetrag entrichtet die Stadt dann auf der Basis der Abrechnungen an das Taxiunternehmen. Die Arboner Taxi GmbH hat ihren privilegierten Standplatz beim Bahnhof. Mit den SBB besteht ein entsprechender Vertrag. Die anderen Taxibetreiber können ihre Taxis gegenüber auf einer ehemaligen Busspur bereitstellen. «Wenn dann Leute von der Bahn kommen, das Fünflibertaxi aber nicht zur Verfügung steht, weil es anderswohin unterwegs ist, und dann zu mir kommen, kann ich sie nicht für fünf Franken nach Frasnacht fahren.» Das verstehe niemand – und könne auch nicht Sinn der Sache sein, meint Koch.

Balg sieht weder Gesprächs- noch Handlungsbedarf

Er, so Koch, habe daher schon vor längerer Zeit gegenüber der Stadt angeregt, eine Art Taxi-Pool zu bilden, damit alle Taxibetriebe diese subventionierten Fahrten anbieten können – auf einer partnerschaftlichen Ebene, wo mit gleichen Ellen gemessen wird. So sei auch gewährleistet, was im Interesse aller wäre: dass immer ein Fünflibertaxi verfügbar ist.

Separate Abrechnungen zu machen statt mit einem Partner, könne die Stadt sicher nicht überfordern. Da müssten aber wohl auch die Player der Branche selber über ihren Schatten springen, in der Futterneid herrscht und man sich alles andere als grün ist.

Die Stadt ihrerseits solle Hand bieten, auf Konzeptvorschläge zumindest einzutreten. «Stadtpräsident Andreas Balg signalisiert bisher nur, er sehe weder Gesprächs- noch Handlungsbedarf», empfindet Koch dies als Affront. «Da geht nichts über den Tisch des Stadtrates. Der Stadtpräsident übergibt das Konzept einfach dem Abfallkübel.» Er sei halt ein schwieriger Typ, äusserte sich der ferienabwesende Andreas Balg seinerseits kürzlich im TVO über Koch.

Für René Koch ist klar: die wettbewerbsverzerrende Subventionierung bei beschränkten Kapazitäten des begünstigten Anbieters müsse aufhören, plädiert er für eine kundenfreundliche Neuordnung des Taxiwesens in Arbon – wie dies andere Gemeinden wie Romanshorn in einem Taxireglement auch zustande gebracht hätten.

Warum nicht ein Taxistand beim neuen Bushof Hamel?

Dazu gehöre ein Taxistand, der diesen Namen verdiene und der Bevölkerung einen Service biete. «Prädestiniert dafür wäre der gross dimensionierte Bushof beim Hamel. Dort macht er nicht nur Sinn, sondern hätte es auch ausreichend Platz», findet Koch, und zeigt auf die grosse freie Asphaltfläche.

«Den Deckel gelupft» hat es René Koch, als die Stadt Arbon kürzlich einen ebenfalls subventionierten Taxidienst anstelle der weggefallenen Postautoverbindung in die Altstadt der Arboner Taxi GmbH zugeschanzt hatte – «ohne dass auch dieser Auftrag ausgeschrieben worden ist».


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