Raiffeisen: Rote Köpfe trotz schwarzer Zahlen

WACHSTUM ⋅ Das Rekordergebnis der Raiffeisenbank Goldach löst bei der Führungsriege strahlende Gesicher aus; nachdenklich werden sie beim Thema Pierin Vincenz. Gefeiert wird an der GV dennoch, bis die Festbänke beben.
09. April 2018, 09:09
Rudolf Hirtl

Rudolf Hirtl

rudolf.hirtl@tagblatt.ch

Als am Freitag um 19.25 Uhr die Fäaschtbänkler die Bühne stürmen und fünf Minuten lang ordentlich Gas geben, wippt nur Moderatorin Claudia Marty vergnügt mit der Musik mit. Die Genossenschafter in der voll besetzten Wartegghalle in Goldach wirken nachdenklich, teilweise beinahe konsterniert. Gut möglich, dass die Worte von Beat Ulrich noch nachwirken. Der Präsident des Verwaltungsrates widmet sich nämlich gleich zu Beginn seiner Ausführungen den eher unrühmlichen Gegebenheiten um Raiffeisen Schweiz. «Die Entwicklungen insbesondere um die Person Pierin Vincenz haben uns betroffen gemacht. Diese sind ganz bestimmt nicht im Sinne des Raiffeisen- und Genossenschaftsgedanken. Unabhängig davon, ob es dann wirklich zu einem Schuldspruch kommen wird, sind sie sehr bedauerlich. Das hätte nicht passieren dürfen und es verlangt von uns allen, die entsprechenden Lehren daraus zu ziehen.»

Imagemässig sei der Schaden beträchtlich und es brauche seriöse Arbeit, um dies wieder aufzufangen. Umso dankbarer sei er dass die Genossenschafter der Raiffeisenbank Goldach offensichtlich zwischen diesen Vorfällen und den lokalen Banken unterscheiden könnten. «So spüren wir dies jedenfalls in vielen Gesprächen. Darüber bin ich nicht zuletzt auch für all unsere Mitarbeitenden froh, die ihre Aufgabe für die Raiffeisenbank Goldach täglich mit grossem Einsatz und gewissenhaft wahrnehmen», so Ulrich.

Kundengelder wachsen auf 488 Millionen Franken

Die Mienen auf der Bühne werden bei der Präsentation der Kennzahlen für 2017 wieder sichtbar entspannter. Ernst Locher kann ein absolutes Rekordergebnis präsentieren. Die Kundengelder sind um 4 Prozent auf 488 Millionen Franken gewachsen, Ausleihungen um 6,7 Prozent auf 475 Millionen Franken und das Depotvolumen erhöhte sich auf 89 Millionen Franken. «Mit einer Bilanzsumme von 542 Millionen Franken gehören wir zu den mittelgrossen Raiffeisenbanken im Gruppenvergleich, bei der Eigenkapitaldeckung (44 Mio.) sind wir bei den besten», so der Vorsitzender der Bankleitung. Wenig erstaunlich also, dass Bilanz und Erfolgrechnung in Goldach, ebenso wie in Untereggen und Tübach, wohin die GV per Satellit übertragen wird, einstimmig genehmigt werden. Vom Gewinn über 600754 Franken gehen 531839 Franken in die gesetzliche Reserve, der Rest wird verwendet, um die Genossenschaftsanteile mit sechs Prozent zu verzinsen. Grosszügig zeigt sich die Raiffeisenbank Goldach nicht nur gegenüber ihren Mitgliedern, auch Vereine und gemeinnützige Vereine werden unterstützt. Diesmal Walter Gnädingers Zahnklinik in Tansania, «Hilfe für Kinder in Ghana» von Walter Riklin und Solidar Andhra von Sepp und Hedy Aeberhard. An der GV in Goldach fehlt es auch nie an Unterhaltung, Festlaune und Wettbewerben. Glückspilze konnten sich diesmal unter anderem mit zwei der drei Sennen aus der Appenzellerkäse-Werbung auf dem legendären Holzbänkli fotografieren lassen.


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