Region rüstet sich für Elektroautos

MOBILITÄT ⋅ Elektroautos werden auch in der Region Rorschach immer beliebter. Ein dichtes Netz an E-Tankstellen soll dafür sorgen, dass Durchreisende und Touristen nicht auf der Strecke bleiben.
07. Februar 2018, 05:18
Ramona Riedener

Ramona Riedener

ramona.riedener@tagblatt.ch

In der Bodensee-Region schiessen öffentliche E-Tankstellen wie Pilze aus dem Boden. In der Ostschweiz reagiert man auf den Trend der Elektromobilität.

Diesen gab es vor über 100 Jahren schon einmal: Die ersten Autos waren Ende 19. Jahrhundert mit einem Elektromotor ausgestattet. Doch dann stellte der Deutsche Carl Benz seinen Patent-Motorwagen Nummer 1 vor. Dieser galt als erstes praxistaugliches Auto der Welt – und lief mit Kraftstoff. Das war die Geburtsstunde der modernen Mobilität. Der elektrische Anlasser für den Benzinmotor verdrängte 1911 die Elektrofahrzeuge endgültig von den Strassen. Ein Trend, der sich trotz Ölkrisen und Umweltbelastung über ein Jahrhundert lang gehalten hat. Die Renaissance erlebte das Elektromobil erst anfangs dieses Jahrhunderts. Doch die Automobilhersteller taten sich schwer, strassentaugliche, attraktive und finanzierbare Fahrzeuge auf den Markt zu bringen. Der Umwelt zuliebe auf den Fahrspass mit komfortablen, rassigen und zuverlässigen Autos verzichten? Keine Option für die traditionellen Autofahrer.

E-Mobilität im Aufschwung

Jetzt aber scheint die Zeit der Kraftstofffahrzeuge langsam abzulaufen. Nach vielen Anläufen und Rückschlägen ist der grosse Durchbruch der E-Mobilität geschafft. Ein zukunftsweisender Schritt dazu dürfte sicher auch mit der Entwicklung der Tesla Modellen gelungen sein. Seit es möglich ist, Fahrspass, Komfort und Design mit umweltfreundlichen Modellen zu kombinieren, ist die Lust auf E-Mobilität rasant gesteigen.

Parallel dazu wachst die Zahl der Aufladestationen für die Elektroautos. Zwar hat jeder E-Autobesitzer zu Hause eine eigene Aufladeanlage, doch mit öffentlichen E-Tankstellen will man der Gefahr vorbeugen, dass unterwegs der Strom ausgeht. Aufladestationen braucht es für Durchreisende und Touristen. Kürzlich hat in Uzwil die 46. Ostschweizer Ladestation eröffnet. Geplant ist, das Schweizer Netz auf 1600 E-Tankstellen auszubauen, davon sollen 230 in der Ostschweiz stationiert sein.

Auch Goldach ist seit kurzem kein weisser Fleck mehr auf der Karte der Elektro-Ladestationen. Die Technischen Betriebe haben an zentralen Standorten zwei E-Tankstellen in Betrieb genommen. Sie arbeiten mit dem Elektromobilitätsprovider Ost-mobil zusammen, welcher von den St. Galler Stadtwerken initiiert wurde (s. Kasten) und in das internationale Ladenetz Easy4you integriert ist. Kunden können sich online registrieren und danach bargeldlos über ihr Prepaid-Kundenkonto bezahlen. «Der Andrang auf die E-Tankstellen ist noch nicht besonders gross. Doch es kommen immer mehr », sagt Thomas Dudler von den Technischen Betrieben Goldach. Das Angebot richte sich aber vor allem an die Auswärtigen, die Einheimischen würden ja über Nacht zu Hause aufladen.

Neue Technologie macht Schnellladen möglich

Der Gästenachfrage folgend, hat es beim Best Western Hotel Rebstock in Rorschacherberg seit einem halben Jahr eine E-Tankstelle. Während das Hotel den Parkplatz zur Verfügung stellt, tragen die St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerken die Kosten für Installation und Unterhalt der Anlage. Die Stromrechnung läuft über einen externen Provider. «Noch sind es nicht viele, die bei uns aufladen. Vielleicht durchschnittlich zwei, drei Hotel- oder Restaurantgäste pro Woche», sagt Mark Schläpfer, der das Hotel, welches in Familienbesitz ist, führt. «Ich bin aber überzeugt, dass die Attraktivität der Elektroautos sprunghaft ansteigen wird. Als Hotel wollen wir dem Trend einen Schritt voraus sein.»

Während in Rorschach öffentliche E-Tankstellen noch in Planung sind, wurde in Mörschwil kürzlich beim Gemeindehaus eine Schnellladestation eröffnet. In nur einer halben Stunde sollte damit das Auto wieder fahrtüchtig sein für eine Strecke von bis zu 400 Kilometern.


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