Kosten für Seniorenzentrum La Vita explodieren

GOLDACH ⋅ Vom Architekten nicht kommunizierte Mehrkosten führen laut Gemeinderat Goldach zu einer Kostenüberschreitung von 2,6 Millionen Franken. Die Behörden haben nun einen Anwalt eingeschaltet.
03. Oktober 2017, 05:17
Rudolf Hirtl

Rudolf Hirtl

rudolf.hirtl@tagblatt.ch

Im Dezember 2016 informierte der Goldacher Gemeinderat darüber, dass beim La Vita Seniorenzentrum mit Mehrkosten von 1,9 Millionen Franken – gesamt 17,84 Millionen – zu rechnen ist. Im März dieses Jahres zeigte sich, dass die Kostenprognose des Architekten nicht stimmt und von weiteren Mehraufwendungen bzw. Kostenüberschreitungen in noch nicht abschliessend bekannter Höhe auszugehen sei.

Gemeindepräsident Dominik Gemperli betonte damals, dass es unklar sei, wie die fehlerhaften Kostenprognosen und die daraus folgenden Kreditüberschreitungen zu Stande kommen konnten. Aus diesem Grund und um die Bevölkerung transparent zu informieren, habe der Gemeinderat eine externe Revisionsgesellschaft beigezogen, um die Vorgänge rund um das Controlling der Kosten und Abrechnungen aufzuarbeiten. Dies auch in Absprache mit dem betroffenen Architekturbüro.

Beinahe 3 Millionen Franken teurer als budgetiert

Die Gesamtkosten, die der Architekt gegenüber der Baukommission und dem Gemeinderat kommunizierte, belaufen sich laut Mitteilung der Gemeinde auf 16,716 Millionen Franken, was einer Kostenüberschreitung um 766 000 oder 4,8 Prozent gegenüber dem bewilligten Kostenvoranschlag entsprochen hätte. Darin enthalten seien die unvorhersehbaren Ausgaben für die Küche und die Telefonie im Umfang von 255 000, die der Gemeinderat ohne Kredit hätte bewilligen dürfen. Die Kompetenzen wären damit eingehalten gewesen.

Gemäss des von der KPMG AG nun vorgelegten Berichts dürften die Baumehrkosten aber empfindlich höher ausfallen Das St. Galler Wirtschaftsprüfungsunternehmen eruierte zum Zeitpunkt seiner Berichterstattung nämlich zusätzliche unbekannte bzw. vom Architekten nicht kommunizierte Mehrkosten in der Höhe von 1,862 Millionen Franken, womit eine Kostenüberschreitung um 2,6 Million Franken resultieren würde.

Die KPMG AG listet einen ganzen Katalog für diese Kostenexplosion auf. «Der Architekt kommunizierte die Mehrkosten unvollständig; es fehlt die Transparenz und Nachvollziehbarkeit über die Gesamtheit der Mehrkosten und deren Ursachen; es fielen Mehrkosten an, weil einerseits wohl die Auswirkungen des Bauens unter Betrieb unterschätzt wurden und andererseits die Ausschreibungen des Architekten wahrscheinlich unvollständig waren, was zu Nachträgen und Regiearbeiten führte» heisst es da unter anderem in Richtung des Planers.

Baukostenabrechnung noch nicht erhalten

Aber auch die Gemeinde selbst, bzw die Baukommission kommt nicht ungeschoren davon: «Die Auflösung der Baukostenreserven erfolgte zwar auf Empfehlung des Architekten, wurde aber nicht kritisch genug hinterfragt; die Protokollierung der Baukommissionssitzungen war teilweise zu wenig detailliert, was die Nachvollziehbarkeit erschwert; die Baukommission La Vita hat sich zwar zum Ziel gesetzt, den Kostenvoranschlag einzuhalten, jedoch keine Massnahmen definiert, die das Erreichen dieses Ziels sicherstellen.» Insbesondere Letzteres war laut Dominik Gemperli kaum möglich. «Die Baukommission hat von den Mehrkosten erst im Nach­hin­ein erfahren. Nötige Nachtragskredite konnten so erst gar nicht aufgegleist werden.» Es sei sehr bedauerlich, dass die Gemeinde nun in der unangenehmen Situation sei, Bauten ohne Kreditbeschluss für Mehrkosten realisiert zu haben. Positiv sei einzig, dass die Selbstfinanzierung des La Vita trotz höherer Gesamtaufwendungen möglich sei.

Trotz mehrfachen Versprechen habe das beauftragte Architekturbüro die Baukostenabrechnung noch immer nicht eingereicht. Am 31. August sei die letzte von der Gemeinde angemahnte Frist unbenutzt verstrichen. Das Architekturbüro mache auch keine detaillierten ­Prognosen mehr über die vor­aussichtlichen Kosten. Angesichts der Dimension der Kostenüberschreitung habe der Gemeinderat beschlossen, sich anwaltlich vertreten zu lassen. Der Gemeinderat strebe aber weiter eine aussergerichtliche gütliche Einigung an.

Architekt Willi Faisst, St. Margrethen, ist auch nicht erpicht darauf, nun nur noch über Anwälte zu kommunizieren. «Zwei Unternehmen haben mir ihre Abrechnungen noch nicht geliefert. Ich erwarte diese bis Ende Oktober. Dann erhält die Gemeinde auch eine detaillierte und saubere Aufstellung.» Dann werde man auch sehen, wer was verursacht habe. Faisst ist überzeugt davon, dass er dann «sauber dasteht» und er sich innerhalb der zulässigen zehn Prozent bewegt.


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