Klick statt Kreuzchen

PILOTPROJEKT ⋅ Goldacher können ihre Stimme für diesen Abstimmungssonntag erstmals elektronisch abgeben. Der Gemeindepräsident ist vom E-Voting überzeugt. Dieses entlaste das Stimmbüro und spare künftig Kosten.
20. September 2017, 07:05
Linda Müntener

Linda Müntener

linda.muentener@tagblatt.ch

Für einmal haben die Goldacherinnen und Goldacher etwas dickere Abstimmungspost erhalten als üblich. Im Couvert für den 24. September steckt ein zusätzliches Blatt mit personalisierten Zugangsdaten für das E-Voting. Die Stimmberechtigten können ihre Kreuzchen für den kommenden Abstimmungssonntag erstmals digital machen. Als eine von vier Gemeinden nimmt Goldach am E-Voting-Projekt des Kantons St. Gallen teil.

In der Seegemeinde stimmen 97 Prozent brieflich ab, drei Prozent gehen an die Urne. Mit dem E-Voting kommt ein dritter Kanal hinzu. Die digitale Urne ist noch bis Samstagmittag geöffnet. Bis Redaktionsschluss haben bereits mehr als 500 Goldacher ihre Stimme elektronisch abgegeben. Zum Vergleich: Im Durchschnitt stimmen lediglich 2200 der 5750 Stimmberechtigten überhaupt ab. Mit dem neuen System könnte sich das ändern. «Wir erhoffen uns auf der einen Seite natürlich eine höhere Stimmbeteiligung», sagt Goldachs Gemeindepräsident Dominik Gemperli. Im Vordergrund stehe aber der Nutzen für den Bürger. In der heutigen digitalen Gesellschaft spiele sich vieles bereits elektronisch ab. Dem wolle man Rechnung tragen. «Die digitale Stimmabgabe ist einfach und schnell.»

Weniger Arbeit für die Stimmenzähler

Das E-Voting erspart nicht nur den Gang zur Post oder zum Rathaus. Es entlastet auch das Stimmbüro. Elektronische Stimmen müssen nicht manuell gezählt werden. «Für den kommenden Abstimmungssonntag haben wir vorerst dennoch gleich viele Stimmenzähler aufgeboten wie sonst auch», sagt Gemperli. Setzt sich das E-Voting durch, sei es aber gut möglich, dass künftig weniger Stimmenzähler gebraucht werden. Auch die Arbeitsabläufe des Stimmbüros werden sich verändern. So fallen neue Aufgaben an, wie etwa das Scannen der Stimmausweise.

Mit dem Pilotprojekt fallen für die Gemeinde Goldach keine zusätzlichen Kosten an. Der Bund hat im Vorfeld die Sicherheitsarchitektur des Systems, die Koordination und die Weiterentwicklung des Projekts übernommen. Für die Kosten der Einführung auf Gemeindeebene kommt der Kanton auf. Dazu gehört unter anderem der Einkauf der benötigten Scanner.

Bei der Datenübermittlung kommen modernste Verschlüsselungstechnologien zum Einsatz. Nach der Abgabe an die digitale Urne werden die Stimmen «gemischt». Den Behörden ist es nicht möglich, die Abgabe zurückzuverfolgen. Das Stimmgeheimnis bleibe damit gewahrt, teilt der Kanton mit. Wer elektronisch stimmt, darf seine Stimme – selbstverständlich – nicht zusätzlich brieflich oder an der Urne abgeben. Stimmausweise, die physisch eingehen, werden deshalb einzeln gescannt. Das Programm zeigt an, wenn bereits eine elektronische Stimme eingegangen ist. Die briefliche Stimme würde dann ausgeschieden.

Neben Goldach nehmen Kirchberg, Vilters-Wangs und Rapperswil-Jona am Pilotprojekt teil. Läuft dieses erfolgreich, will der Kanton ab 2019 allen rund 322996 Stimmberechtigten die Möglichkeit bieten, elektronisch abzustimmen und zu wählen. Dazu soll das Gesetz angepasst werden. Die Stimmabgabe an der Urne und das briefliche Stimmen bleiben erhalten.


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