Visionen in Untereggen: Kirche hat Parkplatz im Auge

UMNUTZUNG ⋅ Die Katholische Kirche Region Rorschach plant langfristig eine Umnutzung des Kirchenparkplatzes in Untereggen. Gemeindepräsident Norbert Rüttimann bestätigt erste Gespräche in diese Richtung.
17. April 2018, 08:48
D. Huber-Mühleis / R. Hirtl
Der Hinweis auf eine Umnutzung des Kirchenparkplatzes in Untereggen, der im Geschäftsbericht 2017 der Katholischen Kirchgemeinde Region Rorschach (KKRR) publiziert wurde, bietet Raum für Spekulationen.

Nachdem auch Untereggens Gemeindepräsident Norbert Rüttimann an der Bürgerversammlung das Thema aufgegriffen hat, stehen einige offene Fragen im Raum. Seit die Fusion der Kirchgemeinden Untereggen, Goldach und Rorschach 2016 vollzogen wurde, werden Entscheide von der vereinigten Kirchgemeinde getroffen.
 

Ausser Ideenskizzen noch nichts Handfestes

Stefan Meier, Präsident des Kirchenverwaltungsrats, bestätigt die Umnutzungspläne und verweist auf den konstruktiven Dialog mit Vertretern des Gemeinderats. Bei diesen Gesprächen sei man auch zum Schluss gekommen, die Pläne bis zum Abschluss der Ortsplanrevision der Gemeinde auf Eis zu legen. «Wir werden erst wissen, was baulich überhaupt möglich ist, wenn die Dorfplanung abgeschlossen ist.» Meier räumt zwar ein, dass im Budget 2017 der KKRR 50000 Franken für einen Studienauftrag ausgewiesen wurden, doch sei dieser bisher nicht in Auftrag gegeben worden. Ausser ein paar Ideenskizzen gebe es noch nichts Handfestes. Sobald Ergebnisse vorliegen würden, werde der Rat informieren.

Auch Gemeindepräsident Norbert Rüttimann betont, dass vieles von der Revision der Ortsplanung abhänge. «Der Zeitpunkt, um über die Ideen der Kirche zu reden ist aber sicher nicht schlecht, zumal der eine oder andere Punkt so in die Ortsplanung mit einfliessen kann.» Wichtig sei ein offener Dialog zwischen Katholischer Kirche und Gemeinde. Und dieser sei durch die Gespräche mit Stefan Meier gegeben. Einer eventuellen Umnutzung des Parkplatzes stehe er offen gegenüber. Sollte aber die nahe Schule räumlich erweitert werden, so könne er sich dort beispielsweise Alterswohnungen aufgrund des Lärmpegels nur schwer vorstellen.

Dienstbarkeitsvertrag bis Ende 2020

«Es besteht mit der Katholischen Kirchgemeinde Region Rorschach ein Personaldienstbarkeitsvertrag ‹Benützungsrecht an Teilfläche für öffentlichen Parkplatz›. Dieser ist ein Jahr im Voraus kündbar, erstmals auf den 31. Dezember 2020», sagt Norbert Näf, Gemeindeschreiber von Untereggen. Das Grundstück mit dem Parkplatz Kirchenacker befinde sich in der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen. Ob eine Überbauung zulässig wäre, hänge davon ab, ob ein Gebäude als «öffentliche Baute» genutzt würde. Dies, wie auch die Zufahrtstrasse für den Mehrverkehr zum geplanten Gebäudekomplex, wäre bei einem konkreten Baugesuch zu prüfen. «Wenn für eine solche Überbauung eine Änderung des Rahmennutzungsplanes erforderlich ist, untersteht diese dem fakultativen Referendum und benötigt eine Genehmigung des kantonalen Baudepartements», sagt Näf.

Das Grundstück liegt in der Ortsbildschutzzone Vorderhof, womit die Vorschriften im Baureglement einzuhalten wären. Die Ortsbildschutzgebiete sind gemäss Reglement in ihrer schutzwürdigen Substanz und in ihrem Erscheinungsbild zu erhalten. Bauten und Anlagen haben sich an den für den Schutzgegenstand wesentlichen Merkmalen der bestehenden Überbauung zu orientieren. Sie dürfen das geschützte Ortsbild nicht beeinträchtigen und müssen sich derart einfügen, dass eine gute Gesamtwirkung erzielt wird.

Laut Näf ist am östlichen und nordöstlichen Rand des Grundstücks in der Schutzverordnung ein «Landschaftsschutzobjekt Aussichtslage» bestimmt. Gemäss der Schutzverordnung seien Aussichtslagen hinsichtlich ihrer Sichtbeziehung für die Naherholung aus landschaftsästhetischen Aspekten von Bedeutung und deshalb zu erhalten.
 

Der Parkplatz soll zugänglich bleiben

Mit den Plänen einer Umnutzung können sich nicht alle anfreunden. «Ich bin der Meinung, dass sich die Kirche um die seelsorgerischen Aufgaben kümmern sollte, anstatt Liegenschaften zu bauen. Zudem wäre es in meinen Augen eine Katastrophe, an dieser Stelle etwa einen Wohnblock zu erstellen. Mieter könnten sich zudem am Kinderlärm des Schulhauses oder am Kirchenglockengeläut stören», sagt Niklaus Lehner, ehemaliger Kirchen- und GPK-Präsident von Untereggen.Die ehemalige Kirchenverwaltungsratspräsidentin (2000 bis 2008) und jetzige Kollegienrätin Greta Müller-Hutter ist der Ansicht, dass nicht nur Kirchgänger, Schule und Vereine auf den Parkplatz angewiesen sind, sondern dass er auch ein kultureller und gesellschaftlicher Treffpunkt ist, etwa für Gemeindeanlässe wie 1. Augustfeier oder Neujahrsapéro. «Mir war die Meinung der Stimmbürger immer ein grosses Anliegen. Der Parkplatz mit der traumhaften Aussicht soll allen zugänglich sein.»


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