Glanzleistung unter Wasser

BRASSBAND ⋅ Die Abendunterhaltung der Bürgermusik Untereggen überzeugte auf hohem musikalischen Niveau. Eine lockere Geschichte brachte das Publikum zum Lachen. Star des Abends war der langersehnte Nachwuchs.
02. Oktober 2017, 05:18
Jolanda Riedener

Jolanda Riedener

jolanda.riedener@tagblatt.ch

Die Bühne gehörte zu Beginn dem Nachwuchs: Fünf Tambouren zeigten stolz ihr Können und eröffneten die Abendunterhaltung der Bürgermusik Untereggen (BMU). Auch war es der Nachwuchs, der in die Geschichte einführte, mit der die BMU durch den Unterhaltungsabend «Land unter» führte. Der Bau einer Staumauer beschäftigte die Unteregger: Um Strom zu produzieren, überschwemmten sie das St. Galler Rheintal – so die Geschichte. Das Rheintal sollte umgesiedelt werden, ein widerspenstiges Dorf widersetzte sich hingegen. Stattdessen trafen die Rheintaler Vorbereitungen, um unter Wasser zu leben. «Es dauerte nicht lange und den Rheintalern sind Kiemen und Flossen gewachsen», so die Erzählstimme, die durch den Abend führte.

Die Mischung aus Story und musikalischer Leistung machte den Abend fürs Publikum besonders unterhaltsam. Die Brassband baute etwa beim Song «Crimson Tide» (zum gleichnamigen U-Boot-Film) Stimmung auf und spielte Töne an, die Gänsehaut erzeugten. Die Musikerinnen und Musiker charakterisierten mit aufwendigen und kreativen Kostümen Dorfbewohner.

Maskuline Meerjungfrau strapazierte Lachmuskeln

Als plötzlich Kinder aus dem Rheintaler Unterwasserdorf verschwinden, macht sich die Mehrjungfrau Aglaya auf die Suche. Dabei verliebt sie sich in Richi Rechsteiner, den knorrigen Bauern aus Oberwasser: Bei diesen Annäherungsversuchen bleibt im Publikum kein Auge trocken – zumal die Meerjungfrau Aglaya, gespielt von einem männlichen Tubaspieler, einen maskulinen Touch erhält. Die Verbindung zwischen Unter- und Oberwasserwelt erzählt die Regie mittels Filmelementen, in der Legofiguren die Hauptrollen spielen.

Spätestens, als die Bürgermusik Untereggen den Titelsong aus «Der Weisse Hai» anstimmt, weiss das Publikum: Jetzt wird’s ungemütlich. Schliesslich konnten Fischer als Ursache für die fehlenden Kinder ausgemacht werden. Als einer von ihnen ins «Wasser» fällt, ist man sich nicht sicher, ob er sich nicht ernsthaft verletzte. Auch Dirigent Stefan Roth vergewissert sich und deutet an: Das war knapp. Norbert Rüttimann spielt sich im Stück als Bürgermeister von Oberwasser gleich selber und verhandelt mit der Rheintaler Gemeinde ein friedliches Nebeneinander.

Auch wenn einmal das Licht vergessen ging, lieferte die BMU eine abwechslungsreiche, erstklassige musikalische Show ab. Jedes einzelne der durchaus anspruchsvollen Stücke kam an.

«Es lief gut, ich bin zufrieden. Vor allem, wenn man die Vorbereitungszeit berücksichtigt», sagt Präsident Andreas Kobler. Erst seit den Sommerferien probte die BMU für die Abendunterhaltung. Nicht jede Musikgesellschaft hätte das wohl so gut hingekriegt, ist sich der Präsident sicher. «Wir freuen uns über mehr Publikum als erwartet», sagt Kobler. In der Regel sei die erste Aufführung am Freitag weniger gut besucht als jene am Samstag. Fast alle Stühle sind besetzt an diesem Freitagabend. Besonders freut man sich gemäss Kobler bei der BMU «nach langer Durststrecke» auch über den Nachwuchs. Die BMU-Kids werden von Daniel Riedener gefördert und betreut.


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