Eine Giftpflanze wuchert: Das Geiskraut macht sich in der Region breit

NEOPHYTEN ⋅ Das Schmalblättrige Greiskraut, eine invasive und giftige Pflanzenart, hat sich dieses Jahr auch in der Region Rorschach vermehrt. Neu ist es nicht, doch es wird immer mehr. Die Gemeinden sind informiert.
19. September 2017, 05:17
Christina Vaccaro

 

Seine Stängel sind dünn, seine Blätter ganz schlank. Unauffällig wächst das Schmalblättrige Greiskraut mit den gelben Blüten an Strassenrändern und Bahndämmen. Das südafrikanische Korbblütlergewächs wurde un­gewollt durch den Import von Schafwolle nach Europa eingeschleppt. In Frankreich erobert der Giftling bereits Weiden und wird zum Problem für die Landwirtschaft. Aus den Kantonen Zürich und Thurgau ist das Schmalblättrige Greiskraut auch in die Region Rorschach gekommen.

Christoph Lenggenhager, Strassenmeister der Gemeinde Steinach, sagt: «Wir haben ein ­relativ hohes Vorkommen des Schmalblättrigen Greiskrauts, insbesondere in Richtung Arbon und entlang der Bahnstrecken.»

Tote Rinder, vergiftete Leber

Richtig ins Bewusstsein gekommen ist die Problematik erst in diesem Jahr. In anderen Kantonen kämpft man bereits stärker gegen den gebietsfremden Störenfried. Franziska Perl, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Amts für Natur, Jagd und Fischerei verweist auf Untersuchungen im Kanton Zürich. Das Schmalblättrige Greiskraut hat sich in den vergangenen Jahren rasch ausgebreitet. «Oft sind invasive Neophyten bereits lange vorhanden, ohne bemerkt zu werden. Nach einer Etablierungsphase können sie sich dann explosionsartig vermehren», so Perl.

Eine Ausbreitung in Wiesen und Weiden könnte gravierende gesundheitliche Folgen nach sich ziehen. Denn das Schmalblättrige Greis- oder Kreuzkraut Senecio inaequidens enthält giftige Inhaltsstoffe, sogenannte Lebergifte, die im Körper nicht vollständig abgebaut werden können. Giftige Abbauprodukte reichern sich infolge im Körper an und führen mitunter zum Tod von Rindern und Pferden. Über kontaminierte Milch kann auch der Mensch das Gift aufnehmen, was zu Leberschäden und verminderter Fortpflanzungsfähigkeit des Mannes führen kann. «Die frühzeitige Bekämpfung des Greiskrauts entlang der Strassen und Schienen ist wichtig, um eine Ausbreitung in Wiesen zu verhindern. Mit den richtigen Massnahmen und einer konsequenten Umsetzung kann das verhindert werden», sagt Perl.

In Steinach wurden dieses Jahr bereits Greiskrautbestände ausgerissen. «Wir hoffen, den Grossteil damit eliminiert zu haben», sagt Lenggenhager. «Alle zwei Wochen werden die betreffenden Standorte kontrolliert, um ein Wiederaufkommen noch vorhandener Samen im Boden zu verhindern.»

Bekämpfung liegt in den Händen der Gemeinden

Die Neophytenbekämpfung ist Sache der Gemeinden. Der Kanton unterstützt die Gemeinden aber finanziell wie auch fachlich durch die Bereitstellung von Informationen. In Horn wurde dieses Jahr ein höheres Vorkommen des Schmalblättrigen Greiskrauts entlang der Bahnstrecke festgestellt. «Nach einer entsprechenden Mitteilung durch die Gemeinde hat sich die SBB bereits Ende Juni um die Bekämpfung gekümmert», sagt Gemeindeschreiber Andreas Hirzel. Auch in Tübach sind Problemstand­orte, auf denen Neophyten bevorzugt auftreten, bekannt, und werden von der Gemeinde kon­trolliert. «Das Schmalblättrige Greiskraut tritt in Tübach nur ­vereinzelt auf und gehört nicht zu den Problempflanzen», sagt ­Gemeinderatsschreiber Reto Schneider. Der Goldacher Werkmeister Hansruedi Geser hat mit der Kanadischen Goldrute und dem Einjährigen Berufkraut zu kämpfen. Das Schmalblättrige Greiskraut sei (noch) kein Thema.

Für Strassenmeister Lenggenhager ist klar, dass das Schmalblättrige Greiskraut in jeder Gemeinde, in der es auftritt, ein Problemfall ist. «Es breitet sich so schnell wie Löwenzahn aus.» Das Mähen als Bekämpfungsmassnahme muss laut Perl alle sechs Wochen erfolgen, da sonst die Pflanze wieder neue Blüten austreiben könne. Wenn möglich ist die Pflanze auszureissen und im Kehricht zu entsorgen. Anschliessend muss durch regelmässige Kontrollen sichergestellt werden, dass sich kein neuer Bestand durch bereits im Boden befindliche Samen bildet.

Die Neophytenbekämpfung ist in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden. Inzwischen kostet sie etliche tausend Franken jährlich, heisst es von Steinacher Gemeinderatspräsident Brändli. Strassenmeister Lenggenhager hoff, den Grossteil des Bestandes eliminiert zu haben. «Dennoch glaube ich, wo das Greiskraut einmal aufgetaucht ist, wird man es nie ganz wegbekommen. Aber wir können die Bestände reduzieren oder zumindest eine weitere Verbreitung verhindern.»

Die Bevölkerung wird gebeten, bei der Neophytenbekämpfung mitzuhelfen und etwa vereinzeltes Aufkommen gebietsfremder invasiver Pflanzenarten in ihren Gärten zu unterbinden.

www.infoflora.ch


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